Der Prozess um Charlie Hebdo. Freiheiten, die verletzen können

In Frankreich beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Attentäter, die vor etwa fünf Jahren auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo ein blutiges Attentat verübt hatten.

Grund dafür war gewesen, dass die Satirezeitschrift auf ihrer Titelseite ein satirisches Bild von dem Propheten Mohammed abgebildet hatte, das von einigen Moslems als blasphemisch und despektierlich eingeordnet worden war.

Der französische Präsident Emmanuel Macron wies darauf hin, dass es in Frankreich das Recht auf Blasphemie gebe und dass er dieses Recht auch verteidigen werde.

Moderatere Stimmen hatten damals bereits darauf hingewiesen, dass Freiheiten auch eine gewisse Verantwortung mit sich bringen und man dort, wo man offensichtlich die Gefühle anderer Menschen bewusst verletzt, lieber vorsichtig und maßvoll sein sollte.

Andererseits gibt es natürlich auch Grenzen dafür, wo man auf Andere achten muss, weil sie gewisse Verletzlichkeiten aufweisen. Angenommen jemand würde sich bereits durch den Gruß „guten Tag!“ gekränkt fühlen, müsste man sich innerlich verbiegen, wenn man diesen Gruß jedesmal unterdrücken müsste. In diesem Fall hätte dann derjenige, der leicht gekränkt ist, nämlich eine Macht erlangt, welche die Rechte anderer Menschen stark einschränkt.

Nun ist Blasphemie natürlich nicht mit einem freundlichen Gruß zu vergleichen, nur das Prinzip ist dasselbe. Den Einen stört etwas, den Anderen stört es überhaupt nicht.

Deutlicher wird es, wenn man sich anstatt des freundlichen Grußes einmal vorstellt, dass jemand beispielsweise die Eltern oder den Ehepartner oder die eigenen Kinder massiv beleidigt und sich darüber lustig macht. Da ist für viele Menschen dann auch schnell Schluss mit lustig. Insofern würde es Sinn machen, diese Erfahrung auch auf die Blasphemie zu übertragen. Es mag erlaubt sein, blasphemische Äußerungen zu machen, aber sie verletzen bisweilen andere Menschen, wenn die Aussagen zu krass sind. Genauso, wie es einen selbst verletzen könnte, wenn jemand über die eigene Familie lästert und sie schlecht macht.

Was natürlich in keinem Fall geht, ist Gewalt gegen irgendjemanden, nur weil einem dessen verbale Aussage nicht passt oder einen verletzt. Verbale oder optische Aussagen müssen auch verbal und optisch gekontert werden – und zwar nur so, gewaltfrei.

Die gesetzliche Regelung in Frankreich ist die, dass Blasphemie erlaubt ist und man sie ertragen muss, ob man ihr nun zustimmt oder nicht. Insofern muss man wohl sagen, wer in Frankreich lebt, muss damit klarkommen, weil es gesetzliche Lage ist. Man kann zwar vielleicht der Meinung sein, dass man besonders blasphemische Äußerungen in der Öffentlichkeit nicht unbedingt übertreiben sollte, weil sie den öffentlichen Frieden gefährden können, aber das wäre dann eine Sache, der sich die Politik und auch die Gesetzgebung annehmen müsste. Aktuell ist es so, dass man blasphemische Äußerungen in Frankreich machen darf und diese Freiheiten, die manche Leute auch verletzen können, tolerieren muss.

Mehr zum Thema hier.

2 Gedanken zu “Der Prozess um Charlie Hebdo. Freiheiten, die verletzen können

  1. Egal wie man zu verletzten Gefühlen nach blasphemischen Karikaturen oder Aussagen stehen mag, Erschießen als Antwort? Da muss man wohl lernen wohl Dialogfähigkeit lernen. Ich bin für sehr harte Strafen und Bildung in Kommunikation!

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  2. Ja, hatte ich ja auch geschrieben, dass Gewalt natürlich keine angemessene Reaktion sein kann. Klar, das Strafgesetz sieht sinnvollerweise auch harte Strafen vor.

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