Tod auf Twitter

Auf Twitter plätschert Belangloses an einem vorbei, immer wieder gemischt mit den Dramen des Alltags.

Ein paar Kalauer, ein paar Flachwitze, und dann irgendwann der Tod. Völlig unerwartet.

So vor einiger Zeit, als eine Frau, die ich nicht kannte, gegen Ende der Woche auf Twitter verlautbaren ließ, dass sie nun für den Anfang der folgenden Woche einen Termin bei einer Sterbehilfe ausgemacht habe. Der Termin stehe fest und ihr Entschluss ebenfalls.

Ich bemühte mich, herauszufinden, was mit der Frau los war. In ihrer Timeline wirkte es so, dass sie scheinbar eine schwere Krankheit hatte. Ob es aber so dramatisch war, dass sie nun eine Sterbehilfe in Anspruch nehmen musste, konnte ich nicht erkennen. Ungerührt dessen gab es sehr viele Likes für ihren scheinbar so mutigen Entschluss und viele Leute kommentierten, dass sie ihren Entschluss auch respektierten und wünschten ihr alles Gute.

Ich war da etwas verhaltener und fragte freundlich, ob es vielleicht eine Alternative sei, sich an eine palliative Einrichtung zu wenden, wo die Menschen sich gut um einen kümmern und einem die Schmerzen nehmen würden. Aber keine Antwort. Der Frau ging es scheinbar schon zu schlecht.

Oder gestern Abend. Eine Frau, die ich auch nicht kannte, schrieb auf Twitter, dass gestern ihr eigener Bruder in ihren Armen für immer eingeschlafen sei. Erst habe er immer flacher geatmet und dann irgendwann aufgehört zu atmen. Er sei ganz friedlich eingeschlafen.

So etwas raubt einem doch etwas den Atem. Twitter ist eben nicht einfach nur belangloses Zeug, sondern es sind manchmal ganz essentielle Themen, die dort unvermittelt und ohne Vorwarnung durchgetickert kommen.

Damit hat Twitter vielleicht aber auch eine psychologisch hilfreiche Funktion für die Betroffenen, denn sie können ihre Sorgen und Ängste und Probleme ungefiltert in den weltweiten Raum hinein stellen, so dass sie für alle zu lesen sind. Durch diese Öffentlichkeit, die diese Menschen dann schaffen, können andere Menschen kommentieren und ihre Sicht zum Thema abgeben. Dadurch, so vermute ich, ist der jeweils betroffene Mensch, der von derartigen Dingen und Erlebnissen schreibt, nicht mehr so allein, sondern in eine virtuelle Öffentlichkeit hinein gerückt, die auf seine Gedanken reagiert.

Insofern ist Twitter immer wieder verstörend, aber Twitter kann Menschen sicher in dieser Hinsicht auch helfen. Die Menschen bleiben somit nicht in der Isolation. Und eine virtuelle Kommunikation ist letztlich eine reale Kommunikation, wenn auch im virtuellen Raum. Aber sie ist trotzdem Realität. Genauso wie die Ängste, Sorgen und Gedanken. Denn diese sind einerseits auch virtuell und nicht zu sehen, andererseits aber durchaus real.

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