Die AFD und die Juden

Die rechtspopulistische und teils rechtsextreme Partei AFD kuschelt gerne medial mit den Juden.

Man habe ja gar nichts gegen sie, nein, einige seien sogar Mitglieder. Der Zentralrat der Juden sieht das jedoch etwas anders und warnt vor der AFD.

Diese Partei, die sich den wohlklingenden Namen „Alternative für Deutschland“ gegeben hat, der impliziert, es handele sich hier tatsächlich um eine guten Gewissens wählbare Alternative, bereitet sich demnächst wieder auf ihr Kerngeschäft für die nächsten Wahlen vor, die Hetze gegen Flüchtlinge. Also die Hetze gegen die Ärmsten der Armen, die alles verloren haben, was sie besaßen. Die Hetze gegen eine Minderheit.

Was aber wäre, wenn nun tatsächlich einmal diese ominöse „Wendezeit“ gekommen wäre, von der Björn Höcke, der den rechtsextremen Flügel der Partei in Thüringen bedient, raunt? Aktuell haben wir in Deutschland eine gut funktionierende Demokratie. Was also könnte mit „Wendezeit“ gemeint sein? Und was könnte damit gemeint sein, wenn Herr Höcke fabuliert, nach dieser ominösen „Wendezeit“ würden die Deutschen dann keine „halben Sachen“ mehr machen, und dann müsse man auch mit „wohltemperierter Grausamkeit“ vorgehen?

Gedanklich kommt einem hier schnell eine unangenehme Reminiszenz an die Jahre zwischen 1933 und 1945. Die „wohltemperierte Grausamkeit“ bedeutete damals, Minderheiten in Konzentrationslager zu stecken und sie dort arbeiten zu lassen, bis sie nicht mehr konnten, sie sodann ins tödliche Gas zu schicken, ihnen danach ihre Goldzähne zu ziehen und ihr Hab und Gut an sich zu nehmen, sie sodann in ein Massengrab zu werfen und von anderen Insassen der Konzentrationslager verbuddeln zu lassen.

Die schlimmste Zeit der Weltgeschichte, der zweite Weltkrieg, von Hitler und den Nationalsozialisten begonnen, der zur Folge hatte, dass mindestens sechs Millionen Juden grausamst ermordet wurden, zudem auch weitere Minderheiten, und der zur Folge hatte, dass etwa 60 bis 70 Millionen Menschen weltweit durch den zweiten Weltkrieg starben, wird von dem Bundesvorstand der AFD, Herrn Alexander Gauland, der gerne öfters braunfarbige Sakkos trägt, als Bagatelle abgetan. Er bezeichnete diese Epoche als „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte. Für die etwa 70 Millionen zu Tode gekommenen Menschen des zweiten Weltkrieges aber und all diejenigen Menschen, die in der Folge dieses Krieges und vor der Gräueltaten der Nazis fliehen mussten und Heim und Hof und Hab und Gut verloren, die also zu Flüchtlingen wurden, war diese Zeit der Nationalsozialisten nicht unbedingt eine Bagatelle, nicht unbedingt ein kleiner Vogelschiss.

Der ehemalige Geschichtslehrer, der im Geschichtsunterricht vermutlich an der falschen Stelle aufgepasst hatte, Björn Höcke, dachte laut darüber nach, wie es denn überhaupt sein könne, dass sich ein Land, Deutschland, ein „Mahnmal der Schande“ in sein Herz pflanze. Gemeint ist das Holocaust-Mahnmal, das in Berlin an die Gräueltaten der Nazis erinnert und an das Leid, das unendlich vielen Juden zuteil geworden ist.

Wenn also eine solche AFD dann tatsächlich einmal die Flüchtlinge, eine Minderheit, irgendwie beseitigt hätte, vielleicht ins Ausland zurückgeschickt, vielleicht in irgendwelche Internierungslager, fragt man sich, wie diese Partei dann im Weiteren ihr Geschäftsmodell des Hasses und der Hetze aufrechterhalten wollte. Vermutlich müsste eine neue Minderheit her, gegen die man polemisieren könnte. Der Islam vielleicht? Die Juden?

Nun, gegen den Islam polemisiert diese Partei bereits. Derzeit weiß man in der Partei noch, dass Antisemitismus in Deutschland nicht allzu gut ankommt, wenngleich der Antisemitismus in Deutschland zunimmt. Noch hält man sich zurück mit antisemitischen Parolen. Was aber, wenn also alle Minderheiten für die Wahlen bereits ausgeschöpft wären, die Flüchtlinge, die Moslems, die Obdachlosen, die Behinderten, welche Minderheit käme dann vermutlich dran, wieder einmal? Man mag es sich gar nicht vorstellen.

Nun ist die AFD keine durch und durch rassistische Partei, aber sie hat durchaus völkische und rassistische Ansätze, und zwar nicht gerade ganz wenige. Und wie man aus der deutschen Geschichte weiß, kann man solche Ansätze in einer Partei möglicherweise irgendwann nicht mehr einhegen und im Zaum halten. Sie könnten sich dann verselbstständigen und plötzlich könnte ein ganzes Land kippen. Das wäre dann vielleicht die sogenannte „Wendezeit“, das Ende der Demokratie. Man mag es sich gar nicht vorstellen. Denn, wer eine Partei wählt, bei der noch unklar ist, ob der rechtsextreme Flügel sich durchsetzen und sie übernehmen wird, was nicht gerade undenkbar ist, wählt bestenfalls in dem Glauben, es werde so schlimm schon nicht kommen, schlechtestenfalls aber unterstützt er aktiv rechtsextreme Positionen mit seiner Wahl.

Darum, wehret den Anfängen!