Starb Gott an Karfreitag?

Die theologische Antwort lautet: Es ist kompliziert.

Nach christlicher Theologie ist Gott eins. Aber nur nach außen. In sich ist er selbstdifferenziert in drei Wesensheiten, sogenannte Hypostasen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist.

Mit Gott Vater wird derjenige identifiziert, der das Prinzip der Gerechtigkeit vertritt und der zudem auch alles erschaffen hat. Gott, der Schöpfer.

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

(Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel, Quelle EKD)

Mit Jesus wird die Gnade und die Liebe Gottes verbunden, die mitunter die Gerechtigkeit von Gott Vater ergänzen kann.

Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen

Und mit Gott Heiliger Geist wird das Prinzip der Weisheit verbunden einerseits. Andererseits ist der Heilige Geist, im griechischen Neuen Testament Pneuma genannt, auch diejenige Kraft, die Gottes Wirken verkörpert, selbst, wenn man Jesus nicht sehen kann und Gott Vater gleich ohnehin nicht.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird

Nach außen wirkt Gott also wie eine Person, nach innen sind es aber drei. Das ist erstmal schwer vorstellbar, man kann es sich aber verdeutlichen, wenn man sich von außen eine Kirche anschaut. Sie ist außen nur ein einziges Gebäude. Innen drin sind aber viele Menschen mit unterschiedlichen Charakteren am Werke.

Und wie ist das nun zu Karfreitag? Stirbt da Gott? Jesus wird ja von den Römern gekreuzigt, oder sagen wir so, er lässt sich kreuzigen, er, der alle Macht des Universums besitzt, lässt es zu, dass ganz normale Menschen ihn kreuzigen.

Nun ist nach christlicher Theologie Jesus aber eine der Personen, die Gott ausmachen. Gewissermaßen stirbt also ein Teil von Gott an Karfreitag. Am Ostersonntag wird ein anderer Teil, also eine andere Person Gottes, diesen einen Teil Gottes, diese eine Person Gottes, Jesus, wieder auferstehen lassen.

Gott Vater lässt an Ostersonntag also Gott Sohn wieder auferstehen.

Aber war Gottes Sohn, Jesus, wirklich tot ?

Über diese Frage hat man sich in der Frühzeit der Christenheit bereits gestritten. Es fand sich z.b unter anderem die Sicht, das Göttliche in Jesus habe kurz vor der Kreuzigung gerade noch rechtzeitig den Körper des Menschen Jesu verlassen. Diese Lehre wurde jedoch verworfen, sondern man sah es theologisch so, dass ein Teil Gottes bis zuletzt in dem Menschen Jesus geblieben ist und sich nicht zu schade oder zu fein war, bis in die tiefsten Tiefen des menschlichen Elends hinabzusteigen und den menschlichen Tod mitzuerleben. Dieser theologischen Sicht nach begreift man Jesus nur richtig, wenn man ihn so versteht, dass er beides ist: Wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich. Dementsprechend starb an Karfreitag also ein Teil Gottes höchstpersönlich.

Was machte aber Gott Vater mit diesem verstorbenen Teil Gottes? Erschuf er ihn neu?

Das würde der christlichen Theologie widersprechen:

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;

Den Theologen, die das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel verfassten, war es wichtig einerseits, dass Jesus dasselbe Wesen hat wie Gott, dass Jesus also Gott ist. Des weiteren war ihnen wichtig, dass er geboren wurde, was noch einmal darauf hindeutet, dass Jesus dasselbe Wesen hat wie Gott. Er wurde also nicht von Gott geschaffen, wie beispielsweise die Wesen aus Gottes Schöpfung, wie also die Tiere oder die Menschen, sondern er wurde aus Gott geboren und besitzt also dasselbe Wesen wie Gott.

Insofern wird man es theologisch so verstehen müssen, dass Gott den Jesus nach dessen Tod also nicht neu erschaffen hat, wie irgendein anderes Wesen, das von Gott sonst noch erschaffen wurde. Sondern man wird es so verstehen müssen, dass Gott den Jesus tatsächlich aus dem Tod auferweckt hat. Wie auch immer man sich das vorstellen mag, aber wer ein Universum erschafft wie Gott, der hat da sicher gewisse Möglichkeiten.

Insofern kann man es aus christlicher Theologie so sehen, dass am Karfreitag ein Teil Gottes, also eine Person Gottes, tatsächlich gestorben ist und von einem anderen Teil, einer anderen Person Gottes, am Ostersonntag wieder auferweckt wurde.


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