Wie idea berichtet, ist der Ton zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche nach der Stellungnahme der Glaubenskongregation „Zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ (vgl. Beitrag „Nur Rom ist Kirche“ vom 10. Juli d.J.) mittlerweile wieder freundlicher geworden. Allerdings weiterhin unverändert kontrovers.
Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie zu Berlin Ende September habe der Sekretär der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, einen Text des Vorsitzendern der rk Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, verlesen. Darin betone Lehmann, dass sich die römisch-katholische Kirche zwar nicht exklusiv mit der Kirche Jesu Christi gleichsetze, dass eine Anerkennung echter Kirchlichkeit für nichtkatholische Christen (aus römisch-katholischer Sicht) aber nur möglich sei, wenn sich diese der Leitungsvollmacht der Bischöfe (ich nehme an: der römisch-katholischen Bischöfe) und insbesondere des Papstes unterstellten. Volle Kirchenzugehörigkeit haben nur jene, „die im Besitze des Geistes Christi ihre ganze Ordnung und alle in ihr eingerichteten Heilsmittel annehmen und in ihrem sichtbaren Verband mit Christus, der sie durch den Papst und die Bischöfe leitet, verbunden sind“.
Daher habe man den Orthodoxen den Begriff „Kirche“ angeboten und den Protestanten die Bezeichnung als „kirchliche Gemeinschaft“.
Ich muss ehrlich sagen: Als (alt-) katholischer Christ und diplomierter Theologe bleibt mir unverständlich, mit welcher Chuzpe sich eine Konfession dazu aufschwingen kann, anderen Konfessionen die Bezeichnung „Kirche“ abzusprechen, nur weil diese nicht den Papst als Leiter der gesamten Kirche anerkennen.
Ich könnte das ja noch unter „römisch-katholische Profilierung“ einordnen, wenn eine solche Äußerung klar als inner-römisch-katholisch definiert werden würde. Über Profilierung geht es für mich allerdings hinaus, wenn das originäre Selbstverständnis einer anderen Kirche in Zweifel gezogen wird – und alleine das „Angebot“, dass sich eine andere Kirche ja als „kirchliche Gemeinschaft“ bezeichnen könne, ist für mich ein Zeichen, dass genau dieses getan wird. – Wer ist denn die römisch-katholische Kirche, dass sie anderen Kirchen einen Begriff für deren Selbstverständnis „anbieten“ könnte? Alleine durch diese Geste, bei der es schwer fällt, sie nicht als herablassend zu empfindenden, stellt sie sich über die anderen Konfessionen.
Vom Verständnis der Kirche als einer Einheit in der Vielfalt, die eigentlich für ein gedeihliches ökumenisches Miteinander notwendig wäre, ist da nichts zu spüren.
Idea-Meldung: „Rom“ bleibt beim Anspruch, Kirche im eigentlichen Sinne zu sein



Kommentar verfassen