Frau Vera Lengsfeld, offenbar eine ehemalige Bürgerrechtlerin und nunmehr in der CDU als Politikerin unterwegs, ist not amused. Vielmehr ist sie schockiert über den Tod einer 28-jährigen Tramperin, Sophia, ermordet vermutlich von einem marokkanischen Lastwagenfahrer im Juni in Oberfranken.
Bis dahin kann man ihr folgen, das Ganze ist natürlich unglaublich dramatisch und traurig und schrecklich.
Der EKD Ratsvorsitzende Bedford-Strohm, der die Ermordete von früher her als Studentin in Bamberg offenbar kannte, würdigte posthum den Einsatz von Sophia für geflüchtete Menschen, denen sie Mitmenschlichkeit und Vertrauen entgegen brachte.
Folgender Satz von Herrn Bedford-Strohm brachte für Frau Vera Lengsfeld allerdings ihr imaginäres Fass zum Überlaufen: „Vielleicht wäre sie noch am Leben, wenn sie aus dem Misstrauen heraus gelebt hätte. Aber wäre das das bessere Leben gewesen? Hätte es ihr Leben sein können?“
Bevor wir uns nun ebenfalls echauffieren, überlegen wir mal, was er da gesagt hat, der Herr Bedford-Strohm. Wäre Sophia eine gute Sportlerin gewesen, hätte es so geheißen: „Vielleicht hätte sie keinen Herzinfarkt beim Sport gekriegt, wenn sie auf Sport verzichtet hätte. Aber wäre das das bessere Leben gewesen? Hätte es ihr Leben ohne Sport sein können?“
Herr Bedford-Strohm macht sich in dem ersten Zitat in keiner Weise lustig über den Tod von Sophia, warum sollte er auch. Er resümiert, dass sie von ihrem Wesen her vertrauensvoll und empathisch und auf die Mitmenschen bezogen gewesen ist. Es war ihr nicht möglich, anders zu sein, misstrauisch und argwöhnisch vielleicht, denn sonst wäre sie ein Zombie gewesen, es wäre nicht ihr Leben gewesen. Genauso, wie jemand, der für den Sport lebt, nicht einfach den Sport lassen kann. Denn sonst wäre es auch nicht mehr sein Leben.
Frau Vera Lengsfeld hat das Ganze aber irgendwie ins falsche Ohr bekommen oder auch in den falschen Hals. Deswegen soll sie folgende Aussage getätigt haben in Bezug auf Heinrich Bedford-Strohm: „Heinrich, mir graut vor Dir!“. Denn Frau Lengsfeld meint, man solle durchaus misstrauisch sein, was ja nicht falsch ist, was aber für Sophia L. eben nicht zutraf. Da ist aber nicht Herr Bedford-Strohm schuld.
Frau Lengsfeld glaubt nämlich, Herr Bedford-Strohm habe posthum mit seiner Äußerung dazu beigetragen, dass Sophia nicht mehr am Leben sei, weil er durch seinen einen Satz ja angeblich gemeint habe, sie solle doch bitte nicht vorsichtig sein, sondern ihr unvorsichtiges und empathisches und menschenfreundliches Leben leben.
Drum ist Frau Lengsfeld nun unglaublich enttäuscht, von Bedford Strohm, aber nicht, wie das Talionsprinzip es lehrt, Auge um Auge, Zahn um Zahn, nur von ihm, sondern auch von allen Christen der EKD. Alle sind Schuld! Sie alle sollen büßen! Und sie sollen nun alle ganz schnell austreten aus diesem EKD-Verein! Weil Frau Lengsfeld nämlich ziemlich sauer und enttäuscht ist. So sauer. So enttäuscht.
In Wirklichkeit ist sie wahrscheinlich erschüttert über den Tod und über die eigene Machtlosigkeit. Und in der Tat, darüber kann man erschüttert sein. Aber, wie schon Yoda in Star Wars von seinem Textschreiber in den Mund gelegt wurde: aus Angst entsteht Hass und aus Hass entsteht maßloses Leid. Frau Lengsfeld ist gerade auf der Stufe des Hasses.
Ach ja, und man kann sich natürlich auch fragen, warum eine evangelikale Seite wie idea so etwas unkommentiert in den medialen Raum stellt. Wo sie doch sonst alles kommentiert. Allerdings, unkommentiert ist in diesem Fall durchaus laut und aussagekräftig, dürfte es doch die Meinung zumindest eines Teils der Redaktion wiedergeben. Denn sonst hätte man diese abstruse Sicht nicht unkommentiert gelassen.
Herr Bedford-Strohm würde sich zutiefst wünschen, dass Sophia L. noch lebt. So auch Vera Lengsfeld. Vielleicht könnte man sich ja auf diesem Level einmal treffen, so als Diskussionsgrundlage?



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