Es steht zu vermuten, dass viele Menschen, die den Querdenkern oder Impfgegnern in die Fänge gegangen sind, dies gar nicht so sehr aus Überzeugung getan haben, sondern vielleicht deswegen, weil sie sich schwer damit tun, abstrakt zu denken.
Denn das Virus ist abstrakt. Die Pandemie ist abstrakt. Sie drückt sich nur in Zahlen aus und in Zeitungsartikeln. Man kann das Virus nicht sehen, nicht riechen, nicht hören. Und man kann eigentlich auch nicht in Krankenhäuser gehen auf irgendeine Station und dort das Personal bitten: zeigen Sie mir doch bitte mal alle Patienten, die mit Corona bei Ihnen auf der Station liegen – denn welcher Patient hätte es gerne und würde es überhaupt zulassen und dulden, dass wildfremde Menschen bei ihm durchs Zimmer laufen, nur weil sie nicht glauben, dass er ernsthaft erkrankt ist? Noch weniger geht ein solcher Spontanbesuch auf einer Intensivstation, dort hat man natürlich überhaupt keinen Zutritt als jemand, der da nicht mal einen Angehörigen liegen hat.
Die Abstraktivität der Pandemie und des Virus‘ dürfte also mit einer der Gründe sein, weshalb Menschen die Pandemie und das Virus nicht verstehen und sich deswegen in Verschwörungstheorien aller Art flüchten. So lange, bis sie vielleicht selbst schwer erkranken oder jemand aus ihrem direkten Umkreis. Und selbst dann verstehen viele Menschen das Virus nicht. Es gab schon Querdenker, die bis in den Tod die Virusinfektion geleugnet haben. Vielleicht nicht bösartig, sondern vielleicht, weil sie einfach nicht abstrakt denken konnten. Eine besondere Tragik – und eine tödliche.
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