Erkenntnistheorie – Warum hängt dort einen Schal am Treppengeländer?

Vorhin ging ich eine Treppe hinauf und sah am Treppengeländer einen Schal hängen.

Das ist in der beginnenden Winterzeit nicht allzu ungewöhnlich, trotzdem die Frage: Warum hing er dort?

Die meisten Menschen würden wohl wie folgt antworten. Jemand hat ihn absichtlich dorthin gehängt. Oder jemand hat vielleicht zumindest unwillentlich dafür gesorgt, dass der Schal dort hängt. Vielleicht ist er jemandem heruntergefallen, vielleicht aus einem höheren Stockwerk, und nun hängt er dort eben, am Treppengeländer.

Kaum einer würde annehmen, dass dieser Schal spontan und vielleicht zufällig einfach so entstanden ist, sich materialisiert hat und deshalb nun dort hängt. Warum nicht? Weil es unseren Erfahrungen widerspricht und in sich auch nicht logisch ist.

Der große Philosoph und Denker der Aufklärung aus Königsberg, Immanuel Kant, sah es so, dass wir Menschen nicht erkennen können, wie die Welt an sich ist. Wir können sie nur durch unsere bereits vorgefertigten Denkmuster hindurch wahrnehmen und interpretieren. Eines dieser Denkmuster ist die Kausalität. Alles, so vermuten wir, muss einen Grund haben, denn so funktioniert unsere Welt, zumindest so, wie sie sich uns zeigt. Wenn eine Tür plötzlich offen ist, muss irgendjemand oder irgendetwas sie geöffnet haben. Ein anderer Mensch vielleicht, der Wind, irgendetwas. Wir haben ein kausales Denken, mit dem wir uns die Welt erschließen.

Weil wir aber so kausal denken und aus dieser Art zu denken auch nicht ausbrechen können, bekommen wir natürlich größte Probleme, wenn es darum geht, sich andere Dinge vorzustellen. Den Urknall beispielsweise. Aus Nichts entsteht plötzlich alles. Das Bewusstsein. Gott.

Für derartiges Denken sind wir nicht ausgelegt. Gott können wir dann vielleicht zumindest ansatzweise ein wenig verstehen, wenn er etwas von sich zeigt. Sowie in Jesus Christus geschehen, wie es die Christen glauben.

Was vor dem Urknall war, keine Ahnung. Was das Bewusstsein ist, unvorstellbar. Und ebenso, wie es wäre, wenn der Raum nicht existieren würde. Wie wäre es ohne Raum? Auch nicht vorstellbar. Und ohne Zeit? Jenseits unserer geistigen Erkenntnismöglichkeiten.

Drum tun wir Menschen sicherlich gut daran, wenn wir das Denken zumindest dahingehend offenhalten, dass die Welt, wie sie sich uns zeigt, nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit ist. Die Wirklichkeit, die hinter allem steht, dürfte unendlich viel größer sein.

 

 


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