Dalai Lama in Deutschland

nonnenkloster.jpgDer Dalai-Lama wird auf seiner zehntägigen Reise durch Deutschland wie ein Popstar gefeiert. Seine Anhänger und sonstige Interessierten, die sich von der charismatischen Persönlichkeit fesseln lassen, lauschen stundenlang dem geistlichem und politischem Oberhaupt der Tibeter. Gewiss zeugen seine Worte von hoher Weisheit und strahlen Zufriedenheit, Wärme und Liebe aus. Ein Teilnehmer bekennt ganz gefesselt: “ Er lebt, was er predigt: Mitgefühl und Liebe.“ Die Authenzität und Ehrlichkeit des Dalai-Lama soll hier keineswegs in Frage gestellt werden. Viele Menschen im Westen lassen sich jedoch gerne von dieser Lebens-Philosophie anstecken, ohne genau oder nur annährend zu wissen, welche Lehre und Anthropologie dahinter steckt. Im Buddhismus wird das Leben als Leid erfahren und der Gläubige soll sein Leid lernen wahrzunehmen, um sich so durch Gebet und Meditation sowie gewisse ethische Normen aus seinem Leid auf Erden zu befreien, um so irgendwann dem irdischen Leid zu entgehen und in eine höchste Transzendenz zu kommen, die in vollkommen glücklich macht. In dieser Hinsicht hat der Buddhismus und auch tibetanische Buddhismus, den der Dalai-Lama vertritt eine sehr egoistische Ausrichtung: Selbstmitleid! So wundert es nicht, dass die ganzen Flüchtling-, Medizin und Armencamps in buddhistischen Ländern sehr selten von Buddhisten, sondern vornehmlich von Christen betreut werden. Schließlich kümmert sich der gläubige Buddhist dort primär darum, sich aus seinem persönlichen Leid zu befreien. Diese Art von Lebenseinstellung passt sehr gut in den atheistisch geprägten Zeitgeist von Mitteleuropa und Deutschland: Die Suche nach dem persönlichen Glück und die Vermeidung an die Bindung an einen personalen Gott. Kein Wunder, dass sich viele Menschen hier zu Lande solchen Bewegungen anschließen. Die stark naturreligiösen Züge des Buddhismus geben keine Antwort auf die Schöpfungsfrage und einen personalen Schöpfer: So kommt auch kein Buddhist auf die Idee sein Leben als Geschenk aufzufassen, welches ihm ein liebender Gott aus freiem Willen schenkte, um irgendwann alle Menschen wieder, wie ein liebender Vater, zu sich zunehmen. Da die Schöpferfrage nicht geklärt ist und die Welt und das Dasein des Menschen als spontan anwesend abgestempelt wird, gilt es die Flucht zu ergreifen in ein ewiges Dasein voller Glück: Der Mensch kann sich hier also selbst erlösen! Wenn er sich jedoch selbst erlösen kann, muss er auch die Fähigkeit besessen haben irgendwann an seiner eigenen Entstehung mitgewirkt zu haben, was sehr unwahrscheinlich klingt, denn nichts kann seinem eigenen Sein voraus sein. Wenn doch, muss diesem Sein göttliche Eigenschaft zugeschrieben werden; aber eben nicht ganz göttlich, sonst wäre jeder Mensch ein Gott, was schon logisch ein Widerspruch ist; Gott ist nämlich als der Unbeschreibliche gar nicht in Singular und Plural anzugeben! Wenn es also Halb-Gottheiten geben sollte, was dann auf jeden Menschen zutreffen würde, wenn er sich selbst erlösen will, weißt alles doch auf einen Schöpfergott hin, der schließlich die Halb-Gottheiten erschaffen hat. In der buddhistischen und tibetanisch-buddhistischen Philosophie werden vor der theistischen Schöpferfrage naiv die Augen verschlossen. Der Mensch kann sich also nicht selbst erlösen oder gen völliges Glück hin verschieben, wenn er nicht selbst an der Schöpfung beteiligt war. Da er es offensichtlich nicht ist, kommt diese Aufgabe einem allmächtigen, allwissenden Schöpfer zu. Der Mensch ist ein soziales Wesen und definiert sich auch über seinen sozialen Status. Er hat nicht nur die Aufgabe sein Leid zu bekämpfen, sondern liebevoll für seinen Nächsten zu sorgen, was ja auch von der buddhistischen Lehre nicht verneint wird. In der christlichen Lehre nimmt der Mensch durch das Leid auf Erden an Gottes Leben teil, der für uns am Kreuz litt, um uns ewig zu erlösen. Auch wenn das Leid oft schwer zu ertragen ist, ist es jedoch mit Blick auf die Anteilnahme des Leides mit der Identifizierung durch Gott, eine Erfahrung, auf die der Mensch nach seiner Erlösung nicht mehr verzichten wollen würde: Der Mensch hat somit durch sein an Gottes Leben Anteil genommen, der für uns litt. Das Leid ist darüber Ausdruck der freien Entscheidung für Gut und Böse. Wenn ich primär handle, um mich aus meinem Leid zu erlösen, steht dahinter mehr ein egoistisches, faktisches Interesse, statt eine Maxime, die ich mir mit der Vernunft gesetzt habe, weil ich sie wahr und schlechthin gut halte.

Ein Gedanke zu “Dalai Lama in Deutschland

  1. Ja, es ist schon seltsam: Wir Christen haben die FROHE Botschaft anzubieten – und die Menschen rennen zu einer Philosophie, die das Leben als Leiden auf Erden sieht!

    Aber ich glaube auch, dass hier oft eher ein „Buddhismus Light“ genossen wird, die weiße Salbe für die Seele.

    Interessant in diesem Zusammenhang ein Interview in der heutigen Frankfurter Rundschau mit Judith Holofernes von der Band „Wir sind Helden“. Sie sagt dort auf die Frage…

    „Was meinen Sie, warum ist der Dalai Lama bei den Deutschen, besonders bei den jungen, beliebter als der Papst?

    Der Dalai Lama ist im Gegensatz zur katholischen Kirche sehr integrativ – er spricht nicht von Religion, sondern von allgemeingültigen Werten, die es genauso im Christentum gibt. Buddhismus ist streng genommen keine Religion, sondern eine Philosophie, eine Art und Weise, wie man versucht sein Leben zu leben. Man muss nicht irgendwo eintreten, um Buddhismus für sich auszuprobieren. Das macht es einfach, sich dem zu nähern.“
    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/reportage/?em_cnt=1177572&sid=3678c7244e523398a1a2a764eaf55401

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