
Trump glaubt, er könne den Krieg gegen den Iran jederzeit beenden. Tatsächlich kann aber eine Kettenreaktion entstehen oder schon entstanden sein.
In der Welt des Donald Trump scheint Komplexität ein Hindernis zu sein, das man einfach beiseite wischen kann. Seine jüngste Aussage gegenüber dem Nachrichtenportal Axios, im Iran sei „praktisch nichts mehr übrig“, das angegriffen werden könne, und der Krieg werde enden, wann immer er es wolle (Times of Israel, 11.03.2026), suggeriert eine Kontrolle, die die Realität der globalen Vernetzung ignoriert. Doch das eigentliche Problem ist nicht die militärische Dominanz der USA, sondern die geopolitische Kettenreaktion, die ein vermeintliches Ende der Kampfhandlungen auslösen könnte. Der „rote Faden“ dieses Konflikts zieht sich von den versalzten Gewässern der Straße von Hormus bis in die schlammigen Schützengräben des Donbas.
Die Illusion des einfachen Sieges
Trump verfolgt eine Strategie der „bedingungslosen Kapitulation“ (ZDFheute, 07.03.2026) und lehnt den neuen iranischen Führer Modschtaba Chamenei – der laut Berichten des Spiegel (11.03.2026) bei Angriffen an den Beinen verletzt wurde und sich versteckt hält – als „Leichtgewicht“ ab. Während Trump den Sieg herbeiredet, macht die iranische Führung, allen voran die Revolutionsgarden (IRGC), deutlich, dass sie das einzige wirksame Erpressungswerkzeug der Weltwirtschaft fest im Griff haben: das Öl. Die Drohung, dass „nicht ein Liter Öl“ die Region verlassen werde (DIE ZEIT, 10.03.2026), ist keine leere Rhetorik, sondern der Beginn einer ökonomischen Umverteilung, die paradoxerweise Trumps anderem großen Sorgenkind in die Hände spielt: Wladimir Putin.
Der Medienüberblick: Ein zersplittertes Bild der Lage
Ein Blick in die internationale Presse verdeutlicht die Kluft zwischen Trumps Narrativ und der strategischen Einschätzung vor Ort:
- USA (Axios/Times of Israel): Hier dominiert Trumps Selbstbewusstsein. Er sieht sich als derjenige, der den Stecker ziehen kann, wann er will.
- Israel (DIE ZEIT): Die Regierung in Jerusalem widerspricht der US-Euphorie deutlich. Man sei „noch nicht fertig“ mit dem Iran und wolle das Regime grundlegend brechen.
- Deutschland/EU (ARD-DeutschlandTrend/DLF): Die Sorge vor einem Flächenbrand ist massiv. 80 % der Deutschen fürchten Auswirkungen auf den Welthandel; Völkerrechtler kritisieren die Angriffe als völkerrechtswidrig (Deutschlandfunk, 04.03.2026).
- Ukraine (Spiegel): Präsident Selenskyj blickt mit existentieller Sorge auf den Nahen Osten. Er fürchtet, dass westliche Flugabwehrressourcen abgezogen werden und – was noch schwerer wiegt – der Ölpreis Putins Kriegskasse füllt.
Die Straße von Hormus als russische Finanzspritze
Hier verflicht sich das Schicksal der Ukraine mit dem Iran-Konflikt. Rund 20 % des weltweit gehandelten Öls passieren die Straße von Hormus (Deutschlandfunk, 01.03.2026). Eine Blockade oder auch nur die gezielte Verminung durch den Iran, wie sie in aktuellen Sicherheitsanalysen befürchtet wird, treibt die Preise für die Sorte Brent unweigerlich in Richtung der 120-Dollar-Marke (FONDS professionell, 10.03.2026).
Für Russland ist dies ein unverhofftes Geschenk. Höhere globale Ölpreise entwerten westliche Sanktionen und spülen Milliarden in den Kreml, mit denen die Offensive in der Ukraine intensiviert werden kann. Während Trump also im Nahen Osten den „Sack zumachen“ will, öffnet er indirekt die Schleusen für die russische Kriegsfinanzierung. Dass Trump zudem erwägt, Sanktionen gegen russisches Öl zu lockern, um die US-Spritpreise zu drücken (YouTube-Analyse, 09.03.2026), zeigt die absurde Zwickmühle: Um die heimische Inflation zu bekämpfen, müsste er Putin stärken – ein geopolitisches Eigentor.
Ein Brandherd füttert den anderen
Das Problem ist nicht, ob Trump den Krieg „beenden“ kann. Das Problem ist, dass ein Rückzug der USA oder ein Einfrieren der Kämpfe bei gleichzeitiger Blockade der Handelswege den Iran als „Wundbrand“ der Weltwirtschaft zurücklässt. Die steigenden Energiekosten wirken wie ein Katalysator für den Ukraine-Krieg. Deutschland und die EU stehen diesem Szenario weitgehend machtlos gegenüber, während sie versuchen, die eigene Wirtschaft vor dem drohenden Energiepreisschock zu schützen (Markt und Mittelstand, 02.03.2026). Der rote Faden ist klar: Solange die Straße von Hormus brennt, wird der Donbas nicht zur Ruhe kommen.
Verwendete Quellen:
- Times of Israel / Axios (11.03.2026): Trump-Interview zu den Angriffszielen im Iran.
- DIE ZEIT (10.03.2026): Widersprüche zwischen Trump und Israel; iranische Drohungen zur Ölblockade.
- DER SPIEGEL (11.03.2026): Berichte über die Verletzung von Modschtaba Chamenei.
- ZDFheute (07.03.2026): Trumps Forderung nach bedingungsloser Kapitulation.
- Deutschlandfunk (01.03.2026 / 04.03.2026): Bedeutung der Straße von Hormus und völkerrechtliche Einordnung.
- ARD-DeutschlandTrend (02.03.2026): Meinungslage in der deutschen Bevölkerung.
- FONDS professionell (10.03.2026): Finanzmarktanalyse und Ölpreisprognosen.
- Markt und Mittelstand (02.03.2026): Auswirkungen auf den deutschen Mittelstand.



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