Beim „falschen Freund“

Der Friseur, so sagte einst, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, mein früherer Wirtschaftslehrer Pierre Weber, bedeute eigentlich auf Französisch so viel wie „falscher Freund“. Die richtige Bezeichnung sei Coiffeur. Er musste es wissen, denn, wenn ich auch das richtig in Erinnerung habe, hatte er wohl mal einige Zeit auf einem Schiff als Friseur bzw Coiffeur gearbeitet oder gejobbt, bevor er dann Lehrer geworden war.

Heute war ich also dort, beim Friseur oder Coiffeur oder bei beiden. Ich hatte den dezenten Tipp mit dem Holzhammer befolgt, den ich vor kurzem erhalten hatte: „Freust du dich auch schon so auf deine neue Frisur?“. Der Tipp hatte durchaus den Punkt getroffen, war ich doch schon nah dran gewesen, über Rastafari-Zöpfe nachzudenken.

Während ich also dort saß und auf den Spiegel schaute, lächelte mich ein kleiner Werbeaufkleber an, der mir anbot, bereits für 4 € pro Strähne könne man eine künstliche Haarverlängerung käuflich erwerben. Mich ließ das tendenziell eher kalt, ist es doch sicherlich an Damen adressiert und vielleicht noch an irgendwelche, die sich ein Transgender-Bereich verorten. Etwas unklar ist mir dabei allerdings, ob es nicht auch in Ordnung wäre, die Haare einfach etwas wachsen zu lassen, oder ob es in Deutschland womöglich eine Pflicht zur künstlichen Haarverlängerung für Frauen gibt.

Was ich an meinem Coiffeur bzw Friseur auch schätze, ist, dass er mich nicht vollquatscht. Zwar versuchte er einen kurzen Anlauf beflissenen Smalltalks, aber wir waren uns dann schnell einig, dass es das ja nicht brauche. Nonverbal.

Bei der Verabschiedung gab er sich dann, nachdem ich ein gewisses Trinkgeld gegeben hatte, doch alle Mühe, als guter Freund da zu stehen und bemühte sich, mir meine Jacke aus einem Wust an Jacken, die am Ständer hingen, herauszuangeln. Freundlich bedankte ich mich, sagte aber, lassen Sie ruhig, ich mache das gerne selber. Doch um einen persönlichen Handschlag des Friseurs kam ich nicht umhin und so verabschiedeten wir uns bis zum nächsten Mal, bis er wieder fragen würde: dasselbe wie immer?

So ist er, mein Friseur. Oder Coiffeur. Oder beides.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Beim „falschen Freund““

  1. great post!

  2. Thank you 😉

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