Ich hielt es damals für einen Druckfehler. Es müsse doch „Lösungen“ heißen. Lösungen – wofür auch immer. Erst viel später hab ich verstanden, was die Losungen bedeuten, und dass es eben kein Tippfehler ist. Oder?
Zudem kommt die Beobachtung, dass bei manchen Menschen Losungen den Geschmack eines frommen Orakels haben, ähnlich den Horoskopen oder Glücks-Keks-Sprüchen.
Ich erinnere mich an eine Silversterfeier. Eine aus unserem Kreis hatte eine Dose mit Bibelversen vorbereitet. Jeder durfte sich seine persönliche Jahreslosung ziehen. Wie bei der Tombola: Lose ziehen. Daher auch der Name.
Etwas verdutzt frage ichh auch nach dem Sinn dieser Aktion. „Das ist die Garantie, dass genau das mit Dir passiert, was da drin steht“, lautete die (zum Glück) ironische Antwort.
Ich hörte von einem Mann, der sich eine Anweisung von Gott holen wollte, was er mit seinem Leben tun solle. Er spielte mit seiner Bibel sozusagen Roulette: blättern, an einer beliebigen Stelle stoppen und den Finger irgendwo hinlegen. Die Stelle lautete: „Und er ging hin und erhängte sich.“
Etwas irritiert betete er nochmal und versuchte es erneut. Dieses Mal fiel der Finger auf die Stelle „Gehe hin und tue desgleichen“…..
Also Losungen sind nicht zwangsläufig Lösungen. Vorsicht vor einem orakelhaftem Verständnis!
Und doch habe ich es schon oft erlebt, dass mir ein Losungswort genau in meine Situation hinein etwas zu sagen hatte. Es kommt auf die Grundhaltung an. Vielleicht einfach: Dieses Wort will ich heute für mich meditieren und mir gelten lassen.
Und vielleicht zeichnet sich dann ja doch eine Lösung ab. 😉
Foto: brit berlin | pixelio.de



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