Josef Bordat. Adolf Eichmann sprach in dem Jerusalemer Prozess davon, während seiner Zeit im Reichssicherheitshauptamt, als er die Deportation und Vernichtung der europäischen Juden zu organisieren hatte, eine Art Persönlichkeitsspaltung empfunden zu haben.
Diese habe dazu geführt, das Gewissen streckenweise auszuklammern, es zum Schweigen zu bringen. Doch ab und an sei es unvermeidlich gewesen, von der einen, der öffentlichen, bürokratischen, funktionalen Seite des Denkens und Fühlens, das – wie Hannah Arendt überzeugend ausführt – gar kein wirkliches Denken und Fühlen einer menschlichen Person war, hinüber zur anderen, der persönlichen, menschlichen Seite des Bewusstseins zu wechseln, ohne es dort lange aushalten zu können.
Am Ende stand stets der Rückzug auf die Seite des systemischen „Gewissens“, in dem es keine bohrenden Fragen gibt, sondern nur Aufträge, die nach Vorschrift auszuführen sind. Ruhe hat man dort, wenn man alle Akten als „bearbeitet“ schließen kann.
Das zeigt einerseits, dass es gelingt, das Gewissen zum Schweigen zu bringen, andererseits jedoch, dass…>mehr.
foto: Stefano Corso, Pensiero,flickr.com



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