
Gedanklich komme ich manchmal in den späten 80er und frühen 90er Jahren vorbei. Dann fällt mir beispielsweise ein großes Problem ein, welches damals formuliert wurde. Man wollte Autos sparsamer machen. Dazu hatten sich Techniker, z.b welche von VW, etwas ganz Tolles einfallen lassen, nämlich ein sogenanntes Schwungrad. Wenn ein Auto an einer Ampel halten würde, würde die Energie nicht einfach in die Bremse gehen, sondern ein recht schweres Schwungrad unter der Motorhaube antreiben, welches sich dann immer schneller drehen würde, wobei durch die Abgabe der Bewegungsenergie an das Schwungrad das Auto immer langsamer werden würde.
Und umgekehrt. Würde das Auto dann an der Ampel wieder starten, würde das Schwungrad die Energie ans Auto zurückgeben und es könnte so mit dem Schwung des Schwungrades starten und auf diese Weise Energie sparen.
Aber, das ganze schien zu gefährlich. Was wäre denn im Falle eines Unfalls, wenn ein solches Schwungrad noch mit hoher Bewegungsenergie aus dem Motorraum ausbrechen und durch die Landschaft sausen würde? Derlei Bedenken brachten das Aus für dieses Schwungrad.
Zum damaligen Zeitpunkt hieß es noch, man brauche ein solches Schwungrad, weil die Autobatterie es einfach nicht leisten könne, dass ein Auto an der Ampel den Motor abschaltet und dann mit Batterie wieder neu gestartet wird.
Und heutzutage? Heute ist das überhaupt kein Thema mehr. Die Autos schalten an der Ampel den Motor ab und starten ihn automatisch wieder, sobald es grün wird. Und nicht nur an der Ampel, sondern auch permanent im Stau, im Stop and Go Verkehr, immer, wenn man auskuppelt und anhält.
Das scheinbar große Problem, welches damals groß und breit diskutiert wurde und einigen Menschen wohl im Gedächtnis blieb, wurde also klammheimlich gelöst, ohne dass darüber in entsprechender Weise groß und breit berichtet wurde.
Und so ist es wohl bei vielen Dingen in den Medien. Die Probleme werden durchgewälzt und durchgewälzt und durchgewälzt, und irgendwann gibt es eine Lösung, die wird dann kurz mal pointiert erwähnt, danach verschwindet sie aus den Medien und diese wälzen das nächste Problem durch.
Ausstieg aus der Atomkraft? Unmöglich, solange, bis es plötzlich möglich ist.
Energie aus alternativen Energiequellen? Völlig unmöglich, solange, bis es plötzlich möglich ist.
Bildtelefon der Post? Zukunftsvision! Solange, bis plötzlich jeder ein Smartphone in der Hosentasche hatte.
Autonom fahrende Autos ? Viel zu gefährlich und rechtlich unklar. Solange, bis es auf einmal autonom fahrende Autos gibt.
Und so weiter. Es macht natürlich Sinn, dass die Medien Probleme durcharbeiten. Dann würden sie immer nur diejenigen Dinge berichten, die gut laufen, wären wir wahrscheinlich in einer Diktatur, in welcher nämlich genau nur diese Dinge berichtet werden, die dem Bürger suggerieren, die Einheitspartei oder wie sie auch immer heißen würde, bekomme alles einwandfrei hin. Insofern, ja, es macht Sinn, dass die Medien problematisieren. Aber es macht auch Sinn, dass man dies erkennt und merkt, dass viele Probleme dann irgendwann gelöst werden, auch, wenn man sie selber irgendwie noch im Kopf hat. Dass man also erkennt, dass es Sinn macht, diese Probleme zu thematisieren, aber dass sie auch nur ein Teil der Wirklichkeit sind. Das Leben besteht nämlich nicht nur aus Problemen, sondern es besteht auch aus ziemlich vielen Lösungen.



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