Ein kleines Missverständnis rund um den Titel „Diktator“

Es war einmal eine Zeit, in der die Welt voller Misverständnisse war. Da sagte zum Beispiel die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock in einem Interview, Präsident Xi Jinping sei ein „Diktator“, und ganz China geriet in Aufruhr. Denn, wie jeder weiß, bevorzugt man in China eher beschönigende Begriffe wie „demokratisch vom Volk auf Lebenszeit gewählter und geliebter Regierungschef“.

Die chinesische Außenamtssprecherin Mao Ning war schnell zur Stelle und erklärte, dass solch eine Äußerung „extrem absurd und eine schwere Verletzung der politischen Würde Chinas“ sei. Dabei könnte man meinen, es gäbe im Mandarin womöglich ein Wort, das „Diktator“ meint, aber so etwas wie „höchst ehrenwerter und von allen geliebter Führer“ bedeutet. Ein einfaches Missverständnis.

Auch die US-Präsidenten waren in der Vergangenheit nicht von diesem Missverständnis verschonen geblieben, als Joe Biden denselben Titel für Xi verwendete. Vielleicht sollten wir über eine Aktualisierung des Wörterbuches nachdenken?

Baerbock selbst schien von dem ganzen Aufheben etwas überrascht zu sein und meinte nur: „Ich habe das zur Kenntnis genommen“. Vielleicht überlegt sie sich ja, beim nächsten Mal einen der oben vorgeschlagenen beschönigenden Begriffe zu verwenden. Nur um Missverständnisse zu vermeiden.

Bundeskanzler Olaf Scholz hielt sich indessen aus der Debatte heraus, während Vizeregierungssprecher Wolfgang Büchner die offensichtliche Wahrheit aussprach: China wird von einem kommunistischen Einparteienregime regiert. Ein kleines Detail, das manchmal in der ganzen Diskussion über „Diktatoren“ und „höchst ehrenwerte Führer“ untergeht.

Letztlich gibt es in China weder freie Wahlen noch Meinungs- oder Pressefreiheit, und Xi Jinping kann theoretisch bis zu seinem Lebensende regieren. Aber, liebe Leser, vergessen wir nicht das Positive: Er tut dies nur auf den ausdrücklichen Wunsch des Volkes hin und verzichtet großzügig auf jegliche Wiederwahl, um dem Land Kontinuität und Stabilität zu bieten. Ein wahrlich selbstloses Unterfangen.


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Kommentare

3 Kommentare zu „Ein kleines Missverständnis rund um den Titel „Diktator““

  1. Den ausdrücklichen Wunsch des Volkes zu ignorieren geht gar nicht. So selbstlos … der Diktator. 🫤

  2. Ja, und er spart dem Volk ja auch so viel Zeit, die es sonst an der Wahlurne verplempern müsste…

  3. Eben!

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