
In seinem am 25. Januar 2026 veröffentlichten Artikel „Yes, It’s Fascism“ für The Atlantic begründet der Autor Jonathan Rauch, warum er Donald Trump nunmehr als Faschisten einstuft. Während er diesen Begriff lange Zeit vermied und Trumps Regierungsstil eher als „Patrimonialismus“ (den Staat als persönliches Familiengeschäft) beschrieb, sieht er in der Gesamtheit der Ereignisse des vergangenen Jahres einen deutlichen Wandel hin zu einem doktrinären und operationalen Faschismus.
Die 18 Merkmale des Trump-Faschismus
Rauch identifiziert 18 spezifische Eigenschaften, die Trumps Handeln charakterisieren. Er betont, dass Faschismus keine fest umrissene Ideologie ist, sondern eine Konstellation von Merkmalen:
- Zerstörung von Normen: Bewusste Respektlosigkeit gegenüber ziviler Höflichkeit, um „dunkle Leidenschaften“ wie Ressentiments und Angst zu schüren.
- Verherrlichung von Gewalt: Trump preist gewalttätige Mobs, befürwortet Folter und kokettiert mit dem Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten und Journalisten.
- Recht des Stärkeren: Die Überzeugung, dass Macht und Gewalt die „eisernen Gesetze der Welt“ seien.
- Politisierte Strafverfolgung: Der Einsatz der Justiz zur Verfolgung politischer Gegner (z. B. James Comey) und zum Schutz von Freunden.
- Entmenschlichung: Rhetorik, die Gegner als „Ungeziefer“ (vermin) und Einwanderer als „Abschaum“ bezeichnet, was an die Sprache des Dritten Reiches erinnert.
- Polizeistaat-Methoden: Die Transformation der Einwanderungsbehörde ICE in eine paramilitärische Macht. Das Budget von ICE ist mittlerweile größer als das Militärbudget von Ländern wie der Türkei oder Spanien.
- Untergrabung von Wahlen: Die Weigerung, Wahlergebnisse anzuerkennen, und die Androhung, Wahlen (wie die für 2026 geplanten) abzusagen.
- Aufhebung der Grenze zwischen Privat und Öffentlich: Die Behandlung des Staates und privater Unternehmen (z. B. TikTok) als persönliches Eigentum des Führers.
- Angriffe auf die Presse: Die Einstufung von Medien als „Feinde des Volkes“ und der Einsatz staatlicher Macht zur Einschüchterung von Journalisten.
- Territoriale Aggression: Raubtierartige Außenpolitik, wie die Drohung, Grönland einzunehmen oder venezolanisches Öl zu beschlagnahmen.
- Transnationale Vernetzung: Unterstützung für autoritäre Führer weltweit (z. B. in Ungarn oder Russland) bei gleichzeitiger Verachtung liberaler Allianzen.
- „Blut und Boden“-Nationalismus: Die Forderung nach einer Neudefinition der Staatsbürgerschaft basierend auf ethnischer Herkunft („Heritage Americans“).
- Weißer und christlicher Nationalismus: Bevorzugung weißer Einwanderer und die Säuberung von Museen von Hinweisen auf die Sklaverei.
- Einsatz von Mobs: Die Nutzung von Milizen und gewalttätigen Gruppen zur Einschüchterung (siehe 6. Januar).
- Personenkult: Die Inszenierung als „alleiniger Retter“ und die Forderung nach bedingungsloser Loyalität.
- Alternative Fakten: Der Einsatz massiver Desinformation, um die objektive Wahrheit zu zerstören.
- Politik als Krieg: Die Sichtweise des Juristen Carl Schmitt, dass Politik kein Kompromiss, sondern ein existentieller Kampf gegen Feinde sei.
- Regieren als Revolution: Das Ziel, die bestehende Bürokratie und staatliche Ordnung radikal zu zerschlagen.
Der Zustand der USA im Jahr 2026
Rauch kommt zu dem Schluss, dass die USA derzeit ein hybrider Staat sind: Sie haben einen faschistischen Anführer, aber noch eine liberale Verfassung. Die Gerichte, die Bundesstaaten und die freien Medien existieren weiterhin als unabhängige Institutionen.
Obwohl Trump versucht, die demokratischen Grundfesten einzureißen, sieht Rauch die Verfassung als stabil genug an, solange sie nicht formal umgeschrieben wird. Dennoch sei es für die Verteidigung der Demokratie unerlässlich, die Realität beim Namen zu nennen und die faschistischen Strukturen als solche zu identifizieren.
Einschätzung
Der Autor argumentiert, dass das Zögern, den Begriff „Faschismus“ zu verwenden, mittlerweile gefährlich sei. Trump baue etwas Neues auf alten Prinzipien auf – einen amerikanischen Faschismus des 21. Jahrhunderts. Die Hoffnung liegt laut Rauch darin, dass Trumps Koalition bröckelt und die Institutionen seinem Druck standhalten.
Quelle: The Atlantic



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