Gott sei Dank

„Gott sein Dank! Gerade noch rechtzeitig in die Bahn!“ Bei solchen glücklichen Zufällen wird wohl jeder diese Wendung schon einmal gesagt haben. Aber sollten wir Gott wirklich dafür danken? Wie wäre es stattdessen mit: „Gott sei Dank, dass es mir so gut geht.“ Oder „Gott sei Dank, dass ich so gute Freunde habe.“

Manch einer wird anmerken, das eigene Wohlbefinden sei ja wohl kein Werk Gottes, sondern eine eigene Errungenschaft. Schließlich hat ja nicht Gott die eigenen Taten getan, sondern man selbst! Und für seine Freundschaften sollte man sich ja wohl eher bei den Freunden bedanken, als bei irgendeinem Gott! Und als moderner, sachlicher Mensch kann man hinzufügen, man hätte noch nie irgendwelche Visionen gehabt, mit Visionen gehöre man höchstens ins Krankenhaus. Aber ist das vielleicht die falsche Sichtweise?

Über die Jahrhunderte haben zahlreiche Philosophen versucht, die materielle Existenz Gottes zu beweisen. Aber ist diese Existenzfrage nicht völlig irrelevant? Matthäus schreibt: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Meiner Ansicht nach trifft er damit den Nagel auf den Kopf! Ist Gott nicht genau das? Das, was sich manifestiert, wenn auch nur zwei oder drei zusammen kommen. Eine gute Macht, die in der Hoffnung, der Hilfsbereitschaft, der Begeisterung und dem Tatendrang der Menschen zu Tage kommt. Obwohl diese Sicht so immateriell ist, kann sie viel einfacher zugänglich sein.

Sollten wir Gott für unsere Freundschaften danken? Natürlich, denn Freundschaft ist eine wunderbare Facette dieses Gottes. (Was natürlich nicht bedeutet, sich nicht bei seinen Freunden zu bedanken) Und unser persönlicher Erfolg? Nur in den wenigsten Fällen wäre dieser ohne andere Menschen möglich gewesen, in deren Hilfe auch Gott zu Tage kommt und wenn man sich nicht bei all diesen Menschen persönlich bedanken kann, ist Gott ein hervorragender Platzhalter. Wenn man mit so einer dankbaren Sicht durchs Leben geht, kann man viele Dinge, die man sonst als selbstverständlich ansieht, in einem ganz neuen Licht betrachten und so auch dem einfachsten Alltag viel gutes abgewinnen.

Gott sei Dank!

H.W.


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