
Die logische Notwendigkeit der Differenz
Wirkliche Existenz erfordert zwangsläufig Unterschiede. Um diesen Gedanken zu illustrieren, stellen wir uns einen völlig weißen Raum vor: Ohne jegliche Schatten oder Farbschattierungen könnten wir nichts wahrnehmen; es gäbe keine Unterscheidung zwischen dem Selbst und der Umgebung. Wahrnehmung und damit Sein hängen fundamentall von Kontrasten ab.
Dieser logische Grundsatz lässt sich auch auf die Theologie und die Dualität von Gut und Böse übertragen. Wenn es nur einen einzigen, unveränderlichen Zustand gäbe, wäre dieser nicht als „gut“ oder „böse“ erkennbar. Er wäre einfach nur. Erst die Möglichkeit der Abweichung, der Kontrast zum Vollkommenen, ermöglicht es uns, das Gute überhaupt als solches zu erkennen und zu wertzuschätzen.
Vielleicht liegt genau hier der tiefergehende Gedanke der biblischen Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies: Indem Gott eine bewusste Schöpfung schuf, musste er die ontologische Möglichkeit für Unterschiede zulassen. Wahre Existenz, die über den bloßen, einförmigen Zustand hinausgeht, erfordert logisch die Gegenwart des Gegensatzes.



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