Wen die SPD als Kanzlerkandidat aufstellen könnte

Olaf Scholz, Pistorius oder ein IKEA-Wandschrank

Man muss es der SPD lassen: Sie hat Talent für Selbstzerfleischung und die Kunst, sich mit viel Aufwand um Probleme zu kümmern, die letztlich völlig irrelevant sind. Der neueste Anlass für innerparteiliches Hin und Her? Die Frage, ob Olaf Scholz erneut ins Rennen um die Kanzlerschaft geschickt wird oder ob Verteidigungsminister Boris Pistorius ins Rampenlicht rücken darf. Doch seien wir ehrlich: Angesichts aktueller Umfragewerte könnte die Partei auch einen Wandschrank aufstellen – der Effekt auf das Wahlergebnis bliebe überschaubar.

Die nüchternen Zahlen sprechen Bände: Während die Union sich auf einem soliden Vorsprung ausruht und die Grünen immerhin gelegentlich Luft holen, kratzt die SPD irgendwo im unteren Bereich der Gunstskala herum. Olaf Scholz, bekannt für seinen stoischen Gesichtsausdruck, den man als „Kanzler-Reserve-Modus“ interpretieren könnte, strahlt immerhin eine beruhigende Langeweile aus. Das ist jedoch kein Verkaufsargument, wenn die Wähler auf der Suche nach frischen Impulsen sind – oder wenigstens nach einer Erinnerung daran, wer Scholz eigentlich ist.

Boris Pistorius hingegen punktet mit Bodenständigkeit und einer gewissen Durchsetzungsfähigkeit, die sich vor allem in seiner Vorliebe für klare Ansagen zeigt. Das klingt vielversprechend, könnte aber an der SPD-Basis wie ein neues IKEA-Regal ankommen: Man weiß, es könnte nützlich sein, aber der Aufbau ist kompliziert und die Schrauben fehlen.

Nun zur Alternativstrategie: Warum nicht einen symbolischen Kandidaten aufstellen? Ein Wandschrank beispielsweise hätte mehrere Vorteile. Erstens: Er polarisiert nicht. Zweitens: Er ist stabil – eine Eigenschaft, die viele Wähler in der aktuellen politischen Landschaft schätzen. Und drittens: Man könnte ihn ohne großen Aufwand in jeder Talkshow platzieren, ohne dass jemand merkt, dass er keine Antworten liefert. Das tut der Glaubwürdigkeit der Partei kaum Abbruch, schließlich tun es viele echte Kandidaten auch nicht.

Natürlich müsste man sich innerhalb der SPD dann auch darauf einigen, ob es ein moderner Schrank im minimalistischen Stil sein soll oder ein rustikales Modell, das die Traditionswerte der Partei widerspiegelt. Ein weiteres Gremium zur Klärung dieser Frage wäre unvermeidlich, schließlich ist das innerparteiliche Ringen um Kleinigkeiten eines der wenigen Felder, auf denen die SPD immer noch glänzt.

Am Ende bleibt die Frage: Olaf Scholz, Boris Pistorius oder doch ein Möbelstück? Für die nächste Wahl könnte es egal sein. Aber wenn die SPD ihren Humor behalten will – und den braucht sie dringend – dann wäre der Wandschrank zumindest ein Statement. Vielleicht eines, das niemand versteht. Aber auch das hätte Tradition.


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