
In einer Woche ist Heiligabend. In einer Woche lesen und hören wir dann wieder: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Wer aber sind diese Menschen, die Gott wohlgefallen? Prinzipiell, so wird man denken, liebt Gott alle Menschen. Gemeint ist hier aber wohl, dass diejenigen Menschen, die Gottes Willen tun, die Menschen seines Wohlgefallens sind.
Was ist aber Gottes Wille? Jesus fasst dies zusammen im Doppelgebot der Liebe: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft und deinen Nächsten, wie dich selbst.
Man soll also drei Formen der Liebe in die Realität umsetzen: die Gottesliebe, die Nächstenliebe und die Selbstannahme. Jesus überhöht die Nächstenliebe sogar noch ins Unermessliche, indem er die Feindesliebe fordert – denn nur diejenigen zu lieben, die einen auch lieben, das ist ja keine große Kunst. Jesus hängt die Messlatte des ethischen Handelns also so hoch, dass keiner sie wird erreichen können, gewissermassen als ein Fernziel.
Doch in der Tat, sollten wir es schaffen, das völlig Unmögliche zu vollbringen, nämlich ansatzweise ein kleines bisschen zu versuchen, unsere Feinde lieben zu können, was per Definitionen völlig unmöglich und ausgeschlossen ist, weil sie ja Feinde sind, aber sollte man zumindest diesen Gedanken ein bisschen zulassen können, wäre das in der Tat ein Schritt in Richtung Frieden. Oder es könnte zumindest einer sein.
Warum aber das Gebot der Gottesliebe?
Ganz einfach. Martin Luther bringt es auf den Punkt: Das, woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.
Nehmen wir als Beispiel den russischen Diktator Putin. Das, was ihm unendlich wichtig ist, ist seine Macht. Er hat die Macht anstelle Gottes gewählt, die er anbetet. Theologisch spricht man hier von einem Götzen. Der russische Diktator hat sich selbst einen Gott geschaffen, also einen selbstgebastelten Gott, einen Götzen, für den er alles tut. Für den er zehntausende russische Soldaten in die Ukraine schickt, die dort zehntausende ukrainische Menschen töten, quälen, foltern und verschleppen, sogar und ganz besonders auch unzählige Kinder.
Für diesen Götzen lässt Putin in der Ukraine komplette Städte auslöschen und hat Millionen ukrainischer Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Etwa ein Drittel der etwa 44 Millionen ukrainischer Menschen sind auf der Flucht.
Drum ist das Gebot der Gottesliebe so zentral: Das, was man für Gott hält, wird für dem Menschen unendlich wichtig. Deswegen soll man sich nicht selbst einen Götzen schaffen, sondern man soll den jüdisch-christlichen Gott erkennen und sich nach seinem Willen richten. Und dessen Willen hat Jesus im Doppelgebot der Liebe, das wir oben benannt hatten, ausgedrückt.
Und wer sind nun die Menschen Gottes Wohlgefallens? Das sind die Menschen, die nach dem Doppelgebot der Liebe handeln.
Der Mensch ist schlecht. Der Mensch ist gut. Die Welt ist schlecht. Die Welt ist gut. Das ist die Dialektik.
Diese Dialektik gibt es deswegen, weil Gott dem Menschen die Möglichkeit gegeben hat, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen. Das impliziert, dass man auch die falschen Entscheidungen trifft, indem man nämlich das Doppelgebot der Liebe missachtet.
Mit Jesus beginnt bereits im Hier und Jetzt ein klein wenig das Reich Gottes, indem wir uns an das Doppelgebot der Liebe halten und danach leben. Denn in dieser Weise gestalten wir im Hier und Jetzt bereits das Reich Gottes, ein Reich, in dem Menschen im Sinne Jesu leben können: In Nächstenliebe und Selbstannahme.
Das nennt man präsentische Eschatologie: Bereits im Hier und Jetzt bricht das Reich Gottes an, und zwar spätestens, seit Gott sich den Menschen in Jesus gezeigt hat und unmissverständlich und sehr deutlich formuliert hat, worauf es ankommt, damit man dann zu Weihnachten zurecht sagen kann: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens !



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