Minimalismus – und die ihm innewohnende Gefahr

Eine minimalistische Lebensweise erscheint zunächst charmant. Es gibt im Internet und in Büchern unzählige Enzyklopädien von Hinweisen darüber, wie man minimalistisch leben könnte oder sollte.

In der Tat scheint dies vordergründig eine gute Sache zu sein, denn man hat zu Hause so viele Sachen herumliegen, die man nicht braucht: Bestenfalls ein geordnetes Chaos, schlechtestenfalls der Hang zum Messi.

Weniger sei mehr, so der Gedanke minimalistischer Lebensratgeber.

Allerdings kann auch der Hang zum Minimalismus zu einer Ideologie umkippen und dann äußerst rigide das Leben von einem selbst und auch von anderen bestimmen. Das, was man zu Hause dann nicht mehr rumstehen hat, hat man dann nämlich virtuell im Kopf, wo es zu einer dogmatischen Doktrin expandieren kann, der man sich kaum mehr entziehen kann.

Insofern verspricht der Minimalismus einerseits Freiheit, weil man vom Ballast befreit werde. Andererseits wohnt ihm die Gefahr inne, zu einer Art Kontrollfreak zu werden: wo muss ich weniger haben, wo muss ich entrümpeln, ist es okay, 3 Bücher im Regal stehen zu haben, oder muss eines davon weg – oder gar zwei ? Innere Gelassenheit sieht anders aus.

So ist es mit dem Minimalismus wie mit jeder guten Idee: solange er Maß und Mitte hält, kann er hilfreich sein, wenn er aber die goldene Mitte verlässt, kann er autoritär werden – wie potentiell jede Ideologie.


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