
Im verwunschenen Reich der deutschen Autobahnen, wo Geschwindigkeit mehr als nur eine Zahl ist – sie ist ein Geburtsrecht –, steht Bundesverkehrsminister Volker Wissing als wackerer Hüter der unbegrenzten Freiheit. Mit einem beherzten „Das wollen die Leute nicht!“ schlägt er die Idee eines Tempolimits nieder, als wäre es ein lästiger Mückenschwarm, der die idyllische Fahrt stört.
In Wissings alternativer Realität, in der Logik so elastisch ist wie die Zeit in einem Schwarzen Loch, wird die Einführung eines Tempolimits nicht etwa als Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit oder zur Reduzierung von Emissionen gesehen. Nein, es ist ein dunkler Schatten, der droht, den Verkehrslärm in die beschaulichen Dörfer zu tragen. Man kann sich die Szenen vorstellen: Autofahrer, getrieben von einer tiefen Sehnsucht nach Geschwindigkeit, umfahren die Autobahnen und donnern durch stille Dörfer, wobei sie die Fassaden mit dem Lärm ihrer Freiheit bemalen.
Doch Wissing könnte noch weiter in seiner Verteidigung der geschwindigkeitsfreien Zone gehen und Vergleiche zur kosmischen Ordnung ziehen, wo das Licht, ungehindert von Tempolimits, mit beeindruckender Konstanz durch das Universum rast. Hat je jemand vom Licht verlangt, langsamer zu reisen, um kosmische Unfälle zu vermeiden? Wohl kaum. In dieser Hinsicht ist die deutsche Autobahn das irdische Pendant zum leeren Raum, ein Ort, an dem Geschwindigkeit und Freiheit in harmonischer Eintracht existieren.
In einer Welt, in der alles reglementiert und überwacht wird, bleibt die deutsche Autobahn der letzte Horizont der Unbegrenztheit, ein leuchtendes Beispiel dafür, dass der Mensch sich nicht von der Tyrannei der Vernunft unterkriegen lässt. Wissing, als eifriger Verfechter dieses Prinzips, erweist sich nicht nur als Politiker, sondern als Philosoph, der uns lehrt, dass, solange wir schnell genug fahren, die Sorgen der Welt uns nicht einholen können.
So fahren wir, mit Wissing als unserem unerschrockenen Kompass, weiter auf der Überholspur, während links und rechts von uns die Realität verschwimmt. In diesem Licht betrachtet, ist das Tempolimit nicht nur eine Einschränkung unserer Mobilität, sondern unserer Phantasie. Und in Deutschland, dem Land der Dichter, Denker und Fahrer, ist das eine Grenze, die wir uns zu überschreiten nicht erlauben können.



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