Habermas über Religion und Staat: Es gilt „»für den religiös unmusikalischen« Bürger, »das Verhältnis von Glauben und Wissen aus der Perspektive des Weltwissens selbstkritisch zu bestimmen«. Mit anderen Worten: Er soll seine atheistische Sicht aufgeben. “ Dieser Artikel der ZEIT ist deswegen lesenswert, weil er
die Sicht Habermas‘ deutlich macht, die m.E. durchaus vernünftig ist. Ein wenig unbeholfen aber kämpft der ZEIT-Redakteur mit seiner Argumentation dagegen an. Zwar ist es sinnvoll, dass der Staat eine gewisse Freiheit garantiert, sowohl für Gläubige, wie auch Atheisten. Aber man kann sich des Eindrucks schlecht erwehren, dass der Redakteur die Demokratie zu einer Ideologie erhebt, während er auf der anderen Seite gegen Ideologien wettert. Auch kommt er in Begründungsnöte, wenn er die Ethik ins Spiel bringt, aber außen vor lässt, was unser ethisches Denken seit Jahrtausenden prägt: das christliche Menschenbild. Er meint zudem, man dürfe sich nicht auf Gott berufen im Staat, möchte also den Gottesbegriff ausgeklammert wissen, setzt aber an dessen Stelle den Menschen und übersieht dabei völlig, wie er den Menschen selbst zum Gott erhebt. Ein Beispiel für nicht unbedingt reflektierte Berichterstattung.
Selbst, wenn einige Thesen des Redakteurs richtig sind, so finden sich doch bei genauerem Hinsehen einige gravierende Begründungsmängel. Denn er möchte die Ideologien abschaffen, setzt aber stattdessen seine eigene an deren Stelle. Aua.
Man beginnt zu erahnen: ein Denken ohne Vorprägungen, ein völlig wertfreies Denken existiert nicht. Die Widerlegungsversuche des Redakteurs zeigen dies recht eindrücklich. Denn eines ist er nicht: in seinem Denken – so wie er es propagiert – völlig losgelöst und frei.
Bild:Friedrich Frühling,pixelio.de



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