
Stell dir vor, du stehst in einem düsteren Geisterschloss vor einem alten Ölgemälde, das dich selbst zeigt. Plötzlich blinzelt dir dein eigenes Gesicht zu und lächelt dich an. Genau wie die Vampirin Luna, die in diesem Moment erschrocken zurückweicht, würdest du dich vermutlich ziemlich gruseln. Es ist unheimlich, wenn ein Bild, das jemand anderes von uns gemacht hat, auf einmal ein Eigenleben entwickelt. Doch eigentlich erleben wir genau dieses Gefühl in unserem Alltag ständig: Wir haben oft Angst davor, wie andere uns sehen.
In der Psychologie dreht sich vieles um die Frage, wie unsere Identität überhaupt entsteht. Wir versuchen pausenlos, in den Reaktionen unserer Mitmenschen abzulesen, wer wir eigentlich sind. Wir hoffen inständig, dass die anderen uns richtig erkennen und unser wahres Ich verstehen. Sobald wir aber spüren, dass jemand ein völlig falsches Bild von uns im Kopf hat, fühlen wir uns unwohl oder sogar bedroht. Wir weichen innerlich zurück, weil wir die Kontrolle darüber verlieren, wer wir in den Augen der Welt sind.
Jeden Tag drücken wir anderen gewissermaßen den Pinsel in die Hand, die dann in ihren Gedanken ein Bild von uns malen. Egal ob wir einen Raum betreten, uns in einer Gruppe unterhalten oder einfach nur ein Foto teilen – unsere Mitmenschen malen sich ihr ganz eigenes Bild von uns. Die Reaktionen darauf können große Auswirkungen auf unser Selbstbewusstsein haben. Doch die Wahrheit ist: Jeder Mensch zeichnet dieses Bild durch seinen ganz persönlichen Filter. Wie jemand dich sieht, hängt meistens viel mehr von seinen eigenen Erfahrungen, Sorgen und Launen ab als von dir selbst. Es ist völlig menschlich, dass wir dazugehören und gemocht werden wollen. Daran ist überhaupt nichts falsch.
Wer hält den Pinsel?
Am Ende des Tages ist es unmöglich, das Bild in den Köpfen der anderen komplett zu steuern. Es wird immer jemanden geben, der dich ein bisschen schief zeichnet oder Farben verwendet, die gar nicht zu dir passen. Du musst nicht in jeden Rahmen passen, den man für dich vorgesehen hat. Es reicht völlig aus, wenn du selbst weißt, wer du bist. Lass die anderen malen, was sie wollen – das echte Meisterwerk deines Lebens gestaltest du immer noch selbst.



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