„Kondome sind nicht die Lösung gegen Aids“ – sagt zumindest der Papst.

afrika-julien-harneisAuf seiner Afrikareise wird sich Papst Benedikt mal wieder die Frage gefallen lassen müssen, ob es nicht ein wenig unverantwortlich sei, den Gebrauch von Kondomen zu „verbieten“. Sicherlich hat er zwar recht, wenn er meint, man brauche eine moralische Grundlage, um zu verhindern, dass durch Untreue Aids übertragen wird. Klar. 
Aber ist es nicht ein wenig vermessen, das zu „verbieten“, was natürlich schon und ganz direkt hilft gegen Ansteckung: Kondome ? Als Protestant läuft einem bei einer solchen Argumentation leicht ein kalter Schauer über den Rücken: denn sicher ist es gut, eine moralische Grundlage in der Beziehung zu haben – und diese insgesamt auch zu stärken. Aber jeder Mensch, der an Aids stirbt, ist einer zuviel. Moral hin oder her. Auch, wenn Kondome vielleicht nur vordergründig helfen, kann man schlecht verstehen, was dagegen sprechen sollte. Her mit den Kondomen – und her mit der Moral. Aber bitte mit beidem – solange, bis die Moral nachgewachsen ist ! > mehr.
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Kommentare

18 Kommentare zu „„Kondome sind nicht die Lösung gegen Aids“ – sagt zumindest der Papst.“

  1. Wenn der Papst der „schöpferischen Vernunft“ , auf die sich Prof. Ratzinger in seinem Jesusbuch als bilisches Wesen unseres Glaubens beruft, (Lebensthema Benedikts XVI. ), vertreten würde, statt eine Moral, die er aus Kirchendogmen ableitet, dann hätte er möglicherweise Kondome verteilt und gleichzeitig in evolutionsbiologischer Erklärung deutlich gemacht, dass gesunde Kinder der schöpferische Wille sind und eine menschlich-natürliche schöpferisch Vernünftige Lebensweise nur in Lebenspartnerschaften bestehen kann.

    Doch wer sich um eine schöpferische Vernunft nicht kümmert bzw. sie nur im Buch betrachtet, der kann sich jetzt über den Papst aufregen oder ihm zustimmen. Ganz nach persönlicher Beliebigkeit und Buch-haltung. Es bringt und hilft nichts.

    Gerhard Mentzel

  2. Für mich grenzt die Position des Papstes in Sachen Kondome an fahrlässige Tötung. Aber Gott sei Dank hält sich faktisch ohnehin fast niemand an das, was diesbezüglich vom römisch-katholischen Kirchenoberhaupt vertreten wird.
    Aber es wäre ein riesiger Fortschritt, wenn auch hier die römisch-katholische Kirche ihrer kleinen (alt-)katholischen Schwester folgen würde, und die Gewissensfreiheit in den Vordergrund stellen würde, statt Kondome (und andere Verhütungsmittel) zu verbieten.

  3. Aus repräsentativen Gründen ist der Papst für die Christen insgesamt so schlecht nicht, denke ich, denn zb die EKD nimmt man ja viel weniger wahr.

    Aber hier liegt er nicht ganz richtig, denke ich. Also das ist ja fast schon töten durch Worte…

  4. @ theolounge

    sorry Marc, aber da muss ich Dir widersprechen

    ich finde es sogar überaus bedauerlich, dass der Papst häufig genug als „Repräsentant“ für die gesamte Christenheit wahrgenommen wird; die Positionen, die vom Oberhaupt der Römisch-Katholischen Teilkirche vertreten werden, entsprechen sehr häufig einem theologisch-reaktionärem Verständnis, mit dem ich als liberal denkender (alt-)katholischer Christ, Diakon und Theologe nicht identifiziert werden will

    herzlich

    Walter alias oekumenisch

  5. Ja, kann ich verstehen, ich identifiziere mich ja auch nicht mim Papst. Aber ich sehe ihn auch nicht so kritisch. Aber das kann auch daran liegen, dass ich nicht katholisch bin 😉 …da kann man manches lockerer sehen, weil es einem ja egal sein kann – eigentlich.

    Nur zb diese Kondomsache stört mich: denn hier sterben Menschen. Das darf auf jeden Fall nicht sein.

  6. … na ja. Ist das wirklich auf für Protestanten „locker“ zu sehen?

    Immerhin treten ja auch immer wieder Menschen aus den evangelischen Kirchen aus, „nur“ weil der Papst solche Positionen wie die mit den Kondomen vertritt – wobei, o.k.: wirklich evangelisch waren die wahrscheinlich auch nicht mehr, wenn sie den rk Papst als Grund für ihren Austritt aus der evangelischen Kirche nehmen …

  7. nö, glaub ich auch….die suchen sich einfach irgendeinen Grund zum Austreten. Ich für meinen Teil bin ja vor ein paar Jahren aber eingetreten…

    Ja, weiß schon, man kann der rk Kirche schon einiges kritisieren. An der Ekd vielleicht auch. Rk: zuviel Tradition, Ekd vielleicht zu wenig….usw.

    So innerkirchliche Spannungen gibt es wohl überall. Und die rk ist wohl schon recht hierarchisch strukturiert, das würde ich als Protestant auch nicht mögen. Aber ich muss ja auch nicht rk sein.

    Aber so generell hat der Papst wenigstens viel Medieninteresse, wenn man das mal global sieht. Das hat schon auch Vorteile.

    Aber in dieser Kondomfrage ist die rk eben doch auf einer recht gefährlichen Position, finde ich…weil es eben um Menschenleben geht…und das hat nichts mit innerkirchlichen Reformprozessen oder so zu tun, sondern ist eben etwas ganz basales…

    So, muss mich mal für heut ausklinken…

  8. Nunja, ich finde, Enthaltsamkeit und Treue sind schon Werte, für die man sich als Christ einsetzen sollte. Und da wird man auf starken Widerspruch in der Welt stoßen, ganz unabhängig von der Position zu Verhütungsmitteln.
    Und da muss ich die Kritik am Papst etwas differenzieren. Klar sehe ich das mit den Kondomen anders. Aber es ist einfach, auf den Zug aufzuspringen und gegen die Extremposition des Papstes zu wettern. Doch er sagt ja nicht, dass man mit wildfremden Leuten ungeschützten Geschlechtsverkehr haben soll, sondern mit seinem Ehepartner. Das wird bei der hitzigen Diskussion gerne vergessen. Und deshalb grenzt das auch nicht an fahrlässige Tötung. Wenn sich alle an die Worte des Papstes halten würden, dann würde sich AIDS nicht so stark ausbreiten. Ist natürlich fraglich, wie weit das von der Realität entfernt ist, aber als Christ hat man nunmal mit hohen moralischen Ansprüchen zu tun.

    Dass ihr mich nicht falsch versteht: Ich bin absolut dafür, alle Menschen aufzuklären, dass Kondome gegen das HIV schützen und allen auch den Zugang zu Kondomen zu schaffen. Und ich sehe – im Gegensatz zum Papst – in Kondomen auch kein grundlegendes, ethisches Problem.

    Würde sich Theolounge an seinen Grundsatz halten, Gemeinsames zu betonen und nicht das Trennende (so wie er das beim Thema Islam gerne tut), dann würde er betonen, dass auch wir Evangelischen die Enthaltsamkeit und die Treue für wichtige Tugenden halten, insbesondere auch im Kampf gegen AIDS. Ansatzweise kommt das auch rüber, aber ich würde das deutlicher ausdrücken. So klingt es meines Erachtens immer noch sehr stark dem Mainstream angepasst. Nur ein kleiner Gedankenanstoß. 😉

  9. Ich bin mir nicht sicher, ob wir Enthaltsamkeit und Treue fr wichtig halten.

    Ich selber zwar schon.
    Aber Enthaltsamkeit…wo steht das in der Bibel ?
    Es geht darum, mit dem Nächsten gut umzugehen. Den Nächsten zu lieben, wie sich selbst (Voraussetzung: dass man sich selbst liebt). Wenn zwei Leute mit einander gut umgehen, brauchen sie nicht enthaltsam sein. Oder wenn Leute oft Partner wechseln (was mein Fall allerdings nicht wäre), ist das möglicherweise in Ordnung, wenn sie gut miteinander umgehen.

    Aber gut: Treue ist generell natürlich schon ein hoher Wert, streite ich gar nicht ab.

    Das mit dem Papst: klar wäre es besser, wenn die Leute in Treue miteinander lebten.
    Da sie das aber offenbar nicht tun, ist das Theorie, wenn man ihnen das rät. Man verschließt die Augen vor der Wirklichkeit: dass durch dieses Verhalten Menschen täglich umkommen bzw sich neu infizieren.

    Ist das moralisch vertretbar ?

    Anderes Beispiel: eine wichtige Person sagt Kindern: überquert nicht die Autobahn !

    Die Kinder sind aber gerade dabei, sie zu überqueren. Du siehst es und realisierst, dass keines der Kinder drüben ankommen wird, weil die Autos viel zu schnell fahren.

    Vermutlich wirst Du folgendes machen: den Kindern raten, eine Brücke zu nehmen – solange, bis sie die einsicht haben, dass es sehr gefährlich ist, eine Autobahn zu überqueren.

  10. Avatar von Josef Falk
    Josef Falk

    Das ist ja eben genau das Problem, dass „sich faktisch niemand an das hält, was diesbezüglich vom römisch-katholischen Kirchenoberhaupt vertreten wird“.

    Würden sich nämlich alle daran halten, gäbe es überhaupt kein Aids.

  11. recte dicis – seh ich eigentlich ähnlich….

    nix gegen Treue und Moral – aber hier geht es in erster Linie mal drum, zu verhindern, dass noch mehr Menschen an HIV sterben….und da ist ein so harmloses Mittel wie ein Kondom völlig legitim, denke ich…

  12. Wenn die Welt nicht annehmen müsste, das Kirchenoberhaupt vertritt nur ein konservative Kirchenmoral, was man annehmen muss, wenn er derzeit in Afrika Kondome verbietet, dann könnte man sich auch über die „schöpferische“ Vernunft Gedanken machen, nach der eine verlässliche Lebenspartnerschaft für die menschliche Kultur notwendig ist.

    Doch so ist leider alles Schall und Rauch.
    Auch was der Papst in Afrika predigt.

  13. … wenn sich die Kirche mehr darauf konzentrieren würde, das Evangelium in die Realität umzusetzen, statt sich andauernd bei Fragen der Sexualmoral aufzuhalten, wären wir dem Reich Gottes schon längst ein erhebliches Stück näher …

    Walter alias oekumenisch

  14. […] Walter Jungbauer zu “Kondome sind nicht die …theologie-der-vernun… zu Die Wirklichkeit hinter der…theolounge zu Orthodoxe […]

  15. Avatar von Josef Falk
    Josef Falk

    Naja, wenn man sich aber die Bergpredigt ansieht (Mt 5,28), dann ist jede andere Haltung als jene des Papstes genau genommen Verrat am Evangelium.

    Angesichts gerade dieses Jesus-Wortes kann man schlecht sagen: „Treibt es nur miteinander – aber bitte mit Kondom.“ Ich glaube nicht, dass es das ist, was uns Jesus sagen wollte.

    Außerdem muss man auch sagen, dass sich der Papst ja nicht „andauernd bei Fragen der Sexualmoral aufhält“. Was die ganze Aufregung jetzt ausgelöst hat, ist ein Halbsatz in einer konkreten Antwort auf eine konkrete Journalisten-Frage. Nicht mehr!

    Josef

  16. Die F.A.Z. zitiert in diesem Artikel u.a. einen renommierten AIDS-Forscher, der darauf hinweist, dass die empirischen Daten dem Papst recht gegen: in Afrika führt die Kondomkapagne zu einer ERHÖHUNG der AIDS-Raten.

  17. Den Artikel haben wir auch im Programm, lies einfach weiter oben mal auf unserer Seite…

  18. Die Kommentare von Benedikt XVI. in Bezug auf den Kondomgebrauch waren Teil einer Erläuterung des doppelten Ansatzes der Kirche in der AIDS-Bekämpfung…

    http://theolounge.wordpress.com/2009/03/26/aids-forscher-unterstutzt-papst-aussagen/

    Gruß, Stefan

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