Frieden durch Abschreckung

Zur Zeit des Kalten Krieges verfolgte die NATO den sogenannten NATO-Doppelbeschluss. Einerseits militärische Abschreckung gegenüber der UdSSR, andererseits die ausgestreckte Hand zum Dialog und zur Abrüstung. Diese Doppelstrategie hatte Erfolg und führte tatsächlich zu Frieden in Europa und Abrüstung.

An diese Strategie sollte man sich auch jetzt erinnern, wo Russland mit gut 100.000 Soldaten und schwerem, einsatzbereitem Kriegsgerät an der Ostgrenze der Ukraine und an der Nordgrenze, in Belarus, aufgefahren ist.

Den Frieden gibt es auf zwei Arten. Entweder durch eine glaubhafte Abschreckung, die einen militärischen Angriff bereits in Gedanken gleich wieder ad absurdum führt, oder dadurch, dass man einen Krieg führt und ihn gewinnt.

Deswegen ist militärische Abschreckung die bessere Wahl, weil es hier zu überhaupt keinen Toten und Verletzten kommt.

In Deutschland tut man sich aktuell etwas schwer mit der Abschreckung. Lange Zeit hatte der aktuelle Bundeskanzler Olaf Scholz, SPD, von dem man auch lange Zeit ohnehin nichts gehört hatte, verlauten lassen, man wolle an dem umstrittenen deutsch-russischen Projekt einer Gaspipeline, an Nord Stream 2, festhalten, angeblich sei das kein geostrategisches Projekt, sondern ein rein privates. Was so natürlich nicht stimmt, weil diese Gaspipeline Russland doch kontinuierlich Devisen liefern würde, die Putin dann in seinen eigenen Machterhalt und natürlich auch ins Militär investieren kann, welches dann wiederum andere Länder bedroht oder invadiert. Es musste erst der frühere Außenminister, Sigmar Gabriel, SPD, in einem Interview deutlich machen, dass im Falle eines russischen Angriffs auf die Ukraine Nord Stream 2 gestorben wäre. Allmählich hinkte Olaf Scholz hinterher und verkündete ähnliches, wenngleich man immer noch nicht weiß, ob er wirklich dahinter stehen würde. Und das ist das Problem.

Ein weiteres Problem ist, dass der neue Unionsvorsitzende Friedrich Merz vor kurzem davor gewarnt hatte, was ein Abschalten des internationalen Zahlungsverkehrs Swift im russischen Raum für Folgen hätte. Es sei eine wirtschaftliche Atombombe, so sagte Friedrich Merz. Allerdings meinte er dies nicht in dem Sinne, dass man diese Atombombe dann notfalls zünden solle, sondern dass man sie eben nicht zünden solle. Abschreckung im Vorfeld in Nichts aufgelöst.

Dann noch ein weiterer Punkt. Die Ukraine bittet Deutschland, welches eine hocheffiziente Waffenindustrie besitzt, dringend um Defensivwaffen, um sich bei einem russischen Einmarsch verteidigen zu können. Deutschland lehnt nach wie vor ab, aus historischen Gründen, weil man im zweiten Weltkriegs ja der Welt den Krieg mit Waffen gebracht habe. Aber Deutschland lehnt nicht nur ab, sondern verbietet auch anderen Ländern, die in Deutschland Waffen gekauft hatten, diese Waffen zur Verteidigung an die Ukraine zu liefern. Allerdings verkennt man in Deutschland aktuell die Situation, denn hier ist es nicht Deutschland, das irgendjemandem den Krieg bringt, sondern es geht um Defensivwaffen, die Krieg vermeiden sollen. Aber auch hier versagt wieder die Abschreckung, denn keine Waffen, keine Abschreckung. Andere Länder sind hier ein Stück weiter, die USA liefern Defensivwaffen an die Ukraine, Großbritannien ebenfalls.

Deutschland hingegen liefert Pflaster. Ein Feldlazarett für etwa fünf Millionen Euro. Abschreckung sieht anders aus. Abschreckung würde bedeuten, dass überhaupt keine Verletzten zu beklagen sind, Deutschland kümmert sich aber lieber präventiv schon einmal um die Verletzten und Sterbenden, die auch aufgrund der indifferenten deutschen Haltung künftig als Opfer einer russischen Invasion zu beklagen sein könnten.

Deutsche Indifferenz in der Ablehnung bei Nord Stream 2 und Swift, keine Defensivwaffen: Das ist ein ethisch problematisches Vorgehen. Und auch, wenn es erstmal so scheint: So pazifistisch ist dieses Vorgehen aus den genannten Gründen nicht.


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Kommentare

42 Kommentare zu „Frieden durch Abschreckung“

  1. Defensiv-Waffen ? Wir dürfen laut Grundgesetz keine Waffen in Kriegsgebiete liefern ! Das mit dem Nato-Doppelbeschluss solltest Du noch mal irgendwo nachlesen. Ich habe die Zeit miterlebt und wir waren strickt dagegen. 1983 hätte es beinahe den 3.Weltkrieg gegeben: nur viel Glück und ein beherzter russischer Offizier haben damals die Katastrophe verhindert… nein, Abschreckung allein verhindert keine Kriege – Diplomatie ist immer die bessere Option. Zur Zeit drehen alle Seiten am Kriegsrad, das ist sehr bedenklich… 🙄

  2. Gespannt, wann du den Blog in WAR.FISH umbenennst. 😎
    🌿
    Stell dir vor, dein Sohn schlägt sich auf dem Schulhof mit
    einem anderen Jungen. Würdest du ihm Steine bringen?
    Oder hättest du Sorge, daß härtere Mittel
    die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen erhöhen könnten?
    Oder ist es dir ganz egal,
    wie die Jungs auf der anderen Seite bluten?

  3. Avatar von muktananda13
    muktananda13

    Jeder glaubt zu verstehen. Auch die Politik zu verstehen. Doch Politik ist diejenige, die stets Massmedia inne hat.
    Glauben ist nicht Wissen.

  4. Avatar von klimaleugner
    klimaleugner

    Sie brauchen keine Angst zu haben, daß die Bundeswehr irgendjemanden abschreckt. Um sie zu entwaffnen, reicht ein einziges Regiment der Roten Armee.

  5. Das ist nicht im Grundgesetz geregelt, dort höchstens angerissen. Wenn, dann muss man ins Kriegswaffenkontrollgesetz schauen. Genau genommen, wenn ich das richtig gelesen habe, geht es aber um die politischen Richtlinien der Bundesregierung, die im Januar 2000 beschlossen wurden. Vielleicht selber einmal nachlesen hier.
    https://www.bdsv.eu/themen/exportkontrolle/articles/der-rechtliche-rahmen.html

    Den NATO-Doppelbeschluss habe ich auch miterlebt und weiß nicht genau, was ich da noch einmal nachlesen soll?

    Bei der sich hier möglicherweise entfaltenden Diskussion bitte ich zu berücksichtigen, dass mein Ziel der Friede ist. Ich habe mit Waffen eigentlich generell gar nichts am Hut. Aber sie können den Frieden sichern.

  6. Das ist jetzt aber polemisch.
    Es soll überhaupt niemand bluten. Deswegen ist Abschreckung wichtig, sofern sie glaubwürdig ist. Dann kommt es nämlich zu keinem Krieg.

  7. Wir alle glauben irgendwo nur.

  8. In der Tat dürfte die Bundeswehr aktuell für niemanden eine allzu große Bedrohung darstellen.

  9. Oder zu deinem Beispiel, auf einen Schulhof übertragen: dort wird im Optimalfall niemand geschlagen, weil es natürlich auch eine gewisse Abschreckung gibt: Würde jemand geschlagen werden, würden disziplinarische Maßnahmen von Seiten der Schule folgen.

    Parallel zu der Abschreckung wird allerdings im Bereich von Schule versucht, durch Bildung und Einsicht zu erreichen, dass jeder die Rechte der anderen von selbst aus achtet und wahrt.

  10. Avatar von muktananda13
    muktananda13

    Nein, nicht alle.

  11. Manche sind auch einfach gut informiert.

  12. Fisch, meine Frage hast du nicht wirklich beantwortet, ich vermute aber, daß du mein Beispiel mit den Jungs verstanden hast.

  13. Es wäre schön, wenn du mich
    wieder freischalten würdest.

  14. Ich sprach natürlich vom Wehrergänzungsgesetz des Grundgesetzes, welches 55/56 verabschiedet wurde. Wollen wir hier nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst können wir gleich eine juristische Vorlesung abhalten…

    Mit Waffen wurde noch nie Frieden geschaffen. Waffen sind zum töten da und werden auch dazu eingesetzt. Nicht zuletzt deshalb haben wir damals den Kriegs- und Wehrdienst abgelehnt und lieber Zivildienst gemacht (gegen den gesellschaftlichen Mainstream und mit hohen Hürden, wie Gewissensprüfungen durch fragwürdige Ausschüsse etc.pp.).

    Nein – ich halte von deiner Theorie, Waffen könnten Frieden schaffen oder erhalten, gar nichts. Deshalb bin ich auch strikt gegen Waffenlieferungen in Krisengebiete (woran sich natürlich frühere Bundesregierungen nie gehalten haben, wenn ich nur an Israel denke…)

  15. reden sie keinen Blödsinn… 🙄

  16. Man kann persönlich Waffen ablehnen und wie gesagt, ich stehe ihnen selber sehr skeptisch gegenüber, aber der Prozess der Abrüstung zwischen NATO und UdSSR hatte eben durch die NATO Doppelstrategie erst funktioniert. Die Drohung der Aufrüstung und gleichzeitige Gespräche, um eine Abrüstung vorzuschlagen.
    Dass beispielsweise der radikale Pazifismus der Bergpredigt nicht funktioniert, um einen Staat zu führen, hatte schon Martin Luther im 16. Jahrhundert erkennen müssen und deswegen seine Zwei-Reiche-Lehre entworfen.

  17. @nirmalo Auf dieses Beispiel hatte ich ja auch geantwortet.

  18. @nirmalo du kannst hier prinzipiell kommentieren, ich habe aber momentan generell die Kommentare so eingestellt, dass sie erstmal freigegeben werden müssen. Nicht nur bei dir.

  19. Dass es auch andere Sichtweisen aus christlicher Perspektive gibt, kann man auf meinem Blog nachlesen: https://christseinverstehen.de/blog/index.php?friede-fuer-die-ukraine-

    Ich werde den Artikel von god.fish auf meinem Blog verlinken, damit meine Leserinnen und Leser auch seine Sicht nachvollziehen können, wenn god.fish damit einverstanden ist.

  20. Avatar von Jolina

    In welcher deutschen Großstadt gibt es denn noch solche Schulen? In der Regel muss man da doch froh sein, wenn Meinungsdifferenzen mit den Fäusten und mit dem Messer ausgetragen werden!

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