Protestanten = Kirchliche Gemeinschaft

www.pixelquelle.deWie idea berichtet, ist der Ton zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche nach der Stellungnahme der Glaubenskongregation „Zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ (vgl. Beitrag „Nur Rom ist Kirche“ vom 10. Juli d.J.) mittlerweile wieder freundlicher geworden. Allerdings weiterhin unverändert kontrovers.

Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie zu Berlin Ende September habe der Sekretär der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, einen Text des Vorsitzendern der rk Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, verlesen. Darin betone Lehmann, dass sich die römisch-katholische Kirche zwar nicht exklusiv mit der Kirche Jesu Christi gleichsetze, dass eine Anerkennung echter Kirchlichkeit für nichtkatholische Christen (aus römisch-katholischer Sicht) aber nur möglich sei, wenn sich diese der Leitungsvollmacht der Bischöfe (ich nehme an: der römisch-katholischen Bischöfe) und insbesondere des Papstes unterstellten. Volle Kirchenzugehörigkeit haben nur jene, „die im Besitze des Geistes Christi ihre ganze Ordnung und alle in ihr eingerichteten Heilsmittel annehmen und in ihrem sichtbaren Verband mit Christus, der sie durch den Papst und die Bischöfe leitet, verbunden sind“.

Daher habe man den Orthodoxen den Begriff „Kirche“ angeboten und den Protestanten die Bezeichnung als „kirchliche Gemeinschaft“.

Ich muss ehrlich sagen: Als (alt-) katholischer Christ und diplomierter Theologe bleibt mir unverständlich, mit welcher Chuzpe sich eine Konfession dazu aufschwingen kann, anderen Konfessionen die Bezeichnung „Kirche“ abzusprechen, nur weil diese nicht den Papst als Leiter der gesamten Kirche anerkennen.

Ich könnte das ja noch unter „römisch-katholische Profilierung“ einordnen, wenn eine solche Äußerung klar als inner-römisch-katholisch definiert werden würde. Über Profilierung geht es für mich allerdings hinaus, wenn das originäre Selbstverständnis einer anderen Kirche in Zweifel gezogen wird – und alleine das „Angebot“, dass sich eine andere Kirche ja als „kirchliche Gemeinschaft“ bezeichnen könne, ist für mich ein Zeichen, dass genau dieses getan wird. – Wer ist denn die römisch-katholische Kirche, dass sie anderen Kirchen einen Begriff für deren Selbstverständnis „anbieten“ könnte? Alleine durch diese Geste, bei der es schwer fällt, sie nicht als herablassend zu empfindenden, stellt sie sich über die anderen Konfessionen.

Vom Verständnis der Kirche als einer Einheit in der Vielfalt, die eigentlich für ein gedeihliches ökumenisches Miteinander notwendig wäre, ist da nichts zu spüren.

Idea-Meldung: „Rom“ bleibt beim Anspruch, Kirche im eigentlichen Sinne zu sein


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos Freiheit frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Urlaub usa verantwortung Vertrauen video Weihnachten winter Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

18 Kommentare zu „Protestanten = Kirchliche Gemeinschaft“

  1. Ist sicher wichtig, wie man drauf reagiert. Wenn man eine eigene Sichtweise dagegenstellt, sagt man damit zumindest: das ist so nicht in Ordnung.
    Wie wenn jemand definiert: „Wasser ist lila“. Wenn man nichts entgegnet, stimmt man zu.

  2. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    vorweg:
    ad theolounge:
    exakt!

    ad oekumenisch:

    Warum nun schon wieder solch ein Artikel? Muss wirklich jede Verlautbarung zum Thema kommentiert werden (selbst die auf einer SPDler- Geburtstagsfeier)? Und das auch nur dann, wenn Kritik an irgend was Gutem laut wird. Meines Erachtens hat es zu den positiven und ungemein tiefgründigen und instruktiven Reden Lehmanns in Fulda keine Resonanz außerhalb der sowieso in praktische ökumenische Arbeit integrierten Theologen gegeben. Schade! (aber typisch)

    Können wir nicht endlich die Sonne über unserem Zorn untergehen lassen und uns wie Erwachsene unterhalten? Mir kommt diese Diskussion mittlerweile wie ein Konkurrenzkampf um publizistische Mehrheiten vor. Am deutlichsten macht das die Bemerkung von Außenminister Steinmeier (was hat dessen Meinung nun eigentlich in diesem theologischen Gespräch zu suchen? – habt ihr mal über Hubers „geistliche“ Wurzeln nachgedacht?). Also um Christus, wie Huber bei jeder ihm passenden Gelegenheit beifallsheischend zu verkündigen pflegt, geht es in dieser beleidigten Diskussion schon lange nicht mehr!

    Es geht dabei auch nicht um Bekenntnistreue. Wer die EKD-Papiere z.B. zur Erneuerung oder zur Ordination kennt, weiß, dass wir schon lange von unseren evangelischen Bekenntnissen abgewichen sind: soweit, dass sogar die theologische Beraterin der EKD sich distanziert. Aber wer kennt denn noch z.B. das Augsburgische Bekenntnis und seine Apologien? Wer macht sich denn die Mühe, der von katholischer Seite geäußerten Kritik mal wirklich nachzugehen? In etlichem entspricht sie in verblüffender Weise ursprünglich lutherischen Positionen.

    Wann endlich also kommt Selbstkritik? Wir raufen sonst nämlich das „Unkraut mit dem Weizen aus“! Wir tun immer so, als ob im Protestantismus alles in Ordnung sei. Dabei sollten wir uns um unsere Kirche ernsthaft Sorgen machen! Wirklich ERNSTHAFT! (Ich lasse die Altkatholiken und die Altlutheraner (SELK) als „Bekenntnistreue“ mal außen vor.)

    Aber statt zu kommunizieren, reden wir nur. Prüfen wir doch mal, statt den Zeitungen allzuschnell hinterher zu plaudern. Schauen wir doch mal in die evangelisch-katholischen Gemeinschaften, in denen die Eine Kirche schon sichtbar durch unsere Verwirrungen hindurch scheint. Es gibt sie nämlich schon, die Gemeinschaft, auch in der Eucharistie. Aber dem geht wirkliche Suche nach Christus voraus, Buße, Vergebung, Gebet. Allerdings keine Reden ins Mikro und keine Beschuldigungen!

    Mein Fazit:
    Leute, es ist wirklich überwältigend, was auf ökumenischem Gebiet heute passiert! Wer das einmal geschmeckt hat, wird mir zustimmen. Der heilige Geist weht (aber eben dort wo ER will)! Reden wir es uns nicht selber schlecht! Christus macht keine Fehler.

  3. @ Wieland Röhricht
    Also ich bin in der Diskussion nicht so drin, finde es aber nicht verkehrt, wenn „oekumenisch“ immer mal wieder drüber berichtet, weil das mit der Einheit (so wie ich das Überblicken kann) wohl doch nicht ganz so perfekt ist bisher.
    Allerdings ist die Frage, ob es jemals denn eine Einheit geben sollte, weil sich automatisch, wenn eine Einheit existieren würde, sich auch wieder Splittergruppen bilden würden.
    Zur evangelischen Kirche: weiß zwar nicht genau worauf Du hinaus willst, aber mein Credo an die Evangelen (bin selber einer mittlerweile, früher Baptist) wäre: nehmt Euer Produkt (den Glauben) mal wieder ernster. Sonst werdet ihr ein immer unauthentischer.

    Bist Du eigentlich Theologe oder was in die Richtung ? Lust, hier mitzuschreiben ?

  4. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    ad theolounge:

    zuerst zur vorletzten Frage: Nein, ich habe keine Theologie studiert (sondern Biologie), ich bin also: „was in die Richtung“; beschäftige mich aber seit längerem intensiv mit dem evangelisch-katholischen Dialog; bin logischerweise Hochkirchler (also Lutheraner auf dem Boden der Confessio Augustana), hab aber auch eine „charismatisch-pietistische“ Herkunft (mit immer noch herzlichem Kontakt).

    zur letzten Frage: mach ich doch 😉

    zum Thema: „Verkehrt“ ist es sicher nicht, immer mal wieder auf den ökumenischen Prozess zu schauen. Ich vermisse über allzu „Meldungs-nahem“ Berichten aber eine gewisse kritische (und christliche) Distanz zum Zeitgeist. Und vor allem, dass wir nicht vergessen, WARUM wir uns eigentlich in der Ökumene engagieren. Es ist schlichtweg der Auftrag Christi aus dem hohepriesterlichen Gebet. Und es geht nicht darum, wer der Klügste ist, auch nicht darum, wer am lautesten schreit. Sondern es geht darum, welchen Weg der Heilige Geist uns heute weist, was also der Allmächtige möchte.

    Ich erzähle mal folgende Parabel:
    GOTT ruft uns zu: „Ich liebe Dich!“ Und weil wir nicht richtig hinhören, versteht der Eine „Ich“, der Andere „Liebe“ und der Dritte versteht „Dich“. Alle drei WISSEN, dass das, was sie gehört haben, auf jeden Fall vom HERRN allein kommt. Nun beginnt der Streit: am ehesten können sich noch der Erste und der Dritte einigen, denn „Ich“ und „Dich“ haben die meisten Buchstaben gemeinsam. Der Zweite aber sagt: Ihr liegt falsch, denn ich weiss, dass GOTT „Liebe“ ist …

    Zur Frage der Einheit: Erstens muss man mit der konkreten Formulierung einer sichtbaren (also auch organisatorischen) Einheit vorsichtig sein. Warten wir lieber auf das Wirken des Geistes. Der macht das schon richtig! Zweitens aber sollte der Wunsch danach nie schweigen. Es gibt nur einen Christus, es gibt nur einen Leib, es gibt nur einen Glauben, es gibt nur eine Taufe (vgl. auch 1 Kor 12). Die eventuelle Diskussion, ob dieser „Leib“ unsichtbar oder sichtbar ist, ist zwar interessant, führt aber eigentlich nicht weiter. Wichtig ist, dass die Schrift von EINEM Leib spricht und die Konzilsväter von der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“. Auf diesem Grund steht ALLE christliche Kirche der Erde. Und solange diese von uns jeden Sonntag bekannte Einheit nicht existiert, geht ein tiefer Schmerz durch den Leib Christi. Das ist auch heute (nach Sibiu) ökumenischer Konsens. Ich würde das nicht gerne in Frage stellen.

    Bei genauerem Hinsehen stimmt das mit den „Splittergruppen“ dann nämlich auch nicht. Entweder sie fügen sich als Bereicherung ein, sind also „Gott-gewollt“, dann werden sie eine eventuell zeitweise Trennung auch als Schmerz empfinden, oder sie trennen sich auch inhaltlich vom christlichen Bekenntnis, dann beschädigt es nicht die Einheit, sondern reinigt sie, auch wenn das Schicksal eines so betroffenen Menschen uns persönlich erschüttern wird.

  5. @ Wieland Röhricht.

    Fein, dass Du hier kommentierst 😉
    Werd mal demnächst drauf antworten, so ab Sonntag oder Montag, hab grad wenig Zeit…

  6. @Wieland Röhricht
    hm,mm, aber die Tatsache, dass dieser Leib ja offensichtlich nicht existiert, dass zb die Katholische Kirche die evangelische beispielsweise nicht wirklich anerkennt, ist ja irgendwie der Anlass, darüber zu berichten.
    Das mit den Splittergruppen: Kirche ist immer auch: Menschen. Also das, was Menschen daraus machen. Drum wird es immer Splittergruppen geben, denke ich. Und es ist schwer, zu sagen, wer denn nun richtig liegt. Die Splittergruppen (zb die Evangelische Kirche, die Freikirchen in der Evangel. Allianz) werden auch der Ansicht sein, das christliche Bekenntnis richtig auszulegen. Drum wird sich hier wohl nichts reinigen, sondern es werden einfach Differenzen bestehen bleiben, die man aber vielleicht nach und nach etwas mehr glätten kann. Aber ich denke nicht, dass solche Differenzen einfach von sich aus verschwinden, auch nicht durch das Wirken des „Heiligen Geistes“. Es gab in der Entwicklung des Religionsunterrichts (ev) auch mal die Phase, wo sich Pfarrer vor die Klasse stellten (weitgehend unvorbereitet) und auf das Wirken des Heiligen Geistes allein hofften. Das ging daneben. Damals lernte man auch, dass man Dinge, die der Mensch tun kann, dann auch wirklich selbst tun muss.

  7. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    ad theolounge:
    ad 1: wie verstehst Du Deine Aussage: „dass dieser Leib ja offensichtlich nicht existiert“?
    Ich nehme nicht an, dass Du meinst, es gäbe den Leib Christi nicht. Es gibt ihn selbstverständlich.
    Allerdings, ob nun „offensichtlich“ oder nicht, das kann wirklich unsere Frage sein. Aber trotz unserer Trennung in verschiedene Denominationen gehören alle „wahren Gläubigen“ (bitte laßt uns nicht darüber diskutieren, wer das sein soll – ich weiß es nicht!) zu diesem Leib Christi.
    Meine eigene Meinung ist, dass der Leib „geheimnisvoll sichtbar“ wird in der Eucharistie. Deswegen ist das Abendmahl für mich auch so existenziell wichtig für „Kirche“.

    ad 2: Splittergruppen – ein schwieriges Kapitel: Wahrscheinlich ist, dass Du Recht behältst, und wir Menschen in unserem Irrtum beharren, es also sichtbare Einheit von „allen“ nicht geben wird.

    Jedoch zeigt die Kirchengeschichte über mehr als ein Jahrtausend ein funktionierendes System der Einheits-Erhaltung im konziliaren Prozess. Es gab zwar immer wieder verschiedenste Lehrmeinungen, aber diese konnten immer wieder einvernehmlich geklärt, oder eben in Lehrverurteilungen entschieden werden. Und die Frage, ob bspw. vielleicht die Arianer Recht hatten, oder andere abgelehnte theologische Strömungen, und die Konzilien dagegen eine Irrlehre zementierten, führt wohl nicht wirklich weiter – vertrauen wir also darauf, dass bis zum ersten Schisma von Byzanz die Kirche den Leib Christi im wesentlichen repräsentierte.
    Das Problem danach – und exponentiell verschärft bis heute – ist m.E. im Wesentlichen in der fehlenden Bruderliebe – heute sagt man wohl „Respekt“ – (und daraus folgender egoistischer Rechthaberei) zu suchen. Und ich frage mich, warum ich nicht mit einem Bruder in einer Kirche zusammenleben soll, der eine andere Meinung zu Einzelfragen hat als ich. Warum vertrauen wir nicht den Bischöfen/den Konzilsvätern, dass der Geist sie führt? Und andersherum: warum erschüttern einige unserer Bischöfe in einem fort unser Vertrauen durch offenkundig machtpolitische, oder egoistisch geprägte, falsche Entscheidungen? Als Mensch kann ich daran schier verzweifeln. Immer und immer wieder weigern sich Menschen – weigere ich mich auch! – auf Gott zu hören. Und wir weigern uns beharrlich, uns in Erkenntnis unserer Fehlbarkeit unter die Entscheidung der Kirche zu beugen: „ICH habe aber DOCH Recht!“

    Die Frage wäre also: Wie sieht Gott auf dieses Dilemma?!
    Ich meine: zuerst mit Schmerz. Dann mit einer ausgestreckten Hand an jeden persönlich – mit Tröstung und Zuversicht darauf, dass ER alles in der Hand behält, auch wenn mir alles zu entgleiten droht (davon sind z.B. die Psalmen voll). Und ganz zum Schluss, so sagt die Schrift, wird ER aussortieren.

    Wie sollten wir uns verhalten? Meine Haltung:
    1. Bleiben wir im Schmerz um die Spaltung und versuchen wir ihn nicht weg zu diskutieren, nach dem Motto: Gott will das schon so, außerdem hab ich ja eigentlich doch Recht und der Andere liegt falsch.
    2. Ergreifen wir jede Möglichkeit zum Frieden, die sich uns bietet: Frieden im eigenen Herzen (kennst Du das Paul Gerhardt-Lied „Gib Dich zufrieden“: das müssen wir wieder lernen) und Frieden mit Gott und Frieden mit dem Nächsten.
    3. Bleiben wir im gemeinsamen Bekenntnis. Seien wir aufrichtig und lernbereit. Lieben wir Gott und unseren Nächsten und hassen wir unseren Egoismus (Lk. 14,25ff)!

    Ansonsten schließe ich mich Kardinal Kasper an (Freiburger Rede vom Juli 2007), dass die Auseinanderbewegung zwischen bekenntnisfreien, säkularisierten Gemeiden und bekenntnistreuen Gruppen sich verschärfen wird. Und warten wir auf „das Gericht“ – im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes.

    Meine Hoffnung ist, dass es sichtbare kirchliche Einheit trotz unserer Fehler geben wird. Vielleicht nicht absolute Einheit, aber viel umfassender als bisher.

  8. @ Wieland Röhricht

    „1. Bleiben wir im Schmerz um die Spaltung und versuchen wir ihn nicht weg zu diskutieren, nach dem Motto: Gott will das schon so, außerdem hab ich ja eigentlich doch Recht und der Andere liegt falsch.“

    ich denke, der schmerz der spaltung ist (zumindest für mich) gar nicht so dramatisch, wenn ich ehrlich bin, da ich es nicht anders kenne. ich denke, viele christen können sich in vielen gemeinden verorten und sind auch viel aufgeschlossener, als es die dogmatik der großen kirchen „erlauben“ möchte. insofern ist diese trennung auch mehr ein papiertieger, denke ich. wenn auch ein peinlicher, da die christenheit ja eigentlich geeint auftreten sollte. allerdings gibt es ja auch die einheit innerhalb der vielfalt…und das ist wohl der kompromiss, der zu erzielen ist. was anderes wird es möglicherweise nie geben, weil sich sonst wie schon gesagt sicher wieder splittergruppen bilden werden (die mitunter auch korrektiv sein können für verhärtete alte strukturen…)

    „2. Ergreifen wir jede Möglichkeit zum Frieden, die sich uns bietet: Frieden im eigenen Herzen (kennst Du das Paul Gerhardt-Lied “Gib Dich zufrieden”: das müssen wir wieder lernen) und Frieden mit Gott und Frieden mit dem Nächsten.“

    ja, christsein wird mehr im zwischenmenschlichen gelebt und weniger auf konzilspapieren, denke ich.

    „3. Bleiben wir im gemeinsamen Bekenntnis. Seien wir aufrichtig und lernbereit. Lieben wir Gott und unseren Nächsten und hassen wir unseren Egoismus (Lk. 14,25ff)! “

    ja, aber das ist ein lebenslanger prozess, der ist nie zu ende. ebenso wie die beziehung zu anderen menschen. es ist wie mit einem garten: nur, weil man ihn einmal schön gepflegt hat, heißt das nicht, dass er von selbst in 4 wochen immer noch schön gepflegt ist.

  9. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    ad theolounge:

    ad 1: das kann ich respektieren: Nicht jeder Christ wird die fehlende Einheit immer und überall als Schmerz empfinden, manchem ist es ganz recht so, wie es in seiner kleinen Gruppe gerade ist. Aus der dadurch fehlenden ständigen Korrektur – auch nur der fehlenden Konfrontation mit anderen christlichen Meinungen – allerdings abzuleiten, alles wäre (bei mir) in Ordnung, oder gar, alle anderen würden sich irren, halte ich für falsch.
    Weil aber gerade diese Haltung mit spontaner Regelmäßigkeit auftritt, ist die Trennung(sdiskussion) kein Papiertiger (erst recht nicht im ursprünglichen Sinne MaoZedongs), sondern wirksam; eine bittere, und eben schmerzhafte, Realität.

    ad 2: ja und nein: wir reden ja gerade über die „Konzils-„Ebene. da wünsche ich mir schon mehr „Frieden“

    ad 3: Amen. Sehr treffendes Bild!

  10. @ Wieland Röhricht

    ad 1: ich denke, es geht halt um beides: den versuch, eine einheit irgendwie auch auf dem papier hinzubekommen, was aber wohl nicht klappen wird, weil die menschen zu unterschiedlich denken. es sei denn, die kirche ist dermassen in bedrängnis von aussen, dass sich alle dazu als notmassnahme gedrängt sehen.
    aber ansonsten heißt es – denke ich – weiter verhandeln, denn das, was auf dem papier steht, beeinflußt natürlich auch indirekt das handeln vieler menschen. wenn auf dem papier mehr einheit erreicht ist, dann kommt diese womöglich auch mehr in die köpfe der menschen. von daher ist es sinnvoll, weiterzumachen mit dem versuch der einheit, und daher ist es auch sinnvoll, dies immer wieder zu thematisieren, denke ich.

  11. @ Wieland Röhricht & theolounge

    Hallo alle beiden und alle Lesenden,

    hatte nicht gedacht, dass sich so ein intensiver Austausch über meinem Beitrag entspinnt. Und tut mir leid, dass ich mich so lange raus gehalten habe, aber bin Arbeitsmäßig im Moment ziemlich eingespannt und habe schon fast keine Zeit, die Beiträge einigermaßen zu verfolgen.

    Soweit der Vorspann.

    Nun zur Debatte:

    1) Ich bin der Ansicht, dass die Einheit des Leibes Christi existiert, auch wenn sie durch die Kirchen nur sehr unvollkommen repräsentiert wird.

    2) Als alt-katholischer Theologe mit ökumenischem Herzen ärgert mich, wenn die römisch-katholische Kirche einer anderen Kirche (egal welcher Konfession) abspricht, sich „Kirche“ nennen zu dürfen, und diesen Titel nahezu exklusiv für sich beansprucht (wie erwähnt: die Orthodoxen dürfen ihn aus Sicht Roms tragen, die Alt-Katholiken übrigens auch (was aber normalerweise nicht erwähnt wird, wohl aus Sorge, dadurch auf diese reformorientierte katholische Kirche aufmerksam zu machen), aber die Protestanten und Freikirchen nicht); ich finde das einen ökumenischen Affront. Und ich möchte Rom nicht dadurch Recht geben, dass ich schweige.

    3) Auf Basis-Ebene ist, wie Wieland Röhricht richtig bemerkt, sehr viel möglich, auch zwischen römisch-katholischen und evangelischen Christinnen & Christen; aber spätestens wenn es um Eucharistie/Abendmahl geht, ist Schluss mit Lustig; ich zitiere mal ein paar Paragraphen aus dem Codex Iuris Canonici (unter „katholisch“ ist bei dieser Zitation bitte immer „römisch-katholisch“ zu verstehen; wir Alt-Katholiken haben da andere Auffassungen):
    Can. 844, §1: Katholische Spender spenden die Sakramente (Kommentar: also auch die Eucharistie) erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern.
    Can. 908: Katholischen Priestern ist es verboten, zusammen mit Priester oder Amtsträgern von Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Eucharistie zu konzelebrieren.
    Auf gut deutsch: Auf Basis-Ebene mag ja viel laufen. Gestattet ist es deswegen aber nicht. Und der Fall Gotthold Hasenhüttel: Der römisch-katholische Priester und Theologie-Professer hat 2003 beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin protestantische Christinnen und Christen zum Empfang der Eucharistie eingeladen. Folge: Verlust von Lehrerlaubnis und Priesteramt.

    4) Die von mir angestrebte Einheit der christlichen Kirchen ist eine Einheit, wie sie die Alt-Katholische und die Anglikanische Kirche realisieren. In drei Punkten wird diese Einheit besiegelt:
    1. Jede Kirchengemeinschaft anerkennt die Katholizität und Selbständigkeit der andern und hält die eigene aufrecht.
    2. Jede Kirchengemeinschaft stimmt der Zulassung von Mitgliedern der anderen zur Teilnahme an den Sakramenten zu.
    3. Volle Kirchengemeinschaft (Full Communion) verlangt von keiner Kirchengemeinschaft die Annahme aller Lehrmeinungen, sakramentalen Frömmigkeit oder liturgischen Praxis, die der anderen eigentümlich ist, sondern schließt in sich, daß jede glaubt, die andere halte alles Wesentliche des christlichen Glaubens fest.

    Für mich ist damit das Vorbild einer Einheit in der Vielfalt geschaffen. Man respektiert einander, ohne deswegen aber identisch werden zu müssen.

  12. Avatar von mummer

    Erinnere mich amüsiert an einen ökumenischen Gottesdienst, in dem in einem Liedtext „eclesia sancta catholica“ mit „gemeinsame heilige Kirche“ übersetzt wurde. Bis mir jemand sagte, daß catholicus allgemein heißt, was ich bis dahin nicht wußte. Soll ein jeder nach seiner Facon selig werden.

  13. @ oekumenisch:

    klingt sehr vernünftig…

  14. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    ad Walter Jungbauer/oekumenisch:

    ad 1): Ich bitte darum, die von beiden Seiten vorgebrachten ekklesiologischen Argumente hinsichtlich der Einheit zu würdigen. Man kann nicht „den einigen Leib Jesu“ gegen die „uneinige Kirche“ ausspielen, nach dem Motto: Eigentlich sind wir ja schon eins, die Kirche hats nur noch nicht gemerkt. Die Einheit ist in praxi (und de jure) nicht vorhanden, oder zumindest sehr stark gestört.
    Und sie wird extrem stark belastet durch Konfessionalisten, auf protestantischem Gebiet vor allem von jenen, denen „frei von Rom“ ihr höchster Glaubenssatz ist (und bei nicht wenigen noch vor „Jesus ist der Christus“ kommt). Das ist um so trauriger, weil das nicht Auffassung der Reformatoren war: Melanchton: „Wir haben wahrlich nicht Lust oder Freude an Uneinigkeit; auch sind wir nicht so gar stock- oder steinhart, dass wir unsere Gefahr nicht bedenken.“

    ad 2): Ist es so schlimm, wirklich mal drüber nachzudenken, ob Rom nicht doch Recht hat? Du kennst sicher Kardinal Lehmanns Rede kürzlich in Fulda. Ist es so abwegig, seine Ausführungen richtig zu finden? Machen WIR keine Fehler?
    Ich denke, sie kümmern uns nur nicht, und wir wollen sie nicht korrigieren.

    ad 3): Es gibt KEIN absolutes Verbot des Eucharistieempfangs durch Nicht-Katholiken. Orthodoxe (und andere Altkirchen) sind auf persönlichen Wunsch stets zugelassen, Protestanten, wenn Sie die Realpräsenz Christi im Sakrament bekennen und die Erlaubnis des Bischofs eingeholt haben. Es gibt viele Beispiele dafür, das wohl aufsehenerregendste war der Kommunionsempfang des (evangelischen!) Frere Roger (Taize) aus der Hand des Kardinals Ratzingers bei der Beisetzungsfeier vom Paul Johannes II PP. Grundlage sind die von Dir zufälligerweise(?) nicht genannten Artikel Can.838 und Can.841.
    Das meinte ich ganz oben in meiner ersten Replik: „Prüfen wir doch mal, statt den Zeitungen allzuschnell hinterher zu plaudern.“ff. Bitte erkundigt Euch wirklich und nicht nur solange das Vorurteil reicht.

    ad 4): Ich plädiere dafür, nicht schon jetzt, lange vor der Zeit, zu definieren, WIE Einheit stattfinden kann. Wir dürfen die Suche nach der Wahrheit nicht ausblenden. Ich wünsche mir die Einheit, die Christus im hohepriesterlichen gebet meint: „So wie der Vater und ich eins sind“. Der heute schon machbare Pragmatismus muss nicht die Lösung im Sinne Christi sein. Ringen wir doch weiter um die Wahrheit!

    ad mummer:
    Ökumene heißt, dass die Kirchen erkannt haben, dass „jeder nach seiner Facon selig werden“ nicht der Wille Christi ist.

    zum Abschluss nochmal Melanchthon in seiner Bemerkung zu den Schmalkaldischen Artikeln: „… vom Papst aber meine ich, wenn er das Evangelium zulassen wollte, dass ihm – um des Friedens und der allgemeinen Einheit willen mit denjenigen Christen, die schon unter ihm sind und in Zukunft sein werden – seine Superiorität (Oberhoheit) über die Bischöfe, die er aus menschlichem Recht hat, auch von uns zuzugestehen ist.“

  15. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    Der Punkt ist:
    „um des FRIEDENS und der allgemeinen EINHEIT willen“

  16. @ Wieland Röhricht

    Lieber Herr Röhricht,

    sorry, aber da habe ich wirklich eine andere Auffassung. Ich werde mich nicht der Oberhoheit eines Bischofs von Rom unterordnen. Für mich gibt es nur einen Herrn der Kirche, und das ist Jesus Christus.

    Der Papst ist für mich kein Stellvertreter Christi auf Erden. Die Stellung des Bischofs von Rom ist historisch betrachtet bestenfalls die eines Patriarchen des Westens, und in dieser Position eines „primus inter pares“ (eines Ersten unter Gleichen).

    Das sich der päpstliche Dienst so entwickelt hat bis hin zu den unheilvollen Definitionen des ersten Vatikanischen Konzils (der Unfehlbarkeit und der obersten Richtergewalt über die gesamte Kirche) ist geschichtlich zufällig und, so die Alt-Katholische Auffassung, weder in Schrift noch Tradition als unumstößliche Glaubenslehre (= Dogma) begründbar. Diese Definitionen und der Widerstand dagegen waren ja auch der Grund, warum die Alt-Katholischen Kirchen überhaupt entstanden sind.

    Nebenbei: Ich habe römisch-katholische Theologie studiert und darin auch mein Diplom abgeschlossen. So ganz unbedarft in Sachen römischer Theologie bin ich nicht gerade.

  17. Avatar von Wieland Röhricht
    Wieland Röhricht

    ad Walter Jungbauer:

    zum Papst: Ja, das ist ein schwieriges Thema. Ich respektiere diese Auffassung, halte es aber nichtsdestotrotz für schade, Vorbedingungen zu formulieren. Es geht dabei eben um „Auffassungen“. Ich selbst möchte das Thema für mich offen lassen.

    zur Theologie: Ich entschuldige mich, den Eindruck erweckt zu haben, jemanden für inkompetent zu halten, Das tue ich nicht.

    Der sachliche Hinweis bleibt: Eucharistie-Gemeinschaft ist mit der Römisch-Katholischen Kirche sehr wohl -wenn auch in engem Rahmen- auch für Nicht-Katholiken möglich. Deine Aussage darüber habe ich als tendentiös empfunden, weil einfach zu häufig unreflektiert von jedermann kolportiert. Dabei würde selbst ein Blick in die Wikipedia reichen.

  18. @ Wieland Röhricht

    kurzer Nachtrag (bin jetzt wieder zu Hause und kann auf meine kleine Bibliothek zurückgreifen):

    In der Tat hast Du recht: Die Spendung der Sakramente durch einen römisch-katholischen Priester an Mitglieder von nicht mit der römisch-katholischen Kirche in (voller) Gemeinschaft stehenden Kirchen ist möglich.

    Allerdings nur, wenn
    a) nach dem Urteil des (römisch-katholischen) Diözesanbischofs eine schwere Notlage dazu drängt,
    b) diese einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können,
    c) diese von sich aus darum bitten,
    d) diese bezüglich der Sakramente den (römisch-)katholischen Glauben bekunden, und
    e) in rechter Weise disponiert sind.
    So Canon 844 § 4 CIC.

    Da ein Protestant, der von seinem Glauben überzeugt ist, mindestens die Bedingung d) nicht erfüllen kann (Glaube an die andauernde (!) Realpräsenz Christi in den geweihten Gaben von Brot und Wein), kommt dies einem nahezu vollkommenen Ausschluss evangelischer Christinnen und Christen von der römisch-katholischen Eucharistie gleich.

    Noch deutlicher wird dies, wenn Johannes Paul II. in seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ (Enzyklika über die Eucharistie in ihrer Beziehung zur Kirche) vom 17. April 2003, Absatz 46 ausdrücklich dargelegt: „Die Ablehnung einer oder mehrerer Glaubenswahrheiten über die Eucharistie – etwa die Leugnung der Wahrheit bezüglich der Notwendigkeit des Weihepriestertums zur gültigen Spendung dieser Sakramente – hat zur Folge, daß der Bittsteller nicht für ihren rechtmäßigen Empfang disponiert ist.“

    Dass der von mir hoch verehrte Frere Roger bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für Johannes Paul II. aus der Hand des damaligen Kardinals Ratzinger die Eucharistie empfing, hatte mich angesichts dieser Ausführungen überaus erstaunt. Einen echten Richtungswechsel kann ich bei dieser Ausnahme von der Regel allerdings noch nicht erkennen.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen