In einer Glosse schreibt der Chefredakteur des Politmagazins Cicero darüber, wie Europa wohl seine Werte verliere und in „vorbeugendem“ Gehorsam vor radikalen Islamisten kusche. Das allein wäre noch Ansichtssache. Schwierig wird das Ganze aber, wenn zudem bei den Kommentaren Zensur geübt wird. Es heißt offensichtlich: kommentieren Sie gerne – aber nur, wenn Sie unserer Meinung sind.
Gestern habe ich in besagtem „Politmagazin“ zwei Kommentare abgegeben zum Thema – erschienen ist: NICHTS. Nun kann man rügen, es seien keine Kurzkommentare: das stimmt. Aber wozu dann eine Kommentarfunktion ?
Das Bild, das die Glosse von Herrn Weimer malt, ist ein konservatives: wir in Europa hätten Angst, unsere Mitte zu verlieren. Es ist ein tendenziöses Bild, und wer ein tendenziöses Bild malt, der sollte die Meinungsvielfalt zulassen, die er vorgibt, zu verteidigen. Tut er das nicht, ist seine ganze Position äußerst fraglich.
Nun ist sein Bild nicht grundsätzlich falsch – und gerade aus christlicher Sicht ist es natürlich nachvollziehbar und sogar wünschenswert, wenn der christliche Glaube wieder stärker wahrgenommen wird. Sicher sind wir in Deutschland und Europa in einem Identitätssuche-Prozeß: wer sind wir, das christliche Abendland mit all unserer (vermeintlichen?) Toleranz, wenn wir anderen Kulturen (resp. Moslems) gegenüberstehen, die ihre Werte doch viel stärker zu vertreten scheinen ?
Sicher kann man das thematisieren. Wenn man es aber derart scharf, bissig und radikal tut, dann sollte man anderslautende Meinungen nicht ausblenden. Man übt sonst Zensur. Und jeder, der Zensur übt, hat Angst: die Angst, seine Position könnte nicht die richtige sein, die Angst, die eigene Stimme könnte im Gewühl der Zeitumstände untergehen.
Angst ist aber ein böser Begleiter. Wie schon in einer Starwarsepisode – mag es auch nur Science Fiction sein – die Thematik auf den Punkt gebracht wird: aus Angst wird Hass. Dies ist aber genau das Problem. Denn derartige Artikel hetzen, sie reißen Brücken ein, anstatt sie aufzubauen, sie sind keine Handreichung, sondern ein Vor-den-Kopf-Stoßen. Sie schleichen sich in die Köpfe vieler ein, indem sie harmlos tun – sie seien ja nur eine Glosse – , aber reißend sind. Wölfe im Schafspelz. Die Juden haben einst in schrecklicher Weise in Deutschland erfahren müssen, wie aus einem schleichenden Meinungsbildungsprozeß plötzlich eine Lawine werden kann.
Vielleicht ist man besser mit einem Artikel bedient, der es aushält, „Gut“ und „Böse“ in einem zu sehen, der eine dialektische Sichtweise hat, der also sagen kann: es gibt immer beide Aspekte, die zugleich vorhanden sind, Pro und Contra. Lesen Sie > hier.
Ach ja: armer Cicero, für was wird Dein Name doch mißbraucht. Einst kämpftest Du für die res publica, für den Erhalt des Staates. Nun wird Dein Name Synonym für Hetze und Feindbilder. Traurig eigentlich. Aber traurig war es ja schon damals.
Sagen Sie weiter,
was gut ist:
mit einer
>Grusskarte.
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