Was sind verletzte religiöse Gefühle?

Auferstanden1Bei der aktuellen Debatte um den Islam und terroristische Attacken musste ich darüber nachdenken, was denn eigentlich ein religiöses Gefühl ist.
Ein guter Freund von mir, den ich schon sehr lange kenne, hat mit Religion nicht allzu viel am Hut. Gerne liest er satirische Zeitschriften wie beispielsweise die deutsche Titanic, die auch ich durchaus nicht so schlecht finde. Im Zusammenhang mit der Religion muss ich hier an eine satirische Darstellung denken: sie entstand im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Abgebildet ist dort ein Priester, den man von hinten sieht und der vor einem Kreuz steht, sein Kopf auf der Höhe der Genitalien der Person, die dort am Kreuz hängt. Was gemeint ist, ist völlig klar. Die Reaktion des Titanic Chefredakteurs jedoch war folgendermaßen: was regen sich die Leute denn so auf? Man sieht doch nur einen Mönch, der gerade dabei ist, das Kruzifix zu putzen.

Nun muss ich betonen, dass ich derartige Satire auch nur begrenzt lustig finde. Natürlich weiß ich, dass eigentlich nicht Jesus, der am Kreuz hängt, gemeint ist, sondern der Skandal um den Missbrauch an sich. Nun ja, ich kann mit derartigen Darstellung leben, auch wenn ich sie nicht unbegrenzt angenehm finde.
Der Freund, von dem ich eingangs berichtet habe, hat mit derartiger Darstellung überhaupt kein Problem, da es ja bei ihm keine religiösen Gefühle gibt, die durch eine derartige Darstellung irgendwie verletzt werden könnten.

Ganz anders sähe die Sache auf einmal aus, wenn man statt des Mönches ein Bild seiner Mutter dorthin montiert hätte beispielsweise, die in derselben Weise an dem Kruzifix zugange wäre. Mit einem Schlag hätte der ganze Spaß ein Ende, soweit kenne ich ihn und so weit kann ich das einschätzen.

Dieses kleine Gedankenexperiment sollte man vielleicht berücksichtigen, wenn man davon spricht, Satire dürfe alles. Es mag wohl stimmen, dass in einem freien Land, in dem jeder das gleiche Recht zur Meinungsäußerung hat und durchaus auch haben soll, Satire alles darf. Müssen tut sie aber nicht. Und nicht alles, was sie tut, ist einfach nur deshalb gut, weil sie eben Satire ist.

Leicht ist es, Respektlosigkeit zu fordern, wenn man selber nicht betroffen ist. Sobald eine Sache einen emotional selbst aber betrifft, ist es schwer. Das vergessen viele, die derzeit von Freiheit und von freier Meinungsäußerung sprechen. Sie mögen sich das oben beschriebene Bild immer vor Augen halten, wenn sie dazu ansetzen, über diese Art der Freiheit zu fabulieren.


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