Gendergerechte Sprache. Sinnvoll, manchmal komisch

Gendergerechte Sprache ist durchaus sinnvoll, wenngleich sie, sollte sie in Büchern konsequent zur Anwendung kommen, beispielsweise in Romanen, die Lesefreude doch etwas trüben könnte.

Dennoch sorgt gendergerechte Sprache dafür, gedanklich immer den Raum dafür offen zu halten, dass andere Menschen anders sind und sich anders fühlen können, als man selber. Gendergerechte Sprache zollt also der Andersartigkeit anderer Menschen Respekt.

Trotzdem darf man darüber auch ein bisschen seine Witze machen, weil manches über das Ziel hinausschießen könnte. Ich mache das kurz einmal deutlich im Folgenden.

Früher: sehr geehrte Damen und Herren!

Heute: sehr geehrte Damen, Herren und Weitere! Sehr geehrte Zuhörer*Innen!

Oder: sehr geehrte Anwesende!

Etwas zu gut gemeint: sehr geehrte Anwesend*innen !

Kürzlich las ich den Artikel eines Pfarrers auf einer großen evangelischen Seite. Er war dort angegeben als Autor*in.

Ich fragte ihn daraufhin freundlich auf Twitter, ob er durch das Gendersternchen bewusst etwas über sein inneres geschlechtliches Fühlen ausdrücken wolle oder ob er generell durch diese Bezeichnung nur auf die gendergerechte Sprache aufmerksam machen wolle.

Er antwortete, nein, er wolle nicht auf seine gefühlte Geschlechtlichkeit aufmerksam machen, das Gendersternchen sei, obwohl er ja nur ein einziger Autor sei, von der Webseite so vorgegeben. Er nahm meine Frage aber zum Anlass, dieser Seite die Anregung zu geben, darüber nachzudenken, ob das Gendersternchen auch dann, wenn man nur von einem einzigen Autoren spricht, unbedingt zweckmäßig ist. Denn es kann ja durchaus auch komisch wirken und etwas implizieren, was der Autor bzw die Autorin so überhaupt nicht über sich selber aussagen möchte.

Language is what you make of it.

Sprache kann Herrschaftsformen ausdrücken und zementieren, sie kann Herrschaftsformen hinterfragen und sie kann bisweilen auch über das Ziel hinausschießen. Schießt sie zu viel über das Ziel hinaus, kann sie lächerlich wirken und man nimmt ihr ursprünglich respektables Anliegen womöglich nicht mehr ernst.

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