
Die aktuelle Lage der Bundeswehr lässt wenig Spielraum für Optimismus. Verteidigungsminister Boris Pistorius verkündete im Sommer ehrgeizige Pläne: Deutschland solle binnen vier Jahren kriegstüchtig werden, um gegen potenzielle Angreifer wie Russland vorbereitet zu sein. Doch Experten warnen, dass die Bundeswehr dieses Ziel nicht erreichen wird. Besonders beunruhigend sind die gewaltigen Lücken bei Drohnen, Artillerie, Panzern, Kampfjets und der Flugabwehr.
Der Versuch, Deutschland zu einem wehrhaften Staat zu machen, wird von finanziellen Engpässen und strukturellen Verzögerungen erschwert. Trotz eines Sondervermögens von über 100 Milliarden Euro ist das Geld fast vollständig verplant, während neue Mittel aus dem regulären Wehretat nicht ausreichen. So ist Deutschland meilenweit von einem Verteidigungsniveau entfernt, das angesichts der russischen Bedrohung dringend notwendig wäre. Tatsächlich könnte es laut dem Institut für Weltwirtschaft Jahrzehnte dauern, bis die Bundeswehr überhaupt wieder das Rüstungsniveau von 2004 erreicht.
Besonders gravierend sind die Defizite bei Drohnen, wo die Bundeswehr nicht einmal über eigene bewaffnete Systeme verfügt. Auch die Artillerie, Panzer und Kampfjets der Bundeswehr sind weit hinter dem Bedarf zurück, was ein erschreckendes Bild der deutschen Verteidigungsfähigkeit zeichnet. Angesichts dieser dramatischen Lücken ist die Verteidigungsbereitschaft Deutschlands derzeit kaum mehr als eine Illusion.
Die Zeit drängt, doch das Problem ist politisch. Es bedarf eines klaren Bekenntnisses und massiver Investitionen, um die Bundeswehr schnellstmöglich auf ein modernes Niveau zu bringen. Ein Umdenken innerhalb der Regierung ist zwingend notwendig, um die Verteidigung des Landes – und damit die Sicherheit Europas – zu gewährleisten.
Denn: Wer verteidigungsbereit ist, verringert damit das Risiko, überhaupt angegriffen zu werden. Und umgekehrt.
Quelle ZEIT vom 12.9.24, Seite 23.



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