Die Gemeinsamkeit von Gläubigen und Atheisten

Man ist ja schnell mal dabei, Menschen mit anderer Weltsicht alle möglichen Dinge zuzuschreiben.

Dabei sind beispielsweise Gläubige und Atheisten gar nicht so unterschiedlich, wie man zunächst annimmt. Gläubige glauben an einen Gott, Atheisten glauben an keinen Gott.

Der kleinste gemeinsame Nenner, der zugleich aber auch eine Gemeinsamkeit ist, heißt: beide glauben an etwas.


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Kommentare

26 Kommentare zu „Die Gemeinsamkeit von Gläubigen und Atheisten“

  1. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    1. Ok, kann sein kann auch nicht sein. Ich kann mir vorstellen, dass Beten als kontemplative Tätigkeit positive Wirkung haben kann, ähnlich wie Meditation (die ich täglich ausübe, wenn ich es nicht verschlampe), auch denke ich, dass mächtige, bilderreiche Sprache, etwa der Fürbittengebete meines verstorbenen Vaters wirkungsvoll sein kann, aber all das funktioniert auch ohne dass da am anderen Ende der Leitung jemand zuhört. Und da es nie eindeutig eine Antwort vom anderen Ende der Leitung gibt, denke ich dass die logischste Erklärung ist, dass da eben auch keiner zuhört. (wie gesagt, ich weiß das nicht, ich kann mich irren, aber es erscheint mir ziemlich unwahrscheinlich)
    2. Diese Aussagen Jesu finden sich nicht nur bei Markus, wir finden sie auch in den anderen Evangelien und immer ist die Botschaft dieselbe: *Jeder* Wunsch wird *bedingungslos* erfüllt. *Nichts* ist unmöglich. Auf welcher textuellen Grundlage willst Du da auf eine „bescheidenere“ Botschaft Jesu zurückschließen? Nach allem, was wir sehen können, war Jesus in jeder Hinsicht ziemlich radikal, deshalb spricht meiner Ansicht nach nicht viel dafür, dass er sich hier zurückhaltender ausgedrückt hat.
    3. Der Begriff „Feuchtigkeit“ ist ein Konzept. Aber neben dem Konzept gibt es auch die Sache selbst und die ist materiell. Wodurch unterscheiden sich feste, gasförmige, flüssige und plasmaförmige Materie voneinander? Sie bestehen alle aus Quarks, Elektronen etc. also aus exakt denselben Grundbestandteilen. Sie sind jedoch anderes strukturiert angeordnet, haben unterschiedliche Energiezustände. Da ist nix geistiges. Oder würdest Du sagen, dass Flüssigkeit, Gase, Plasma oder feste Materie nur da existieren, wo Geist ist?
    Der Umstand, dass ein paar Milliarden Neuronen zusammen Träger eines Bewusstseinss sein können ist zunächst einmal ein Rätsel. Die Vorstellung eines immateriellen Geistes hilft da nicht weiter. Warum braucht es dann überhaupt ein Gehirn, wenn der Geist materieunabhängig ist? Warum können Schädigungen des Gehirns die Persönlichkeit verändern? Warum gibt es Demenz? Wie wirken Drogen, wenn der Geist, auf den sie wirken, nicht auf Materie basiert? Einstweilen ist das ein Rätsel, und man kommt der Lösung des Rätsels nicht näher, wenn man eine geistige Welt postuliert, über die man überhaupt nichts aussagen kann.

    Wenn ich sage „Ich weiß es nicht“, dann ist das keine Aufforderung, bei diesem Nichtwissen stehen zu bleiben. Im Gegenteil – Einsicht in die Begrenztheit unseres Wissens ist es ja gerade, was Fortschritt – technischen, sozialen, philosophischen, kulturellen – ja gerade motiviert. Und je mehr wir wissen, desto mehr wissen wir auch was wir alles nicht wissen. Im 19. Jahrhundert war man im Irrglauben, schon eine vollständige physikalische Beschreibung der Welt zu haben. Und man hat sich gründlich getäuscht. Denn dann kamen Relativitätstheorie, Urknall, Quantenphysik. Heutet denken wir, dass das Universum zu ewa 70 % aus dunkler Energie und über 20% aus dunkler Materie besteht, Dinge über die wir so gut wie nichts sagen können, und ich habe gar nicht erst angefangen von Supersymmetrie, ewiger Inflation und Multiversum. Heute haben wir zumindest eine Ahnung davon, dass wir nur winzige Inseln des Wissens in einem Ozean des Nichtwissens haben. Wollen wir deshalb zur seeligen Geborgenheit des 19. Jahrhunderts, zu der Illusion, schon alles zu wissen, zurückkehren? Einige vielleicht schon, aber ich denke, der menschliche Geist tendiert insgesamt in eine andere Richtung.

    Ich sage nichts gegen persönliche Sinnsuche und Sinngebung. Natürlich will ich auch, dass ich meine eigene Lebenszeit nicht sinnlos verplempere, sondern etwas dafür tue, das Leid fühlender Wesen in dieser Welt zu verringern. Aber das geht auch ohne zu glauben, man wisse schon, was das Wesen des Bewusstseins ist etc. Sinn ergibt sich aus der Erfahrung in einer Welt zu leben, die voll ist, mit fühlenden Wesen, die alle glücklich sein wollen und die alle häufig leiden. Einen göttlichen allmächtigen Schöpfer hinzuzufügen oder eine geistige Welt fügt dem meiner Ansicht nach nichts hinzu. (full disclosure: Ich habe mit in den letzten Jahren viel mit Theravada-Buddhismus befasst und denke, dass da schon einiges richtig erkannt worden ist)

  2. 1. Ob Gebet hilft, kann sicherlich nur subjektiv beantwortet werden. Du könntest es mal ausprobieren.

    2. Das laut Jesu Worten jeder Wunsch erfüllt werden soll, ist mir neu. Welche Stellen meinst du? Im Vaterunser beispielsweise steht: dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

    3. zum Thema geistige Welt und Bewusstsein könntest du mal, falls du Zeit und Lust hast, z.b. hier auf dem Blog nach „Markus Gabriel“ suchen.

  3. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    1. Also, nicht dass ich das nicht schon versucht /hätte/. Das Problem ist, dass Gott auf Ansprachen mit dem Zusatz „wenn es Dich wirklich gibt“ nicht reagiert. Warum? Offenbar muss man schon überzeugt sein, dass Gott real ist um subjektiv das Gefühl zu haben, da wäre etwas echtest. Für mich kontrastiert das ziemlich krass mit der Vipassana-Meditation die ich (nach Möglichkeit) täglich praktiziere: Da geht es einfach darum, wahrzunehmen, was in diesem Moment passiert, sich ganz auf Empfänger zu schalten, nicht auf Sender, die Wirklichkeit so wahrzunehmen, wie sie ist, nicht wie ich sie gerne hätte. Wenn ein Gott Teil dieser Wirklichkeit wäre und mir etwas zu sagen hätte, hätte er/sie/es da reichlich Gelegenheit. Passiert aber nicht.

    2. Naja, Stellen gibt es einige, ein paar Beispiele:

    Markus 11:24 “ Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne“ Matthäus

    21:22 „Und alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubet, so werdet ihr’s empfangen“

    Johannes 14:13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne

    Matthäus 18:19 „Weiter sage ich euch: Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, das sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.“

    Ich denke, da haben wir eine konsistente Botschaft. Immer wieder sagt Jesus, man könne um alles bitten und jeder Wunsch würde in Erfüllung gehen, wenn man nur Glauben hat. Ich weiß nicht, wie man da zu einer anderen Interpretation kommen kann. Diese Botschaft ist klar und durchgehend.

    3) also ich habe seinen Betrag in DRadio Kultur gefunden, aber das scheint mir auch nur ein argumentum ad consequentiam zu sein. Es ist irgendwie wünschenswert, dass der Mensch mehr ist, als das Gehirn, aber weder sagt er explizit, warum das wünschenswert ist, noch was dieses „mehr“ eigentlich ist.

    Meinethalben ist es total egal, ob der menschliche Geist ein Produkt des Gehirns ist oder einer immateriellen „geistigen Welt“. Was zählt, ist dass Bewusstsein existiert, dass fühlende und erlebende Wesen existieren, dass sie alle das Streben nach Glück und die Erfahrung des Leids haben. Das allein ist Grund genug, sich zu bemühen, das Leid zu mindern und das Glück zu mehren. Worauf der Umstand, dass es fühlende Wesen gibt, beruht, wissen wir nicht und es ist für ethisches Handeln gerade mal egal, denk ich.

  4. 1. Hmm, vielleicht ist das dann für dich einfach dein Weg. Ich hatte schon öfters im Leben das Gefühl, dass da etwas ist, was bei mir ist und mir hilft. Also Gott. Ich bin der Meinung, dass bei mir Gebete schon erhört wurden. Es gab natürlich auch leidvolle Momente in meinem Leben, aber das Theodizeeproblem kann man ja nicht lösen.

    2. Na gut, dann widersprechen die Stellen, die Du angeführt hast, offenbar etwas der Stelle im Vater Unser, die ich da eingeführt hatte. Mit dieser Spannung muss man wohl leben.

    3. Ich hatte das Thema Bewusstsein ursprünglich angeführt, weil es meiner Meinung nach über die sichtbare Welt hinaus weist.

    Aber ja, in ethischer Hinsicht reicht es vielleicht auch schon, wie du sagst, zu wissen, dass alle Lebewesen offenbar fühlen, um daraus den Handlungsimpuls zu entwickeln, anständig mit einander umzugehen.

  5. Avatar von vasyugan
    vasyugan

    Nur kurz zu 3.: Was heißt „über die sichtbare Welt hinaus“? Wohin? Ich sehe das immer nur negativ definiert, immateriell, zeitlos, transzendent etc. aber niemand sagt, was das eigentlich sein soll. Und niemand begründet, warum wir weniger wert sein sollen, wenn wir „nur“ Materie sind. Wäre es nicht auch Gegenstand bodenlosen Staunens, dass in einem Klumpen Materie bei entsprechend komplexer Konfiguration aus irgendeinem Grunde plötzlich „die Lichter angehen“, dass das Universum stellvertreten durch uns sich auf einmal seiner Selbst bewusst wird?

    Meine Achtung vor meinen Mitgeschöpfen hängt nicht davon ab, auf welchem Substrat unser Bewusstsein basiert. Eine Komposition von Bach, ein Gedicht von Hafis oder ein Bild von (keine Ahnung, hab’s nicht mit Malerei) werden dadurch weder hässlicher noch schöner. Mein Mitgefühl zu anderen Menschen verschwindet nicht, weil ich denke, dass wir nur vorübergehende flüchtige Erscheinungen sind, im Gegenteil. Ich sehe nicht, dass das Fehlen eines „göttlichen Funkens“ ein Freibrief zum Morden, Vergewaltigen und Rauben wäre.

    Trotzdem, ich geben zu: Die Einsicht in die Wahrscheinlichkeit der radikalen Sterblichkeit ohne Netz und doppelten Boden ist nicht schön. Wobei – genauer hingeguckt ist der eigene Tod kein Problem. Wenn ich tot bin, werde ich wohl keine Erfahrung von „tot sein“ haben, ich werde einfach aufgehört haben zu sein. Wichtig ist nicht meine eigene Fortexistenz, sondern ob ich etwas positives auf dieser Welt hinterlassen habe. Das Problem ist der Tod anderer Menschen, während ich selbst zurückbleibe. Da hilft nichts.

    Aber auch Christen freuen sich ja keineswegs, wenn ein geliebter Mensch stirbt, obwohl die Kirche (nicht die Bibel!) sagt, dass sie in den Himmel kommen. Instinktiv scheint jeder zu wissen, dass der Tod der finale Einschnitt ist, da ändert religiöser Glaube wenig. Interessant finde ich übrigens, dass es diesen Himmel, wie auch die Hölle in der Bibel kaum gibt. Eigentlich nur im Gleichnis von Lazarus andeutungsweise und dann in der Offenbarung des Johannes. Die Vorstellung eines Körper-Geist-Dualismus war der jüdischen Tradition fremd. Jesus hat an das Erscheinen eines utopischen Königreichs Gottes hier auf Erden geglaubt, soweit man den Synoptikern entnehmen kann. Sein „ewiges Leben“ war die Vorstellung einer fortdauernden körperlichen Existenz in einem utopischen Reich des Friedens, das leider nicht gekommen ist. Erst aus der Parousie-Verzögerung – das versprochene Ende kam nicht – hat sich nach und nach die Vorstellung von Himmel und Hölle als transzendenter Orte entwickelt, an denen wir als reine Geistwesen weiterexistieren. (sorry dass dieser Kommentar wieder so lang geworden ist, Prokrastination)

  6. Der Tod ist für uns Menschen natürlich eine Katastrophe, besonders der von Mitmenschen. Klar, womöglich ist man selber tot, wenn man tot ist. Glaube ich allerdings nicht.

    Schau mal unter dem Artikel nach „Tote verabschieden sich von uns“.

    Und beim Thema „Bewahrung durch etwas Göttliches“ fallen mir diese Artikel hier ein:
    https://theolounge.blog/2017/11/27/schutzengel-2/
    https://theolounge.blog/2017/08/12/eine-kinderhand-in-einer-autotuer/
    https://theolounge.blog/2018/05/09/wie-bitte-soll-man-die-himmelfahrt-jesu-verstehen/

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