Kürzlich sah ich auf Arte eine Doku zum Bewusstsein.
Darin wurde unter anderem von einem Experiment berichtet. Ein Proband wurde in eine Röhre geschoben, ich glaube, es war ein MRT, um dort die Gehirnaktivität zu messen. Der Proband sollte ein ganz einfaches Experiment unterstützen. Er hatte zwei Knöpfe in der Hand und konnte frei entscheiden, wann er den einen und den anderen Knopf drücken wollte. Das Erstaunliche dabei war, dass die Forscher bis zu 7 Sekunden im Voraus aufgrund der Hirnaktivitäten vorhersagen konnten, welchen Knopf der Proband drücken würde. Er selber hatte allerdings das Gefühl, völlig selbstbestimmt entscheiden zu können, welchen Knopf er drückt. Tatsächlich aber, so die These der Forscher, habe das Gehirn bereits – teilweise bis zu 7 Sekunden vorher – entschieden, welchen Knopf er drücken würde, und der Proband habe dann geglaubt, er hätte das selbst entschieden.
Nun handelt es sich natürlich zum einen um ein sehr simples Experiment. Zum anderen steht aber die Frage im Raum, wie es denn um die menschliche Willensfreiheit steht.
Im weiteren Verlauf der Doku kam die These von einem Wissenschaftler auf, das Bewusstsein bestehe im Grunde einfach nur aus dem Informationsaustausch, der im Gehirn stattfindet.
Hier sind wir aber bereits im gedanklichen Raum der Thesen angelangt. Und diese Thesen gehen über den naturwissenschaftlichen Rahmen hinaus in den philosophischen Bereich.
Das, was dieser besagte Forscher hier als Bewusstsein annahm, nämlich dass der Informationsaustausch an sich schon das Bewusstsein sei, kann man auch als das prozedurale Bewusstsein verstehen, also das Zurückgreifen auf Informationen, die irgendwo im Gehirn abgespeichert sind.
Das erklärt aber noch nicht das phänomenologische Bewusstsein, also das Bewusstsein als Phänomen. Denn nur, weil Informationen ausgetauscht werden, bedeutet das nicht, dass dieser Austausch der Informationen zugleich das Ich und das Bewusstsein sind. Wer dies annimmt, ist bereits im philosophischen Bereich angelangt.
Allerdings muss man zugeben, dass man ab hier dann auch nur noch im philosophischen Bereich weiterkommt. Man könnte auf Platon zurückgreifen, dessen Vorstellung nach die Seele in den menschlichen Körper kommt und dort fortan lebt und die Welt in den Kategorien dieses Körpers wahrnimmt. Dementsprechend wäre das prozedurale Bewusstsein, der Austausch der Informationen, die im Gehirn gespeichert sind, also ein Teil des Körpers, welcher mit dem Ich, der Seele, die von außen kommt, interagiert.
Hier ist dann allerdings die Frage, wie die Materie des Körpers und das Geistige der Seele miteinander interagieren sollten. Drum wäre man also philosophisch bei der nächsten Frage angelangt, ob es denn überhaupt einen faktischen Unterschied zwischen Materie und dem Geistigem gibt.
Wollte man einen solchen Unterschied negieren und sagen, letztlich sei alles Geist, der sich uns in unserer visuellen Welt oft so darstellt und anfühlt, als sei er Materie, dann hätte man dieses eine Problem zumindest schon einmal gelöst. Es gäbe also nur eine Entität, alles wäre Geist.
Man könnte des Weiteren dann überlegen, ob tatsächlich eine Seele in den Körper des Menschen hinein kommt, welcher letztlich auch geistiger und nicht materieller Natur wäre, oder ob vielleicht eine Art Weltseele oder göttliche Seele, die die Grundlage von allem ist, hinter dem steht, was sich uns als vermeintliche Materie zeigt. Diese Art von Weltseele oder göttlicher Seele, die möglicherweise auch in viele kleine einzelne Seelen geteilt sein könnte, wäre dann das, was das phänomenologisches Bewusstsein ausmacht.
Letztlich wären wir philosophisch der Lösung des Bewusstseins auf diese Art und Weise vielleicht ein Stückchen näher gekommen, begreifen könnten wir das Bewusstsein aber dennoch nicht. Wir wüssten aber zumindest soviel, dass das Bewusstsein nicht gleichbedeutend mit dem Austausch der im Gehirn gespeicherten Informationen ist, sondern dass dieser Informationsaustausch des prozeduralen Bewusstseins unser phänomenologisches Bewusstsein prägt und ihm Informationen liefert, aber nicht die Ursache für unser Bewusstsein ist. Die Ursache unseres phänomenologischen Bewusstseins wäre nämlich im Transzendenten verankert und in dieser Hinsicht auch niemals für uns Menschen abschließend verständlich und erklärbar.
Um es mit dem Titelbild dieses Artikels ein wenig verständlicher zu machen, welches Kondensstreifen von Flugzeugen zeigt: die Kondensstreifen, das prozedurale Bewusstsein also, sind nicht die Ursache des Bewusstseins, sondern nur die sichtbare Abbildung dessen, dass hier ein Austausch von Informationen (in diesem Fall ein Austausch von Flugverbindungen) stattfindet. Die Atmosphäre, in welcher die Flugverbindungen bzw. Kondensstreifen stattfinden, wäre dann das phänomenologische Bewusstsein.
Die Kondensstreifen können also nur existieren, weil es die Atmosphäre gibt, also:
Das prozedurale Bewusstsein existiert nur, weil es das phänomenologische Bewusstsein gibt. Und nicht umgekehrt.



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