Gestern demonstrierten etwa fünftausend Menschen in München einerseits gegen die Impfpflicht, andererseits gegen eine imaginierte Diktatur, mit Slogans wie „Friede, Freiheit, keine Diktatur“ und wandten sich damit offensichtlich gegen die Maßnahmen der Regierung, die die Pandemie eindämmen sollen.
Dass es in Deutschland keine Diktatur gibt, dürfte eigentlich mit ein wenig Nachdenken auch für die Demonstrierenden nachvollziehbar sein, denn sonst hätten sie nicht demonstrieren können. Das macht man in einer Diktatur nämlich nur einmal, danach sitzt man irgendwo im Knast.
Dass das Virus aber tatsächlich diktatorische Züge hat und macht, was es will, ganz besonders, wenn etwa 5000 Menschen zumeist ohne Maske dicht nebeneinander demonstrieren, noch dazu rechtswidrig auf einer nicht genehmigten Demonstration, dürften die meisten Demonstrierenden nicht realisiert haben. Dass sie mit ihrem rücksichtslosen Verhalten dem todbringenden Virus in die Hände spielen, dürften die meisten ebenfalls intellektuell nicht erfasst haben.
Es würde Sinn machen, gegen das diktatorische Virus zu demonstrieren, nicht aber gegen die Maßnahmen, die das diktatorische Virus zurückdrängen wollen, um die Demokratie und den Rechtsstaat vor dem Kollaps zu bewahren. Aber auch dies scheint für den ein oder anderen Demonstranten intellektuell schwer erfassbar gewesen zu sein. Wer nämlich in derart unverantwortlicher Weise ohne Maske und ohne Mindestabstand demonstriert, spielt dem diktatorischen und todbringenden Virus in die Hände. Die hochansteckende Omikron-Variante dürfte gestern ihre helle Freude gehabt haben und sich nun gleich ein bisschen heimischer fühlen in München und im bayerischen Freistaat, dem sie mit freundlicher Unterstützung durch die Demonstrierenden immer mehr Freiheit nimmt. Deren rücksichtsloses und gesetzeswidriges Verhalten kann die Demokratie und den Rechtsstaat letztlich in der Tat gefährden.
Hintergründe zu der Demo finden Sie hier und hier.



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