Triumvirat 3.0 ?

Altphilologen gingen noch davon aus, es habe nur zwei Triumvirate gegeben.


Wer macht den Caesar?

Wen?

Wir wissen doch, für Caesar geht es schlecht aus.


Machtpoker ohne Regeln

​Die Welt, wie wir sie aus dem Geschichtsunterricht kennen, existiert im Jahr 2026 nicht mehr. Während wir lange dachten, dass Demokratie und das Völkerrecht die festen Leitplanken unserer Zukunft sind, erleben wir gerade eine radikale Kehrtwende. Es fühlt sich an, als hätten die mächtigsten Männer der Welt beschlossen, das Regelbuch einfach zu verbrennen.

​In Venezuela hat Donald Trump gerade gezeigt, wie er sich moderne Außenpolitik vorstellt: Er lässt den Diktator Maduro kurzerhand entführen. Dabei geht es ihm nicht um Menschenrechte oder soziale Gerechtigkeit. Er betrachtet Lateinamerika schlicht als seinen persönlichen „Hinterhof“, in dem er schalten und walten kann, wie er will. Das erinnert stark an Wladimir Putin, der die Ukraine und den Angriff auf Kyjiw mit der genau gleichen Logik begründet.

​Zusammen mit Xi Jinping bilden diese Anführer ein neues, inoffizielles Triumvirat der Stärke. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die alte Weltordnung zu beenden. Für sie sind internationale Organisationen wie die UN nur noch ein nettes Theaterstück für die Galerie. Während die Kameras laufen, schaffen sie hinter den Kulissen Tatsachen durch Militärgewalt und wirtschaftlichen Druck.

Das Ende der Vorbilder

Besonders für uns bricht hier ein Weltbild zusammen. Wir sind mit der Hoffnung aufgewachsen, dass die Welt durch Vernetzung immer friedlicher wird. Doch dieses Trio setzt auf Nationalismus und rohe Gewalt. Sie teilen die Erde unter sich auf. Wer mächtig genug ist, nimmt sich, was er möchte – egal, ob es um Öl in Venezuela oder den Kauf von Grönland geht.

​Europa und seine freiheitlichen Werte stehen plötzlich allein da. Trump sieht europäische Demokratien nicht mehr als Freunde, sondern als Gegner, die seinem Erfolg im Weg stehen. Das hat heftige Folgen für unsere Sicherheit. Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass der „große Bruder“ USA uns beschützt. Stattdessen müssen wir zusehen, wie die Welt in eine Zeit zurückfällt, in der nur noch das Recht des Stärkeren zählt.

Was wir jetzt tun können

​Der naive Glaube, dass alles von allein besser wird, ist vorbei. Aber das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Wenn die großen Bosse nur noch ihre eigenen Interessen verfolgen, wird der Widerstand der Menschen wichtiger denn je.

​Unsere Freiheit ist ein kostbares Gut, das wir nicht kampflos aufgeben sollten. Es liegt an uns, uns zu vernetzen und für eine Welt einzustehen, die nicht nur aus Hinterhöfen und Einflusssphären besteht. Die Geschichte ist nicht zu Ende – sie wird gerade nur sehr viel ungemütlicher geschrieben.

Quelle: Thomas Assheuer, „Venezuela: Wie soll man das zerbrochene Weltbild wieder zusammenbauen?“, DIE ZEIT, 06. Januar 2026.


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