
Jahrzehntelang war das Geräusch eines brummenden Auspuffs das Symbol für Freiheit, Wohlstand und deutsche Ingenieurskunst. Doch heute steht der Verbrennungsmotor am Pranger: Während Ökonomen wie Moritz Schularick vor der Pleite deutscher Traditionsmarken warnen und China mit günstigen, softwarestarken E-Autos den Weltmarkt aufrollt, wird in Berlin, Brüssel und Washington verbissen um Fristen und Ausnahmen gefeilscht. Sind diejenigen, die weiter stur auf Benzin und Diesel setzen, ewig Gestrige, die den Knall nicht gehört haben – oder steckt mehr dahinter?
Die Illusion vom ewigen Brumm-Brumm
Technologisch betrachtet ist das Rennen im Grunde gelaufen. Ein moderner Elektromotor kommt mit rund 40 beweglichen Teilen aus, ein Verbrenner braucht über 1.300. Kein Verbrennungsmotor der Welt erreicht den Wirkungsgrad eines Stromers. Wer heute noch glaubt, dass wir mit teuren E-Fuels die alten Benziner flächendeckend klimaneutral weiterfahren können, rechnet an den Naturgesetzen vorbei.
Trotzdem ist der Verbrenner keineswegs über Nacht von den Straßen verschwunden. Weltweit fahren immer noch über 1,2 Milliarden Autos mit Tankdeckel statt Ladekabel. Dass viele Menschen am Verbrenner festhalten, ist nicht bloß ideologische Sturheit. Neue Stromer sind schlicht zu teuer, vor allem, wenn man zur Miete wohnt, keine eigene Wallbox hat und auf lückenhafte Ladesäulen angewiesen ist.
Das Problem beginnt dort, wo Politik und Autokonzerne das als Ausrede nutzen, um die Zukunft zu verschlafen. Wer krampfhaft versucht, das Rad der Zeit zurückzudrehen, riskiert nicht nur das Klima, sondern auch hunderttausende Arbeitsplätze. Denn die globale Musik spielt längst elektrisch – ob Wolfsburg mitzieht oder nicht.
Was das für uns bedeutet
Für uns heißt das vor allem: Hört auf, euch in Kulturkämpfen zu verheddern. Mobilität ist kein Glaubensbekenntnis, sondern ein Werkzeug, um von A nach B zu kommen.
- Nicht verurteilen, sondern verstehen: Wer einen gebrauchten Kleinwagen fährt, weil das Geld für ein neues E-Auto fehlt, ist nicht gestrig, sondern pragmatisch. Wirklich gestrig sind Vorstandsetagen und Politiker, die den Wandel verschleppen und so tun, als ginge es ewig wie in den 90er-Jahren weiter.
- Das Auto entzaubern: Die eigentliche Revolution ist nicht nur der Tausch von Akku gegen Tank. Es geht darum, ob wir überhaupt noch alle ein eigenes Auto vor der Haustür brauchen. Carsharing, Busse, Bahnen und das Rad sparen oft mehr Nerven, Geld und Ressourcen als jeder private Neuwagen.
- Kritisch nachfragen: Lasst euch keine Scheinlösungen verkaufen. Wer für offene Märkte und Klimaschutz wirbt, muss für bezahlbare Einsteigermodelle und verlässliche Ladeinfrastruktur sorgen, statt den alten Verbrenner künstlich am Leben zu halten.
Der Verbrennungsmotor hat unsere Welt gebaut, aber er wird sie nicht retten. Wir müssen ihm keine Denkmäler bauen – sondern lernen, nach vorn zu schauen.
Quellen:
- ZEIT ONLINE: Moritz Schularick: Drohen Insolvenzen großer Auto-Hersteller?
- Deutschlandfunk: Autobranche und E-Mobilität: Der verzögerte Abschied vom Verbrennungsmotor
- ZDFheute: Verbrenner-Aus ab 2035: Koalition streitet um EU-Vorgabe
- taz: Verbrenner-Aus 2035: Bloß nicht absagen!



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