Der Kreml mischt mit

Es beginnt nicht mit Panzern, sondern mit einem Post. Einem Meme. Einem Video, das echt aussieht und es nicht ist. Zweimal hat Wladimir Putins Apparat versucht, Amerikas Wahl zu drehen. Zweimal hieß der Mann, dem es nützen sollte: Donald Trump.

2016: Der Angriff

Die US-Geheimdienste kamen im Januar 2017 zu dem Schluss, Putin habe persönlich eine Einflusskampagne angeordnet. Moskau habe eine klare Vorliebe für Trump entwickelt. Hacker des russischen Militärgeheimdienstes griffen die Demokraten an. Die gestohlenen E-Mails tauchten Tag für Tag in den Schlagzeilen auf. Sonderermittler Mueller legte dar, dass Russland versuchte, die Wahl zugunsten Trumps zu kippen. Parallel lief die Trollfabrik in Sankt Petersburg. Facebook schätzte, dass bis zu 126 Millionen Amerikaner Inhalte der Internet Research Agency gesehen haben könnten, mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten. Ob alle sie wirklich sahen, weiß niemand. Mit Kanälen für Schwarze Amerikaner und Muslime wollte die Fabrik sogar Minderheiten vom Wählen abhalten.

Und die Trump-Kampagne? Mueller fand keine Verschwörung, aber die Kampagne rechnete damit, von den gestohlenen Informationen zu profitieren. Mehrere Leute aus Trumps Umfeld belogen die Ermittler, und diese Lügen behinderten die Untersuchung erheblich. Der überparteiliche Senatsbericht ging weiter: Wahlkampfchef Paul Manafort pflegte enge Kontakte zu Konstantin Kilimnik, den der Ausschuss einen russischen Geheimdienstoffizier nennt. Manafort gab ihm sogar interne Umfragedaten der Kampagne. Der Ausschuss sprach von einer „grave counterintelligence threat“, also einer schweren Spionageabwehr-Bedrohung.

2024: Der Angriff 2.0

Acht Jahre später waren die Methoden billiger, schneller und gefälschter. Die US-Geheimdienste nannten Russland die größte Bedrohung und sahen Kampagnen, die Trumps Chancen gegenüber Kamala Harris verbessern sollten. Wenige Tage vor der Wahl verbreitete das Netzwerk Storm-1516 zwei gefälschte Videos: angeblich zerstörte Briefwahlstimmen für Trump in Pennsylvania und angebliche Wahlbetrüger in Georgia. Dazu kam eine erfundene Nachrichtenseite, die Harris einen Unfall mit Fahrerflucht andichtete, und Videos gegen Tim Walz. Zwei RT-Mitarbeiter sollen fast zehn Millionen Dollar an eine US-Firma geleitet haben, die rechte Influencer unter Vertrag nahm. Das Justizministerium wirft den Influencern nichts vor, einigen wurde die Geldquelle verschwiegen.

Und was hat es bewirkt?

Hier wird es unbequem, denn die ehrliche Antwort ist: Es ist umstritten.

  • Eine Studie der University of Tennessee fand, dass Trumps Umfragewerte stiegen, wenn die Trolle aktiv waren. Ob das die Wahl entschied, könne man „nicht ausschließen“, aber auch nicht beweisen.
  • Forscher aus Kopenhagen, New York, Dublin und München fanden dagegen keinen Einfluss auf politische Einstellungen oder das Wahlverhalten. Die russischen Posts gingen im Lärm heimischer Medien unter.
  • Eine Kommentatorin der Las Vegas Review-Journal rechnete vor, dass weniger als 80.000 Stimmen in drei Bundesstaaten die Wahl 2016 entschieden. Das ist eine Meinung, kein Beweis.
  • Für 2024 gilt: Die Cybersicherheitsbehörde CISA sah trotz einer beispiellosen Menge an Desinformation keine Hinweise auf direkte Auswirkungen auf das Ergebnis.

Was sich dagegen belegen lässt, ist das eigentliche Ziel. Moskau wollte vor allem Kandidaten stärken, die gegen Hilfe für die Ukraine sind, und die westliche Unterstützung beenden. Nach Trumps Sieg versuchte russische Desinformation, einen Keil zwischen die USA und die Ukraine zu treiben. Die EU-Faktenchecker von EUvsDisinfo beobachteten dabei: Die Kreml-Propaganda arbeitete mehr daran, die Demokraten schlechtzumachen, als die Republikaner zu loben. Kyjiv sieht die Folgen jeden Tag.

Der bittere Nachgeschmack

Trump nennt das alles seit Jahren eine Hexenjagd. Im Juli 2025 ließ seine Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard Dokumente freigeben, die die Bewertung von 2017 erschüttern sollten. Die AP befand, ihre Vorwürfe einer Verschwörung würden von den Dokumenten nicht gestützt. Und die Abwehr? Justizministerin Bondi löste im Februar 2025 die FBI-Einheit auf, die nach dem russischen Eingriff 2016 gegründet worden war. Bei der Cybersicherheitsbehörde wurden Mitarbeiter beurlaubt, die gegen Wahleinmischung arbeiteten.

Das ist die eigentliche Pointe: Ob Russland 2016 die Wahl entschied, wissen wir vielleicht nie. Dass Russland es versucht hat, steht fest. Und heute fehlen ausgerechnet die Leute, die den nächsten Versuch erkennen sollten.

Quellen:


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