Es ist keineswegs nur Putins Krieg

Wie schon an den letzten Montagen, so gab es auch diesen Montag in der Ukraine wieder massiven russischen Raketenbeschuss. Das russische Militär hat sich scheinbar am Wochenende erholt und schreitet dann gut gelaunt und mit frischen Kräften wieder an sein verbrecherisches und zerstörerisches Werk.

In Deutschland versteht man eine zentrale Sache oft nicht ganz. Einige Menschen in Deutschland sagen, dies sei Putins Krieg. Und in der Tat ist er die zentrale Figur, die diesen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine eingeleitet hat. Den Krieg aber auf ihn alleine zurückzuführen, greift wohl zu kurz.

Putin hat einen Führungszirkel, der hinter ihm steht, er hat die russische Politik durchdrungen mit seiner Überwachung und er hat seit Jahrzehnten den russischen Menschen immer stärker durch seine Propaganda und schließlich durch das Verbot kritischer Medien das Gehirn gewaschen – wobei „gewaschen“ hier wohl das falsche Wort ist, „vergiftet“ wäre wohl treffender.

Wenn man in der deutschen Geschichte zurückblickt, wird man auch nicht sagen können, es sei allein Hitlers Krieg gewesen. Auch Hitler hatte einen Führungszirkel, auch Hitler hatte wichtige Stellen im Staat auf seine Linie gebracht und hatte dafür gesorgt, dass große Teile der Bevölkerung durchdrungen waren mit seiner Propaganda. Es war dann nach dem Krieg auch nicht so, dass man hingehen und diesen Menschen einfach erklären konnte, wie verwerflich und falsch diese Propaganda und dieses menschenverachtende Weltbild Hitlers und der Nationalsozialisten gewesen war. Im Gegenteil, viele Menschen in Deutschland hatten die Propaganda tief aufgesogen und waren innerlich Nationalsozialisten geblieben, Nationalsozialisten mit ihrem tief verwurzelten Antisemitismus. Und viele von ihnen haben indirekt dieses Weltbild sogar an ihre Kinder weitergegeben.

Deswegen dürfte es ein naiver und frommer Glaube sein, wenn man annimmt, dass es allein Putins Krieg ist. Putin hat dafür gesorgt, dass große Teile des russischen Volkes ideologisch auf seiner Linie sind und selbst, wenn der Krieg einmal für Russland verloren sein sollte, was man allein schon aus geostrategischen Gründen für die Sicherheit Europas hoffen muss, dürften die imperialistischen Gedanken aus Putins Weltbild noch für lange Zeit in vielen russischen Köpfen verankert sein. In Köpfen innerhalb von Russland, aber auch außerhalb Russlands, bei Menschen nämlich, welche außerhalb Russlands seit Jahrzehnten trotzdem die russischen Medien aufgesogen haben.

Es ist nicht nur Putins Krieg, es ist auch der Krieg seiner Ideologie, die in vielen russischen Köpfen fest verankert sein dürfte. Und eine Ideologie bekommt man nicht einfach aus den Köpfen heraus. Sie ist gekommen, um zu bleiben. Sie dürfte das nächste Jahrzehnt prägen – mindestens das nächste Jahrzehnt.

Für den ukrainischen Intellektuellen Serhij Zhadan, der kürzlich mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, geht die oben genannte Interpretation nicht weit genug. Dementsprechend sei es nicht allein Putin, der sein Volk mit Propaganda zu diesem Krieg geführt habe, sondern Putin habe durch seine Propaganda den russischen Imperialismus, welcher seit Jahrhunderten der russischen Kultur innewohnt, aufgegriffen und formuliert und so die Grundlage für diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg aus den Tiefen der russischen Kultur hervorgeholt. Er habe quasi das imperialistische Biest geweckt, das kulturell jahrhundertelang schon eine zentrale Rolle in Russland spielte, und es von der Kette gelassen.

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