Nachdem bekannt wurde, dass der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, EKD, Heinrich Bedford-Strohm, Morddrohungen erhalten hat, können das nun wohl indirekt alle evangelischen Christen und generell alle Christen, die der christlichen Ethik Jesu folgen, auch auf sich beziehen.
In Kurzform lautet die christliche Ethik Jesu wie folgt: Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstannahme und Feindesliebe. Dann noch die goldene Regel, sinngemäß: Behandle andere Menschen so, wie du auch von ihnen behandelt werden willst. Und: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, so sagt Jesus, das habt ihr mir getan.
Als Christ folgt man eigentlich dieser Ethik Jesu und kommt somit zwangsläufig, sofern man diesen Glauben ernst nimmt, zu der Überzeugung, dass man Menschen auf der Flucht natürlich nicht im Mittelmeer ertrinken lassen kann, weil einem in jedem Menschen ein Ebenbild Gottes begegnet. Zu Beginn der Bibel, in der Genesis, schuf Gott den Menschen nämlich zu seinem Ebenbild. Wer einen Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, lässt nach christlicher Theologie gewissermaßen Gott selbst im Meer ertrinken.
Christenverfolgung ist somit nichts mehr, was irgendwo im Nirgendwo vorkommt, sie ist nun mitten in Deutschland angekommen, zumindest gedanklich. Und sie richtet sich – zumindest prinzipiell – gegen alle, die die ethischen Gebote Jesu ernst nehmen. Da es bei den Bedrohungen gegenüber exponierten Christen in Deutschland bislang aber noch bei Einzelfällen geblieben ist, wird man nicht von einer tatsächlichen systematischen Christenverfolgung sprechen können, wohl aber auf ein gesellschaftliches Klima hinweisen können, in dem Angst geschürt werden soll, um Menschen, die sich für die christlichen Werte einsetzen, mundtot zu machen.



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