Was ist die Bibel?

Was ist die Bibel, die über so viele Generationen und Jahrhunderte hinweg von so vielen unterschiedlichen Menschen geschrieben wurde?

Was antworten Sie?

Meine Antwort wäre wie folgt.

Die Bibel ist ein kontinuierliches Reden und Sprechen über und von Gott über Generationen hinweg. Die Bibel ist Reflexion über Gott und die Reflexion über Erlebnisse mit Gott. Sie kulminiert schließlich in der Überzeugung, dass der Gott, über den so viel nachgedacht und in Bezug auf den so viel Erlebtes verarbeitet wurde, sich schließlich in einem realen Menschen zeigte, in Jesus von Nazareth.

10 Gedanken zu “Was ist die Bibel?

  1. Was das biblische Wort betrifft…
    so muss man Gottes Wort und das der Menschen immer gut voneinander trennen. Die biblischen Geschichten sind voll von Beispielen, wie der Mensch Gott erfahren kann. Und darüber kann der Leser eine Art und Weise lernen, wie er diese Erfahrungen in sich selber machen kann. Darum geht es ja eigentlich in der Mystik: Die Gotteserfahrung im eigenen Innern zu machen. Die institutionalisierten Religionen stehen da oft im Weg, weil sie einem die Erfahrung abnehmen wollen und behaupten, es „besser“ zu wissen. Deshalb bin ich gegenüber der Kirche sehr kritisch. Ich meine aber, dass die Bibel schon viele Möglichkeiten bietet, sich in die Gotteserfahrung einzuüben.
    Ich persönlich brauche die Freiheit auch in Glaubensdingen. Insofern bin ich kirchlich-dogmatisch gar nicht festgelegt – aber ich bin in diese Tradition hineingeboren worden, und das wird auch einen Sinn haben, so dass ich sie nicht einfach ablegen kann. Trotzdem bin ich offen für alle Erfahrungen. Insbesondere meine ich, dass der Dialog die besten Voraussetzungen bietet, sich seiner selbst bewusst zu werden.
    Das Thema „Zeit“ ist ein ganz entscheidendes. Ich halte nichts davon, den „Jüngsten Tag“ auf ein materielles und fernes Geschehen zu beziehen. Das „Gericht“ findet heute (ist das nicht immer der „Jüngste“ Tag?) und stets in einem selber statt. Es ist auch vom Grund her ein seelisches Ereignis, kein körperliches. Deshalb stehe ich Erfahrungen der Reinkarnation ganz offen gegenüber. Dafür sind die Begriffe „Diesseits“ und „Jenseits“ ganz wichtig. „Hier“ ist Zeit und Raum, „dort“ ist Geist und Ewigkeit. Und Diesseits und Jenseits haben eine gemeinsame Wurzel wie die beiden Bäume im Paradies. In der jüdischen Tradition spielt die Reinkarnation (Seelenwanderung, Gilgul) auch eine wichtige Rolle. Man kann sich als Christ durchaus in dieses Gedankengut hineinfinden, wenn man aufgibt, alles nur zeitlich-materiell eng zu führen.
    Ich sehe die Verbindung der Gegensätze als eigentliche Aufgabe der Menschen. Die biblische Erzählung vom Paradies weiß das bereits, wenn sie davon redet, dass es zwei Bäume im Garten Eden gibt (Gen 2,9): Den Baum der Erkenntnis (der die Entwicklung repräsentiert – also die Zeit) und den Baum des Lebens (der für die Ewigkeit steht, also das Sein). Die jüdische Tradition sagt, dass diese beiden Bäume eine gemeinsame Wurzel haben. In der gleichen Weise teilt sich der eine Fluss im Paradies in vier Arme, die die Dimensionen der Welt repräsentieren. Die „Vier“ sind eigentlich „Eins“. Das nennt die Alchemie die „Quintessenz“. Und das liegt tatsächlich auf der Hand (…der Daumen ist wie die 1 gegenüber der 4 – und nur so können wir be-greifen…). Solche Assoziationen und Verbindungen sind doch das Wesentliche für den Menschen und nicht die Abspaltung in Konfessionen oder Parteien.
    Die historisch-kritische Exegese ist ein fruchtloser Weg, der nichts bringt, außer Rechthaberei und Selbstgefälligkeit. Die Bibel ist für mich eine spirituell strukturierte Quelle von Gottes- und Welterkenntnis. Fundamentalismus ist hier fehl am Platze. Die Fundamentalisten nehmen die Bibel nämlich wörtlich – und zwar völlig geistlos. Wenn man das tut, kommt man im Fall der Jungfrauengeburt zu medizinischen Wundern oder im Fall der Schöpfung zum Kreationismus oder bei der Stadt Jerusalem zu Mord und Totschlag. Es wäre jedenfalls eine unendliche Spirale der Gewalt. Kurz: Die geistlose Lektüre der Bibel führt geradewegs in vielfältige Katastrophen.
    Jeder Mensch wird seine eigenen Weisheits- und Erlösungsquellen haben. Wer intensiv sucht, wird sie bestimmt überall finden. Nur der leichte, breite, weltlich orientierte Weg wird bestimmt nicht dorthin führen.
    Deshalb wünsche ich uns allen die Erfahrung des „schmalen“ Weges, der ohne Umwege eine schnelle Rückkehr nach Hause möglich macht!
    Beste Grüße von Gisela

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  2. Danke Dir, sehr interessante Gedanken.
    Seelenwanderung ist generell zwar nicht so mein Konzept und auch kein christliches, aber da hat sicher jeder unterschiedliche Vorstellungen.
    Die
    historisch-kritische Exegese der Bibel hat dieses Buch sicher erstmal auf ein rein wissenschaftlich zu untersuchendes Buch reduziert, was der Bibel auch nicht gerecht wurde. Dass man den Gedanken und Berichten in der Bibel dadurch natürlich das nehmen würde, was diese Gedanken und Berichte ausmacht, hat man dann nach und nach gemerkt. Dabei darf man es natürlich nicht gelassen. Denn es werden in der Bibel ja durchaus eigene Erlebnisse von und mit Gott reflektiert und berichtet. Dass man diese für seinen eigenen Glauben fruchtbar machen sollte, ist natürlich schon der Gedanke. Manch einer macht das dann vielleicht im mystischen Sinne. Das ist wohl typabhängig.
    Kommst du aus der christlichen oder der jüdischen Tradition eigentlich?

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  3. Jesus war Jude und hat die jüdische Tradition reformiert, was den Priestern gar nicht gefiel. Da ich mich sehr für die alten Schriften interessiere, weil ich jahrelang auf der Suche nach Wahrheit war, bin ich zuletzt bei den hebräischen Überlieferungen und der Kabbala gelandet.
    Ich bin davon überzeugt, dass Jesus sehr wohl die Reinkarnation kannte. Die Bibel ist leider größtenteils von diesen Stellen ‚gereinigt‘ worden. Verweisen möchte ich hier u. a. auf das verbotene „Thomasevangelium“ : (84) Jesus sprach: An den Tagen, an denen ihr Euresgleichen seht, freut ihr euch. Aber wenn ihr eure Bilder seht, die vor euch existierten, die weder sterben noch sich offenbaren, wie viel werdet ihr ertragen?

    Auch musste ich erleben, dass selbst studierte Theologen, wenn sie sich nicht dem Wort öffnen, vor einer unüberwindlichen Mauer stehen, die der Verstand gebaut hat.

    Ich gehöre der christlichen Tradition an, bin evangelisch getauft und zweimal wieder ausgetreten, weil ich gegen das kirchliche Brimborium bin, den runter geleierten Gebeten und inhaltslosen Predigten.

    Mittlerweile habe ich gesucht und gefunden. Alle Kirchen haben sich weit vom wahren Christentum entfernt. Aber da könnte ich lange schreiben.

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  4. also ich kenne schon evangelischen Kirchen, in denen gute Predigten gepredigt werden und wo ich bei den Pfarrrern denke, dass sie ihren Glauben auch leben.
    Das Thomas Evangelium wurde ja nicht in den Kanon aufgenommen. Vielleicht aus diesen Gründen. Interessant ist es aber sicher auf jeden Fall zu lesen.

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  5. Leider musste ich bisher immer nur eine Gott ferne Kirche erleben. Egal, welcher Konfession. Kirche ist weltlich und es werden ‚Rosinen‘ aus den Schriften gepickt, die verbindlich zum jeweiligen Glaubenspäckchen geschnürt wurden. Andere Evangelien lässt man nicht zu.
    Viele Theologen haben vom Inhalt der Bibel keine Ahnung und können aus diesem Grunde nicht darüber reden. Das ist echt bedauerlich! War Grund für mich, aus der evangelischen Kirche auszutreten.
    Jesus wollte keine Priester, weil sie falsche Lehren verbreiteten. Was ist Wahrheit?

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  6. Schon Jesus soll Pontius Pilatus gefragt haben, was Wahrheit sei.
    Auf jeden Fall schade, wenn du schlechte Erfahrungen mit solchen Theologen und Gottesdiensten gemacht hast. Es gibt aber auch gute Gottesdienste und Theologen…

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  7. Zitat: „Es gibt aber auch gute Gottesdienste und Theologen…“

    😎 Ist eine Frage des Anspruchs, eine der Erwartung.

    Manchen genügt´s, manch einem nicht mehr.

    Die Kirchen können wir nicht ändern. Wir können nur die Herden und die Hirten verlassen und uns auf den Weg machen…

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