Wir gehen zur Tür und schauen, aber irgendjemand hat ihnen schon aufgemacht. Im Treppenhaus hört man auch niemanden mehr, sie sind wohl nicht mehr da.
Dann sehe ich sie draußen. Wir kennen sie. Der eine ist vielleicht 14 oder 16 Jahre alt, der andere wohl sein kleinerer Bruder, vielleicht sechs oder sieben Jahre. Zwei Flüchtlingskinder aus Syrien. Sie ziehen umher und verdienen sich ein paar Cent, indem sie Zeitungen austragen und in die Briefkästen werfen.
Sie tun mir leid. Sie sind geflohen aus Syrien und haben alles verloren. Andererseits ist das auch ihr kleines Glück, dass sie fliehen konnten und die Flucht gelungen ist. Dass sie am Leben geblieben sind. Dass sie auf der Flucht nicht verloren gegangen sind. Und dass sie offenbar hier arbeiten dürfen.
So nah liegt das kleine Glück und das große Elend zusammen. Und dann sehe ich sie, wie sie mit ihrem kleinen Wagen, den sie hinter sich herziehen, weitergehen. Für ein paar Cent, für das kleine Glück. Für einen Schokoriegel vielleicht, den im Supermarkt kaufen können. Oder brauchen sie das Geld, um ihre Familie zu unterstützen?
Ich hatte früher in der Jugend auch ab und zu Zeitungen ausgetragen. Das ist an sich nichts Schlimmes. Aber ich hatte ein Zuhause. Ich war in der Heimat. Ich hatte nichts verloren. Ich konnte nur dazu gewinnen. Das macht allen Unterschied.



Kommentar verfassen