
Eines morgens wachte Herr Samsa auf und fand sich auf einer Wolke wieder. Es war nicht das gewöhnliche, durchgesessene Sofa, auf dem er normalerweise schlief, sondern etwas völlig anderes, vollkommen unvergleichbar, weicher und lockerer.
Herr Samsa blickte um sich und sah sich, ganz zu seiner Überraschung, inmitten eines makellosen Himmelspanoramas wieder. Weit unten konnte er die Dächer seines Viertels erkennen, den Schornstein der Bäckerei, den Park, in dem er sonst seine sonntäglichen Spaziergänge machte.
Ein leichter Schwindel ergriff ihn, und er klammerte sich an die Wolke, die wider Erwarten ein durchaus griffiges Gewebe hatte, nicht anders als der alte Perserteppich, der die Flure seines Mietshauses zierte.
„Himmel!“, rief Herr Samsa und konnte ein feines Schmunzeln angesichts seiner unfreiwilligen Wortwahl nicht unterdrücken. Er war nicht der Typ, der an übernatürliche Phänomene glaubte, aber in diesem Moment war er versucht, seinen Unglauben zu überdenken.
Seine erste Sorge galt den Nachbarn. Die naserümpfende Frau Müller von nebenan und der immer skeptische Herr Schulz von gegenüber. Was, wenn sie ihn in diesem Augenblick durch ihre Fenster betrachten könnten? Würden sie denken, er sei ein Engel geworden?
„Das wäre eine lächerliche Annahme“, murmelte Herr Samsa, denn er wusste genau, dass er in keiner Weise den Bildern von Engeln entsprach, die er in Kirchen und in frommen Büchern gesehen hatte.
Das Wichtigste war jetzt, wie er von der Wolke herunterkommen könnte. Er blickte sich um, konnte aber keine Leiter oder ein anderes geeignetes Mittel entdecken. Seine Krawatte transformierte sich auch nicht, wie er kurz hoffte, in einen Abseilstrang.
Der Versuch, einfach von der Wolke zu springen, erschien ihm absurd und lebensgefährlich. Er könnte versuchen, die Wolke hinunterzuklettern, aber das schien ebenso schwierig. Wie klettert man eine Wolke hinunter? Er hatte nie zuvor von so etwas gehört.
Tagelang saß Herr Samsa auf seiner Wolke fest und beobachtete das Geschehen unter ihm. Er sah, wie die Leute zur Arbeit gingen, Kinder spielten, die Welt sich drehte, ohne von seiner misslichen Lage Notiz zu nehmen.
Es stellte sich heraus, dass das Leben auf einer Wolke nicht so schlimm war. Es gab genug Wasser, wenn er nur seinen Mund öffnete, und das Licht der Sonne wärmte ihn angenehm. Seine einzige Sorge war, dass sein Mantel und seine Haare allmählich anfingen, weiß zu werden und er noch mehr wie ein Engel aussah.
Eines Morgens, als Herr Samsa wieder erwachte, bemerkte er eine Veränderung. Seine Wolke schien kleiner zu sein, schrumpfte und brachte ihn langsam näher an den Boden. Er versuchte, sich nicht zu bewegen, um das Schrumpfen nicht zu stören. Es dauerte Stunden, Tage vielleicht, aber schließlich berührten seine Füße den Boden. Er stand vor seinem Mietshaus, direkt neben dem alten Perserteppich im Flur.
Herr Samsa richtete seinen Mantel und strich seine Haare glatt. Er atmete tief durch und machte sich bereit, seinem alltäglichen Leben gegenüberzutreten.
Als er die Treppe zu seiner Wohnung hinaufstieg, trafen ihn neugierige Blicke der Nachbarn. „Herr Samsa, Sie sehen so… strahlend aus“, bemerkte Frau Müller. „Ja, sehr… himmlisch“, fügte Herr Schulz hinzu.
Herr Samsa lächelte nur und ging weiter. Er würde sie in ihrem Glauben lassen. Wer wusste schon, wann die nächste Wolke ihn wieder in die Höhe tragen könnte?



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