
Das Zitat aus der Überschrift lautet im Original ein klein wenig anders, wie Sie im Laufe des Artikels sehen. Sinngemäß spiegelt es aber leider die Realität wider.
Im folgenden Artikel gehen wir Ungereimtheiten bei der Darstellung durch Ritter Sport nach. Dazu zitieren wir einen Artikel des Spiegels vom 30.05.24 auszugsweise und kommentieren ihn.
Ritter-Sport-Chef verteidigt Russlandgeschäfte
Ritter Sport musste wegen des Verbleibs in Russland viel Kritik einstecken. Die Einnahmen von dort spendet die Firma nun an die Ukraine – und weist darauf hin, dass »auch russische Kinder gern Schokolade essen«. […]
Das klingt ja edel. Die Einnahmen werden also gespendet. An die Ukraine. Und auch auf die armen russischen Kinder wird von diesem edlen Unternehmen, Ritter Sport, Rücksicht genommen. Edler Ritter.
[…] Der Schokoladenhersteller Ritter Sport steht zu der Entscheidung, trotz des Angriffs auf die Ukraine weiter Geschäfte in Russland zu machen. […]
Andernfalls hätte sein Unternehmen 200 Angestellte in Deutschland freistellen müssen.
[…]
Das wäre natürlich nicht schön. Und bloß, weil Russland den grössten Angriffskrieg seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa führt, wird man doch wohl noch Schokolade an die Kinder des Aggressorsstaates liefern dürfen. Es sind doch Kinder.
Okay, zugegebenermassen Kinder, die sehr früh auf die militärisch imperialistische Linie Putins eingeschworen werden, bereits im Kindergarten und der Grundschule. Aber hey, Hauptsache süß und schokoladig.
[…] Warum genau Jobs in Deutschland von einem Russland-Rückzug betroffen gewesen wären, sagte Ronken nicht. […]
Ach, das ist ja schade. Das hätte man doch eigentlich gerne gewusst. Na ja, Firmengeheimnis eben.
[…] Sein Unternehmen hat laut eigenen Angaben weltweit 1900 Mitarbeiter. […]
Aha. Aber auf die 200 Mitarbeiter, die ihr Geld dann offensichtlich durch den Handel mit dem russischen Aggressorstaat verdienen, möchte man offenbar nicht verzichten. Sonst hätte man ja nur noch 1700 Mitarbeiter. Dann wäre man ja eine Art Tante Emma laden. Wie schädlich für das Image.
[…] Ritter Sport spendet die Gewinne aus seinem Russlandgeschäft an die Ukrainehilfe. […]
So edel. Aber wenn dem so sein sollte, dann lohnt sich doch das Russlandgeschäft überhaupt nicht? Zumal der russische Angriffskrieg leider noch ziemlich lange dauern könnte. Warum aber hält Ritter Sport dann das Russlandgeschäft denn weiter am Laufen, wenn es damit ja scheinbar überhaupt nichts verdient?
Und verdient es wirklich nichts damit? Die TAZ hatte darum gebeten, dass Ritter Sport seine angeblichen Spenden offen und transparent mache. Aber bezüglich dieser unverblümten Bitte leider eine Absage von Ritter Sport.
[…] Sie versprechen, ihre gesamten Gewinne aus Russland an Hilfsorganisationen zu spenden, und haben bereits alle Investitionen und Werbemaßnahmen gestoppt.
Ob das Unternehmen Gewinne transparent macht und an welche Organisationen gespendet wird, wollte man der taz nicht mitteilen. […]
Ach, wie schade. Na ja, dann vertrauen wir mal dem edlen Schokoladenkonzern, dass er freimütig kostenlos arbeitet, selbst keinerlei Gewinn aus dem Russlandgeschäft einsteckt bzw. einen solchen stattdessen an unbenannte und geheime Hilfsorganisationen spendet, angeblich.
[…] Der Schokoladenhersteller begründet seinen Verbleib auf seinem zweitwichtigsten Markt vor allem damit,
dass er seine Produktion in Deutschland und Österreich sowie die Kooperation mit Kakaobauern und deren Kollektiven teilweise einstellen müssten, wenn sie sich zurückzögen. […]
Das Russlandgeschäft ist für Ritter Sport also der zweitwichtigste Markt, aha, in welchem man aber angeblich keine Gewinne mehr einfährt, die dem Unternehmen zugute kommen, sondern die man alle an ungenannte und geheime Hilfsorganisationen spende.
[…] „Wir können uns als Mittelständler definitiv nicht mehr unpolitisch aus allem raushalten«, sagte der Ritter-Sport-Chef weiter. […]
Keine Sorge, dieses Gefühl, dass Sie sich aus allem raushalten würden, bekommt hier auch niemand, solange Sie Ihr Russlandgeschäft weiter betreiben, denn dadurch handeln Sie höchst politisch.
Und niemand sagt, dass Sie sich aus allem heraushalten müssen. Aber bei demjenigen Land, welches den grössten Angriffskrieg seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa führt und welches die Sicherheit ganz Europas zerstört, bei dem könnte man doch mal vielleicht zumindest einmal ansatzweise darüber nachdenken?
[…] Er könne aber „nicht nur Länder beliefern, die sich zu hundert Prozent unserer Moral entsprechend verhalten“ […]
Ach so. Aber, ich wiederhole mich, bei demjenigen Land, welches den größten Angriffskrieg in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges veranstaltet und zelebriert, bei dem kann man das auch nicht machen?
Zu wie viel Prozent entspricht denn das russische Handel und der russische Angriffskrieg Ihrer Moral?
Und ab welchem Prozentsatz würden Sie erwägen, einmal zumindest testweise darüber nachzudenken, ob es Ihrer Moral entspricht, das Russlandgeschäft vielleicht einzustellen?
(Ja ja, wir wissen schon, daran verdienen Sie ja angeblich gar nichts.)
Mal angenommen Ihre nicht nachprüfbare Aussage bezüglich des Spendens des gesamten(?) Russlandgewinns an Hilfsorganisationen sollte stimmen, dann würden Sie mit dem Russlandgeschäft und der in Russland verkauften Schokolade doch immerhin Steuern in Russland zahlen, mit welchen das System Putin unterstützt und stabilisiert wird.
Oder, um es deutlich auszudrücken:
Ihr Geschäft in Russland trägt demnach mit dazu bei, dass Putin weiterhin an der Macht bleibt und weiterhin seinen Angriffskrieg führen kann.
Klar, Sie sind natürlich nur ein ganz kleiner Fisch, auf den es gar nicht ankommt. Ein winziges Schokoladenimperium wird doch noch ein winziges bisschen sein Geschäft in der russischen Diktatur, dem zweitwichtigsten Markt, betreiben dürfen.
Aber wollen wir nicht so kleinlich sein: Als positiver Nebeneffekt können russische Kinder natürlich dann Ihre süße braune Masse naschen:
[…] Firmenchef Ronken sagt, sein Unternehmen habe »Aufmerksamkeit genutzt, darauf hinzuweisen, dass auch russische Kinder gern Schokolade essen«. […]
Edel, edel. Und man möchte korrekterweise ergänzen:
„Auch die mindestens 20.000 ukrainischen Kinder, die nach Russland zwangsverschleppt worden sind, weswegen Machthaber Putin vom internationalen Gerichtshof in den Haag als Kriegsverbrecher international gesucht wird, also auch diese mindestens 20.000 ukrainischen Kinder essen gerne Schokolade.„
Und das können sie dann ja vielleicht auch in Russland, wenn Ritter Sport weiterhin seine braune Masse dorthin liefert oder dort produziert.“
[…] Wie viele der zu Kriegsbeginn noch etwa 3.500 deutschen Unternehmen inzwischen ihre Produktion eingefroren oder sich ganz aus dem Land verabschiedet haben, ist nicht bekannt.
Geblieben sind sowohl große Unternehmen als auch Mittelständler, für die Russland ein großer Absatzmarkt ist, […].
Na ja, wenn einige noch da sind, wird es ja so schlimm schon nicht sein, wenn man selber da auch noch mitmacht.
Eine Mentalität, derzufolge man sich an den Anderen orientiert, kennen wir übrigens leider aus der deutschen Geschichte. Wir hatten ja auch mal eine Diktatur – und viele, viele Mitläufer.
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