Missbrauch in der katholischen Kirche im Erzbistum München und Freising: Mindestens 497 Opfer sexuellen Missbrauchs und mindestens 235 mutmaßliche Täter benennt das Gutachten einer münchner Rechtsanwaltskanzlei.
Auch der ehemalige Papst Benedikt, ehemals Kardinal Ratzinger, und der aktuelle Kardinal Marx werden belastet, weil sie zwar von Vorfällen hätten wissen müssen oder tatsächlich wussten, aber nicht entsprechend reagiert hätten. Damit hätten sie sich also mit den Tätern gemein gemacht und Schuld gegenüber den Opfern auf sich geladen.
Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gibt es zwar leider quer durch die Gesellschaft hindurch, in Familien, Vereinen, Jugengruppen und der Kirche. Aber besonders in der Kirche ist ein solches Verbrechen unverzeihlich, weil Kirche schon aufgrund ihrer theologischen Sicht ein Schutzraum sein müsste.
Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen, denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Einige Mitarbeiter der katholischen Kirche haben offensichtlich diesen Satz ins Zynische verkehrt und den Schutzbefohlenen nicht das Himmelreich, sondern die Hölle eröffnet. Gegen eine solche Untat hilft auch kein Ablassbrief.
Die Strukturen in der katholischen Kirche müssten sicher neu erdacht und überarbeitet werden, eine Art von Gewaltenteilung wäre wohl nötig. Denn so, wie es scheint, begünstigt die strenge Hierarchie der katholischen Kirche die Vertuschung von Missbrauch – der Fisch stinkt vom Kopf her. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Und generell müsste in diesem Zusammenhang auch wieder einmal über das Zölibat nachgedacht werden. Es macht zwar Menschen nicht automatisch zu Sexualstraftätern, aber dadurch, dass katholische Priester offiziell keine Beziehung zu einer Frau oder einem Mann führen dürfen, steht nach wie vor die Vermutung im Raum, dass die sexuelle Energie dann an falscher Stelle ihr Betätigungsfeld finden kann. Dass es auch anders geht, sieht man beispielsweise an der ukrainisch-katholischen Kirche, die übrigens auch vom Papst anerkannt ist: dort dürfen Männer heiraten, bevor sie zum Priester geweiht werden – sie sind dann verheiratete katholische Priester.



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