Gedanken zu Matthäus 21,33-44 – 27.

Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.

27. Sonntag im Lesejahr A – 4.10.26

Hier ist eine Zusammenfassung der Predigtgedanken:

1. Das Gleichnis von den bösen Weinbauern [00:08]

  • Das Evangelium des Sonntags (Matthäus 21,33–44) zeichnet ein scheinbar klares Schwarz-Weiß-Bild:
    • Auf der einen Seite stehen die bösen Weinbauern, die die Knechte des Besitzers verprügeln, töten und schließlich auch dessen Sohn ermorden.
    • Auf der anderen Seite stehen die neuen Weinbauern, von denen erwartet wird, dass sie die erhofften Früchte bringen.
  • Mögliche Graustufen zwischen diesen beiden Extremen werden in der Erzählung ausgeblendet.

2. Der Blick auf 2000 Jahre Kirchengeschichte [00:59]

  • Angesichts dieses Gleichnisses stellt sich die Frage, wie Christinnen und Christen heute damit umgehen.
  • Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt viele Fehltritte und Verfehlungen, die im Namen des Glaubens geschahen:
    • Kreuzzüge und Hexenverfolgung
    • Anhaltende Zerstrittenheit zwischen Konfessionen und Gemeinden
  • Gleichzeitig hat die Geschichte aber auch viele positive Früchte hervorgebracht:
    • Friedensstiftung und gelebte Hilfe für Menschen in Not
    • Engagement zur Bewahrung der Schöpfung (Umweltschutz) aus Glaubensgründen
    • Hilfsbereitschaft und Fürsorge für Geflüchtete

3. Das Labyrinth als Sinnbild für die Sackgasse [02:23]

  • Als zentrales Bild dient der Gang durch ein Labyrinth:
    • Man folgt einem langen, verschlungenen Pfad und landet am Ende im Zentrum vor einer Wand – in einer Sackgasse.
    • Wer nicht in der Sackgasse erstarren oder stehen bleiben will, hat nur eine Möglichkeit: umkehren bzw. Kehrt machen, um wieder herauszukommen.

4. Umkehr im eigenen Leben und auf dem Weg Jesu [03:03]

  • Übertragen auf das eigene Leben bedeutet das:
    • Wenn man feststellt, dass das persönliche Verhalten nicht die Früchte hervorbringt, die von Gott und den Mitmenschen erwartet werden, ist man in eine Sackgasse geraten.
    • Es ist menschlich und normal, sich im Leben zu verrennen; entscheidend ist, nicht zu verharren, sondern umzukehren.
    • Mit Gottes Hilfe – und oft gemeinsam mit anderen – lässt sich der Weg überdenken, um auf den Weg Jesu zurückzufinden.

5. Franz von Assisi als Vorbild der Umkehr [04:03]

  • Am 4. Oktober gedenkt die Kirche Franz von Assisi (1182–1226), der als herausragendes Vorbild für Umkehr gilt:
    • Er wuchs als Sohn wohlhabender Tuchhändler auf, war geschäftlich erfolgreich und führte ein ausgelassenes Leben mit Feiern.
    • Nach Einsätzen als Soldat und einer Pilgerreise nach Rom vernahm er beim Gebet in San Damiano den Ruf Christi, sein Haus wieder aufzubauen.
    • Weil er Waren und Geld aus dem Geschäft seines Vaters für gute Zwecke und den Kirchenbau nutzte, kam es zum Streit und 1207 zu einem öffentlichen Gerichtsprozess vor dem Bischof.
    • Franziskus zog seine Kleider aus, verzichtete auf sein gesamtes Erbe und wählte ein Leben in völliger Armut als Einsiedler.
    • Er bettelte um Nahrung, versorgte Kranke und Aussätzige und legte den Grundstein für die spätere franziskanische Bewegung.

6. Die Mauer am Ende des Weges überwinden [06:04]

  • Sich in eine Sackgasse zu verrennen, ist nicht das Problem. Schlimm wird es erst, wenn man vor der Mauer erstarrt und bewegungslos bleibt.
  • Für Franziskus war der frühere Wohlstandsweg eine Sackgasse. Durch seine radikale Umkehr fand er zu seiner eigentlichen Bestimmung.

7. Die befreiende Kraft der christlichen Botschaft [06:45]

  • Eine wesentliche Aussage des christlichen Glaubens lautet: Wenn der Mensch umkehrt, wird er erlöst.
  • In dieser Umkehr liegt die Befreiung von Angst, Tod und Leid.
  • Die Predigt ermutigt dazu, sich immer wieder neu auf den Weg der eigenen Umkehr einzulassen.

    Leitgedanke

    Das Gleichnis ruft nicht zu hoffnungsloser Selbstanklage auf, sondern lädt dazu ein, eigene Sackgassen rechtzeitig zu erkennen. Umkehr bedeutet im christlichen Sinn keine Strafe, sondern die Chance zur Befreiung und zum Neubeginn mit Gottes Unterstützung.


    Entdecke mehr von god.fish

    Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

    1 AFD Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos Freiheit frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Urlaub usa verantwortung Vertrauen video Weihnachten Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


    Kommentare

    Kommentar verfassen

    Entdecke mehr von god.fish

    Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

    Weiterlesen