Er dudelt schön

In der Fußgängerzone sitzt ein älterer Mann, der auf einer Flöte dudelt. Er dudelt schön.

Nicht der ältere Mann ist schön, nicht die Flöte, sondern das Gedudel. Das Adjektiv „schön“ wird hier als Adverb benutzt und sagt etwas über die Art und Weise des Gedudels aus.

Hier können Sie vielleicht schon sehen, dass sich etwas in meiner inhaltlich Aussage beißt. Denn Gedudel hat eine negative Konnotation, das Adjektiv „schön“ dagegen eine positive.

Wenn ich nun behaupte, dieser Mann, der je nach Ansicht vielleicht sogar auch schön sein könnte, ich weiß es nicht, dass also dieser Mann schön dudelt, widerlege ich das Adjektiv inhaltlich sogleich durch den Begriff Gedudel.

Man kann mit Sprache also einiges anstellen, und zwar auf einer latenten Ebene, so dass vielleicht nicht jeder es sogleich merkt.

Korrekterweise müsste ich also sagen, dass der Mann schön auf seinem Musikinstrument gespielt hat. Dies wäre neutral bis positiv ausgedrückt.

Warum ich das schreibe? Ich glaube, ich wollte es nur mal erwähnt haben. An einem Freitag, wenn die Arbeitswoche zu Ende ist und man sich mit bleiernen und müden und ermatteten Gliedern durch den Tag schleppt, ist da andererseits doch auch noch der Schalk, der einem im Nacken sitzt. Ich meine nun nicht den Schalck-Golodkowski, sondern einfach nur den Schalk.

Andere Leute würden vielleicht sagen, ich hätte einen Clown gefrühstückt, wobei diese Leute andererseits von sich glauben würden, selbst eine große Lustigkeit zu besitzen, welche sie verbal nun und über mich ausschütten müssten. In etwa so, wie ich es mit Ihnen eben getan habe.

So, nun wissen Sie Bescheid. Wünsche Ihnen noch einen schönen Arbeitstag.

Und wenn Sie nun aufgepasst haben, merken Sie auch die Spannung in den letzten beiden Worten des vorigen Satzes. Oder?

P.s. da ich nun leider kein Bild von einer Flöte habe, da ich auf einer solchen das letzte Mal im Alter von etwa 7 Jahren gedudelt habe, muss das Titelbild ersatzweise eine Gitarre sein. Sie kommen damit klar, oder.


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