Optisch knüpft die NPD, eine Partei die öfters aufgrund ihrer Ausrichtungen in die Nähe der ehemaligen NSDAP gerückt wird, immer stärker an die gängigen Symbole und Umgangsformen der existierenden Jugendkulturen an. Inhaltlich sucht sie, die Ängste der Bürger zu erfassen und eine Antwort zu bieten. Die Gefahr ist dabei die schleichende Wirkung, denn aus Worten werden Gedanken, aus Gedanken Handeln, aus Handeln Weltanschauungen.Hier zum Video.
Ein weiteres Problem ist auch die unmerkliche Verharmlosung der Thematik, wie man sie (wohl jedoch unbeabsichtigt) bei Walter Moers findet beispielsweise, wo Hilter als der nette, alte, etwas schrullige Onkel von nebenan gezeichnet wird, der ja im Grunde nur ein
armer Wicht sei (Hier sehen: Ich hock in meinem Bonker bzw. „Adolf die Nazisau“). Auch, wenn deftige Ausdrücke wie „Nazisau“ verwendet werden, so spricht der Film eine ganz andere Sprache und malt eine beinahe sympathische Ulkfigur, die eher zum Mitleid anregt denn zur kritischen Auseinandersetzung. Eine gefährliche Sache. Ähnlich problematisch ist in dieser Hinsicht „Der Leasingvertrag“ (> Hier sehen) , bei dem eine Hitlerrede mit Gerhard Polts Stimme überlagert wird: das Ganze wird unterhaltsam und lustig und nimmt der Thematik beinahe jegliche Schärfe. Das Problem dabei ist: für Zuschauer, die die Hintergründe kennen, kann diese Parodie durchaus eine gelungene Aktualisierung des Themas sein und somit Anregung für eine Auseinandersetzung damit, für solche jedoch, die sich nicht auskennen, wird ein amüsantes Bild dargestellt, das den Ernst der Sache nicht transportieren kann.
Es ist also eine ständige Aufklärung diesbezüglich erforderlich, um sicherzustellen, dass das Gedankengut, das hier vermittelt wird, richtig eingeordnet werden kann.
Wenn Sie sich informieren wollen, wie das Geheimnis der Redeführung tatsächlich vonstatten ging, klicken Sie hier („Adolf Hitler – eine Karriere“). Das gefährliche an Hitler, sicherlich einem der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte, ist nämlich seine Rhetorik.
Bereits Cicero zeichnet in seinem Werk „Brutus“ das Bild des perfekten Redners, der sämtliche Register zu ziehen vermag, um den Hörer zu: informieren (docere), unterhalten (delectare) und seine Meinung und Emotionen zu beeinflussen (movere). Cicero weist in diesem Zusammenhang besonders auf die Wichtigkeit ethischen Verantwortungsbewußtseins hin: denn ohne moralische Grundlage ist ein guter Redner nicht mehr also ein Volksverhetzer, ein Demagoge.
Übrigens, noch eine Anmerkung aus theologischer Sicht, sie sollte nämlich bei der Sinnsuche von Jugendlichen nicht fehlen:
Gerade bei der Suche nach Sinn und der Überbrückung von Zukunftsängsten kann eines besonders helfen: der (christliche) Glaube, sofern er ein denkender Glaube ist, der nicht ins Fundamentalistische hineinreicht. Er kann in dieser (seiner positiven Form) nämlich als befreiendes Erlebnis verstanden werden, und anstatt in Abhängigkeiten zu führen, kann er das Gegenteil bewirken.
An dieser Stelle kann auch ein gut gemachter schulischer Religionunterricht wegweisend sein. Ein Unterricht, der nicht den Schülern den Glauben für die nächsten Jahrzehnte ihres Lebens versperrt, weil er langweilig ist, weil er die Diskrepanz zwischen wörtlicher Schriftauslegung und dem Gemeinten nicht überbrücken kann, weil er die Probleme des Schülers und seine aktuelle Lebenssituation nicht aufnimmt, weil er von gelangweilten Religionslehrern ohne Glauben praktiziert wird. Wegweisend kann dieser Unterricht dann werden, wenn er bei der Suche nach Sinn hilft, wenn der Lehrer authentisch ist, wenn der Schüler ernstgenommen wird in seinen aktuellen Problemen. Wenn.



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