Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt. (Matthäus 18,34-35 nach der Einheitsübersetzung)
In der letzten Zeit mache ich eine Beobachtung: Es gibt nichts, was mich mehr von Jesus und einem Leben auf Gott zu abhält als Zorn. Für die Meisten von uns zählt Zorn ja nicht zu den besonders schlimmen Sünden, eher so etwas wie ein Kavaliersdelikt. Ich merke, dass es bei mir anders ist. Wenn ich mich über jemanden oder etwas richtig ärgere, dann ist die Leitung zu Gott dicht.
Ich will nicht mal sagen, dass das geistlich so ist. Jesus hat eine Tür vor uns geöffnet, die niemand mehr schliessen kann[1] aber Zorn wendet unsere Aufmerksamkeit von der Tür weg auf die Welt. Unvergebenheit ist nur die unendliche Verlängerung dieses Zorns: Solange nicht Vergebung von Herzen da ist, wird immer wieder die Wut in uns hochkochen und den Blick von Jesus abwenden.
Ein Leben in der Hand der Folterknechte ist ein Leben in dem der Zorn regiert. Wer einmal solche Gefühle hatte, weiss, wovon ich rede. Irgendjemand sagte einmal: “Unvergebenheit ist wie Gift trinken und erwarten, dass der andere daran stirbt.” Das stimmt. Während wir in Gedanken immer wieder durchspielen, was wir hätten sagen können und gerne noch sagen würden; was wir gerne mit jemandem täten usw; stirbt unsere Seele – der andere nimmt davon keine Notiz.
So bin ich davon überzeugt, dass die Folterknechte einen seelischen Job, keinen geistlichen. Hier geht es nicht um Hölle und den Verlust des Heils. Gleichwohl verlieren wir geistlich vieles: Unseren Frieden, den Kontakt zum Heiligen Geist, den Blick über die Welt hinaus usw. Unvergebenheit bringt uns tatsächlich um unser Erbe in Christus – zumindest in dieser Welt. Die Herausforderung ist es, in einer Welt in der wir immer wieder verletzt werden, mit den Verletzungen so umzugehen, dass sie nicht den Blick auf Jesus verstellen.
Aber das wäre ein anderes Thema….
Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. ( 1.Johannes 4,7-8 nach der Einheitsübersetzung)
Bild: © Reinhard Sandbothe | pixelio.de



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