Als ich eine Kaffeebohne aß

Es war heute, kurz nach 18 Uhr, als ich die Sache anging. Gesehen, gesagt, gedacht, getan und schon war sie im Mund, die Kaffeebohne.

Es knackte etwas, dann zerbröselte sie in ihre Einzelteile, nicht unbedingt in die Moleküle, aber kleiner war sie schon danach. Danach begab sie sich in Richtung Verdauungstrakt, vermute ich, weil sie nicht mehr im Mund war, auch im Hals nicht mehr, und dort geht sie nun den Weg aller Nahrung.

Wenn Sie nun auf eine feine Quintessenz warten, Entschuldigung, ich muss Sie leider enttäuschen. Da kommt nichts mehr.

Außer vielleicht, dass diese Kaffeebohne vermutlich aus Molekülen besteht, die zuvor, vor einigen Monaten, einigen Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten, Jahrtausenden und Jahrmillionen, an ganz verschiedenen Stellen irgendwo auf der Erde in irgendwelchen Organismen eingebaut gewesen sein dürften. Vielleicht waren ein paar der Moleküle dieser Kaffeebohne einmal Teil eines Dinosauriers, andere vielleicht der Teil einer Palme und so weiter. Und nun werden ein paar der Moleküle verstoffwechselt und vielleicht vorübergehend zu einem Teil meines Körpers. Haben wir nicht alle ein bisschen Saurier in uns? Und Palme?

Und vor allem, wenn sich die Moleküle über die Jahrmillionen immer so durchwechseln, wer sind wir eigentlich, wenn wir immer komplett ausgetauscht werden, wir Lebewesen ?

Hier kommt dann wieder das Konzept der Seele mit ins Spiel, bei der man doch davon ausgeht, dass der Mensch, und vielleicht auch alles Leben möglicherweise, mehr als die Summe der einzelnen Teile sein dürfte. Die sichtbare Welt, diejenige der Kaffeebohne und diejenige der Moleküle, auch, wenn wir diese kleinen Teilchen dann doch gar nicht sehen können, ist wahrscheinlich nur ein Teil des Ganzen, nur derjenige Teil, den wir wahrnehmen können. Hinter allem steckt womöglich noch eine geistige Welt, ein Ort, wo die Seele wohnt, die göttliche Seele auch, wie in der Stoa angenommen, und Gott.

Achso, ich wollte Ihnen ja nur was von der Kaffeebohne erzählen. Pardon.


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