Die Gemeinsamkeit von Gläubigen und Atheisten

Man ist ja schnell mal dabei, Menschen mit anderer Weltsicht alle möglichen Dinge zuzuschreiben.

Dabei sind beispielsweise Gläubige und Atheisten gar nicht so unterschiedlich, wie man zunächst annimmt. Gläubige glauben an einen Gott, Atheisten glauben an keinen Gott.

Der kleinste gemeinsame Nenner, der zugleich aber auch eine Gemeinsamkeit ist, heißt: beide glauben an etwas.


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Kommentare

26 Kommentare zu „Die Gemeinsamkeit von Gläubigen und Atheisten“

  1. Wahre Worte! Schließt sich die Frage an: Wenn ich sowieso an etwas glaube…warum dann nicht an etwas Gutes? Etwas, das meinem Leben Sinn verleiht und mir Kraft schenkt? Etwas, das sich in Liebe an mich verschenkt und mein Leben reich macht? …

  2. Hm.
    Nee.
    Einmal: Viele Atheist*innen glauben ja gar nicht, dass es keinen Gott gibt.
    Und dann, ja gut, das ist auch eine Sache, die Hitler, Mutter Theresa und Greta Thunberg gemeinsam haben.
    Was sagt diese Gemeinsamkeit also aus?

  3. Tja, gute Frage…

  4. Meinst Du, Atheisten würden nicht glauben, dass es Gott nicht gibt ? Also das würde mich jetzt wundern.

  5. Es gibt welche, die das glauben, und es gibt auch welche, die das nicht glauben.
    Und dann kommt es natürlich darauf an, was du mit einem Gott meinst. Da gibts ja auch noch große Unterschiede.
    Aber du darfst dich auf jeden Fall schon mal wundern, denn so ist das.

  6. Wie ist es denn bei Dir ?

  7. Avatar von Friedrich
    Friedrich

    Ich finde zu dem Thema das Ebook „der nichtreligiöse gute Mensch“ recht passend, das auf internationalen Statistiken beruht … LG Friedrich

  8. Danke

  9. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    „Jeder glaubt an etwas“ ist die denkbar unbestimmteste Form der Gemeinsamkeit. Jede Annahme über die Welt ist ein Glaube. Ich glaube, dass ich gerade wach bin und vor meinem Computer sitze. Aber vielleicht ist das nur ein luzider Traum. Ich glaube, dass ich heute gegen 17:00 Uhr mit der Arbeit aufhöre. Ich glaube, dass ich Fahrrad fahren kann. Abgesehen von der Erfahrung des eigenen Bewusstseins kann jeder Glaube falsche sein.

    Jede Annahme über die Welt ist provisorisch. Wir treffen ständig unwillkürlich Annahmen über die Welt. Nur sind die Wahrscheinlichkeiten eben unterschiedlich groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass heute abend die Sonne zu der vorausberechneten Zeit untergeht ist bedeutend größer, als dass ein Esel plötzlich in menschlicher Sprache spricht oder dass ein am Kreuz hingerichteter Mann nach drei Tagen auf einmal wieder lebendig wird.

    Deshalb ist es vielleicht klarer, wenn wir in Wahrscheinlichkeiten sprechen: Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass göttliche Wesen existieren und ich halte die Existenz des Gottes Jahweh ebenso wie die von Huitzlipochtli oder Odin für nahezu ausgeschlossen, das heißt aber nicht, dass ich behaupte, dies kategorisch zu wissen. Das ist wohl der größte Unterschied zwischen vielen religiös gläubigen und vielen Atheisten: Für die religiös gläubigen ist der Glaube an ihre Religion / ihren Gott eben weit mehr als eine provisorische Annahme, die auch falsch sein kann. Sie behaupten oft ein intuitives „Wissen“ („ich weiß, dass ich weiß, dass ich weiß“), was aber bei näherem Hinsehen oft eher ein „für wahr halten wollen“ zu sein scheint. Als im religiösen Sinne nicht gläubiger brauche ich dies nicht. Ich habe kein Problem damit, mir die Vorläufigkeit der eigenen Annahmen über die Welt einzugestehen.

    Daher denke ich, die Aussage „Beide glauben an etwas“ ist sinnentstellend verkürzt.

  10. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    @HImmelsstürmer: Ich suche mir meinen Glauben nicht aus. Ich kann etwa nicht einfach glauben dass ich fliegen kann, auch wenn das ein toller Glaube wäre. Genauso wenig kann ich einfach beschließen, an einen oder mehrere der zehntausende Götter zu glauben. Glauben heißt „für wahr halten“. Auf welcher Grundlage halte ich etwas für wahr? Erfahrung, Induktion, Deduktion etc. Aber nicht: Sich einfach willkürlich etwas heraussuchen, das mir zusagt und es dann tatsächlich für wahr halten. Das macht mein Hirn nicht. Ich kann zwar Dinge für wahr halten /wollen/ .

  11. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    [sorry, zu schnell abgeschickt] .. aber sie tatsächlich für wahr zu halten ist eine komplett andere Veranstaltung. Klar fände ich Reinkarnation eine spannende Sache, um mal willkürlich ein Beispiel herauszugreifen. Aber ich bin mir dessen bewusst, dass dies nur ein Wunsch ist und der Wunsch kein Auswirkung auf die Wirklichkeit hat. Ich würde es auch begrüßen, wenn unser Bewusstseit mit dem Tod nicht einfach endet. Aber ob es so ist oder nicht steht auf einem völlig anderen Blatt. Dass ich etwas gerne hätte heißt nicht, dass ich glaube dass es tatsächlich so ist. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem behaupten religiöse Menschen erstaunlich oft, wir könnten uns unseren Glauben irgendwie aussuchen („choose to believe“). Wie in Dreiteufelsnamen soll das funktionieren?

  12. Na ja, auch im Glauben gibt es Entwicklungen. Es gibt einen Unterschied in den verschiedenen Altersstufen in Bezug auf das Gottesbild.

  13. In Bezug auf das Christentum und Judentum ist es so, dass hier auf die Erfahrungen von Generationen von Theologen zurückgegriffen wird. Es wird also auch nicht einfach so an etwas geglaubt, was man sich ausgedacht hätte.

  14. Es stimmt natürlich, viele Menschen werden in ihren Glauben hineingeboren. Auch in ihren atheistischen oder agnostischen Glauben übrigens.

  15. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    Auch die Generationen von Theologen können den Gegenstand ihres Glaubens nicht zeigen. Und dementsprechend gibt es unbegrenzt viele inkompatible Vorstellungen davon, was er eigentlich ist. Man stelle sich das mal für jede andere Disziplin vor: Die einen Physiker würden sagen dass unabhängig von Dichte und Gewicht die Beschleunigung im freien Fall 9,8 auf der Erde meter/sekunde² ist aber andere Physiker behaupten, dass die Fallgeschwindigkeit linear ist und vom Gewicht abhängt. Die asiatischen Physiker würden sagen, dass die Schallgeschwindigkeit 330 m/sec ist, die amerikanischen sagen ist ist 590 m/sec und die afrikanischen sagen, dass sie von der Tageszeit abhängt. Das alles ist zum Glück nicht der Fall, aber in der Theologie schon, weil der Gegenstand völlig ungreifbar ist und die meisten einfach in der Tradition bleiben, in die sie geboren wurden.
    Als nichtreligiöser Mensch habe ich kein „atheistisches Glaubenssystem“, ich habe nur die vorläufige Annahme, das es wohl keine Götter gibt. Ich habe keine weiteren „Glaubensinhalte“ bezüglich dieser Götter. Christen und Anhänger anderer Religionen behaupten oft zu wissen, was ihr Gott will und es ist fast immer genau das, was sie selbst wollen. Und sie sagen dass ihr Gott Gebete erhört, bestimmte Handlungen gutheißt und andere verdammt, dass er manche in die Hölle gehen lässt oder auch nicht etc. Ich brauche und kann gar nichts darüber glauben, ob mein Nicht-Gott Gebete erhört etc. Ich denke einfach nur, dass die Existenz von Göttern unwahrscheinlich ist. Wenn Du das im religiösen Sinne einen „Glauben“ nennst, dann ist Glatze eine Frisur.

  16. Naturwissenschaft ist ja nicht gleich Philosophie oder Theologie. Sicher gibt es Christen, die immer glauben, Gott würde funktionieren wie eine Maschine. Ein Gebet eingeschmissen und dann bekommt man, was man möchte. Viele Christen wissen aber auch, dass Gott unverfügbar ist. Dennoch glauben sie daran, dass es ihn gibt. Aus meiner Sicht kann man zur Gottesfrage kommen, wenn man beispielsweise darüber nachdenkt, was das Bewusstsein ist, warum alles überhaupt existiert, was Unendlichkeit ist, was Schöpfung bedeutet, wie man Evolution auch interpretieren kann, ich meine jetzt nicht im Sinne von intelligent Design, und so weiter. Zu den Themen findest du hier einiges auf dem Blog.

  17. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    Naturwissenschaft hin oder her – die Aussage, dass Gott Gebete erhöre lässt sich ja testen und insbesondere die Aussagen Jesu, die eine Erfüllung jedes im Gebet in seinem Namen ausgesprochenen Wunsches versprechen, und da stellen wir ziemlich schnell fest, dass diese Aussagen Jesu schon mal gar nicht der Wahrheit entsprechen und dass es sich mit Gebeten ähnlich verhält wie mit Homöopathie: Sie sind Placebos. Die eigentliche Wirkung kommt nicht daher, dass am anderen Ende jemand zuhört und dann entsprechend agiert, sondern sie kommt daher, dass es in einem selbst etwas bewirkt. Insofern will ich Gebete auch nicht verdammen. Mein Vater war der Gründer des Fürbittendienstes von Brot für die Welt und die Texte seiner Gebetsvorlagen haben in vielen Gemeinden Bewusstsein für alle möglichen entwicklungs-, friedens- und menschenrechtspolitischen Themen geweckt. Aber die Wirkung dieser Texte hat sich durch menschliches Handeln entfaltet, nicht göttliche Intervention (soweit man feststellen kann).

    Zu Fragen wie was Bewusstsein ist und warum überhaupt etwas existiert macht es keine Unterschied ob man denkt, dass da ein Gott ist oder nicht. Wenn wir einen Gott postulieren, dann ist das ein Wesen, das 1) existiert und 2) Bewusstsein hat. Sprich: Wir setzen einfach Existenz und Bewusstsein voraus. Damit erklären wir genau gar nichts. Daher finde ich das auch intellektuell und philosophisch nicht befriedigend.

  18. Gebete als Autosuggestion zu sehen ist natürlich eine Möglichkeit. Ich denke allerdings, dass sie in der Tat darüberhinaus etwas bewirken, weil Gott manchmal auf Gebete antwortet. Vielleicht allerdings nicht in der Art, in der man sich das wünscht, aber in einer guten Art und Weise. Man wird also nicht, wie Janis Joplin, von Gott einen Mercedes-Benz im Gebet verlangen können.
    Die Frage nach dem Bewusstsein ist auch die Frage danach, ob die Welt rein materialistisch ist, oder ob es eine geistige Dimension gibt. Wenn es eine geistige Dimension gibt, (ich meine nicht eine geistliche), dann gibt ist auch die Möglichkeit, dass der Mensch mehr ist als die Summe seiner materiellen Einzelteile.

  19. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    1. Woran stellst Du fest, dass es wirklich Gott ist, der antwortet?
    2. Wenn wir Jesu Aussagen folgen, dann müsste Janis Joplin ihren Mercedes Benz bekommen: Markus 1:24: „Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr’s empfangen werdet, so wird’s euch werden.“ Jesus sagt ausdrücklich „alles“. Er macht keinerlei Einschränkungen, und ähnliche Stellen finden sich auch in den anderen Evangelien.
    3. Was das Bewusstsein betrifft: Du sagst, es muss geistig sein, weil sonst die Welt materialistisch wäre und das wäre schlecht. Dies ist ein Denkfehler, ein argumentum ad consequentiam. Ob dir die Konsquenzen gefallen oder nicht, macht eine Sache nicht mehr oder weniger wahrscheinlich.

    Aber gucken wir uns die Konsequenzen trotzdem einmal an: Wenn das Bewusstsein aus „geistiger Substanz“ (was immer das ist) bestünde, dann würde halt ein neues geistiges Einzelteil dazukommen. (Der Buddhismus sieht es übrigens so. Er sieht den Menschen aus fünf „Skandhras“ oder „Haufen“ zusammengesetzt die ihrerseits beständiger Veränderung unterworfen sind. ) Was wäre damit gewonnen?

    Weiterhin: Damit etwas mehr ist, als die Summe seiner Teile, braucht man keinen Dualismus. Das geht auch mit reiner Materie. Z.B. Feuchtigkeit. Ein einzelnes H2O-Molekül ist nicht feucht. Feuchtigkeit ist eine Eigenschaft, die nur die Summe hat, aber keines der Teile. Keines der Neuronen in underem Gehirn hat für sich Gedanken. Es sind die Strukturen, die den Unterschied machen. Wie sie angeordnet, wie sie verbunden sind.

    Das Postulieren einer geistigen Dimension bringt uns der Antwort auf die Frage, was Bewusstsein /ist/ keinen Schritt näher. Was /ist/ diese „geistige Dimension“? Was sind die Bedingungen ihrer Existenz? Wie „funktioniert“ sie? Wenn wir dazu irgendwelche sinnvollen Aussagen treffen könnten, dann wäre dies vielleicht ein sinnvolle Denkrichtung. Aber sonst ist es nur eine Scheinantwort. Es ersetzt die einzig ehrliche Antwort, die wir zur Zeit geben können: „Ich weiß es nicht.“

  20. 1. Das kann niemand hundertprozentig sicher sagen. Aber Menschen interpretieren, ich denke zurecht, bei gewissen Ereignissen in ihrem Leben, diese Ereignisse so, dass Gott geholfen hat.

    2. Nein, der Verfasser des Markusevangeliums hat diese Worte zugespitzt Jesus in den Mund gelegt und damit sinngemäß wiedergegeben, was Jesus wohl gesagt hat. Möglicherweise hat Jesus natürlich genau das gesagt, wir wissen aber, dass Markus es so wiedergegeben hat.

    3. Der Begriff „Feuchtigkeit“ ist bereits etwas Geistiges. Dieser Begriff, wie auch alle anderen Begriffe, können nicht in einer rein materialistischen Welt gefunden werden.
    Wenn zwei Neuronen keine Gedanken haben, ein paar Milliarden dann aber schon, ist das Geistige immer noch etwas anderes als die Neuronen an sich. Es weist über sich hinaus auf eine geistige Welt.

    Die Antwort „ich weiß es nicht“ ist wohl diejenige eines Skeptikers oder des Skeptizismus. Genau genommen weiß man im Leben natürlich wirklich praktisch nicht allzuviel. Dennnoch sind die Menschen offensichtlich so gebaut, dass sie nach Sinnzusammenhängen fragen, weil es diese Sinnzusammenhänge offensichtlich auch gibt. In vielen Bereichen haben wir Menschen durch unsere Erfahrung wahrgenommen, dass viele Sinnzusammenhänge tatsächlich existieren.

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