Siemens. Joe Kaeser versus Luisa Neubauer. Wer hat Recht?

Das Gesicht der deutschen fridays for future Bewegung, Luisa Neubauer, kritisiert zusammen mit dieser Klimabewegung, dass Siemens nach Australien Signalanlagen für eine Zugstrecke liefern will, auf welcher eine große und neu entstehende Kohlemine, eine der größten der Welt, beliefert werden kann und soll. Zurecht?

Joe Kaeser, der Chef von Siemens, hatte im Zuge der Proteste Luisa Neubauer angeboten, einen Posten im Aufsichtsrat von Siemens zu erhalten, vermutlich, um dort mitwirken zu können bei der zukünftigen Ausrichtung des Konzerns. Ein cleverer Schachzug.

Luisa Neubauer lehnte ab, weil sie dadurch wohl zurecht ihre Unabhängigkeit gefährdet sah und meinte, man solle lieber einen Wissenschaftler dort installieren, was dann allerdings von Siemens abgelehnt wurde mit der Begründung, man habe schon genug Wissenschaftler und brauche wenn schon, dann Leute mit Führungsqualitäten wie Luisa Neubauer.

Soweit, so gut. Siemens hat sich entschieden, die Signalanlagen trotzdem nach Australien zu liefern, für welche Siemens etwa 18 Millionen Euro erhalten wird, denn pacta sunt servanda.

Luisa Neubauer dagegen argumentiert moralisch, eine derartige Lieferung gehöre nicht mehr zu den Zeichen unserer Zeit.

Wer hat Recht?

Beide haben irgendwie Recht, ganz besonders Recht hat natürlich erstmal aber der juristische und wirtschaftliche Gedanke von pacta sunt servanda. Natürlich muss man versuchen, die Klimaerwärmung, die maßgeblich durch die Menschheit befördert wird, einzudämmen. Aber wenn Siemens eine zugesagte Lieferung nicht mehr liefern würde, würde das für andere mögliche Kunden bedeuten, dass Siemens womöglich nicht mehr als zuverlässig wahrgenommen wird. Kunden könnten sich daher künftig von vornherein anderweitig orientieren, was wiederum dann Siemens und den Beschäftigten und ihren Familien auf Dauer erheblich Schaden könnte.

In dieser Debatte wird auch etwas unter den Tisch gekehrt, dass es ja eigentlich nicht Siemens ist, der Zulieferer, sondern die Kohlemine in Australien und die dortige Klimapolitik, die das Klima gefährden.

Im Grunde bräuchte man in Australien und an vielen anderen Standorten auf der Welt, so beispielsweise auch in Deutschland, die Tendenz, möglichst schnell aus der Energiegewinnung durch Kohle auszusteigen. Aber sollte Siemens in diesem Fall nicht liefern, würde wohl ein anderer Zulieferer in den Vertrag einspringen. Das Endergebnis wäre dasselbe.

Moralisch mag die Forderung durchaus nachvollziehbar sein, das Problem mit der Klimaerwärmung liegt aber eigentlich weniger bei Siemens, als vielmehr in der Politik und somit übrigens auch bei uns Wählern, die wir ja darüber entscheiden, welche Parteien Politik machen. Wer also prinzipiell die Forderung von Luisa Neubauer unterstützt, sollte diesen Gedanken bis zur nächsten Wahl im Kopf behalten und dann dementsprechend wählen.


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